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Lokalsport Handball-Bundesligist SVG Celle nach 23:28 in akuter Abstiegsnot (mit Video und Bildergalerie)
Sport Sport regional Lokalsport Handball-Bundesligist SVG Celle nach 23:28 in akuter Abstiegsnot (mit Video und Bildergalerie)
18:47 15.03.2015
Von Christopher Menge
Handball-Bundesliga SVG Celle gegen FA Göppingen, Adriana Cardoso de Castro Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Kreisläuferin Evelyn Schulz verließ mit Tränen in den Augen die Halle, Renee Verschuren suchte Trost bei den Gegnerinnen und die Mitspielerinnen saßen auf der Bank und blickten ungläubig Richtung Anzeigetafel. 23:28 stand dort – die Cellerinnen haben zum neunten Mal in Folge verloren. Und was noch schlimmer ist: dieses Mal gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf. Die TPSG FA Göppingen entführte völlig verdient die beiden Punkte aus der HBG-Halle.

Handball-Bundesligist SVG Celle hat das Spiel gegen die TPSG FA Göppingen, einem - direkten Konkurrenten im Abstiegskampf, vor 700 Zuschauern in der HBG-Halle mit 23:28 (12:14) verloren. - Nach der neunten Niederlage in Folge bleibt den Cellerinnen beim Blick auf das schwere Rest- - programm nur noch das Prinzip Hoffnung.

„Das Kämpferherz war da, aber die einfachen Tore haben uns einfach gefehlt“, suchte Kathrin Schulz, die durch eine Grippe geschwächt ins Spiel gegangen war, nach Erklärungsansätzen, „wenn wir so weiterspielen, schaffen wir den Abstieg – das wäre sehr schade, weil wir eine so tolle Hinrunde gespielt haben.“ Doch von den Leistungen ist der SVG derzeit meilenweit entfernt. Nach der Pause präsentierten sich die Cellerinnen eine gute Viertelstunde wie ein Absteiger – es klappte gar nichts mehr bei den Gastgeberinnen, was die Gäste ausnutzten und auf acht Tore davon zogen.

„Ich weiß nicht, woran es liegt“, sagte Verschuren, „man hatte den Eindruck, dass wir das Spiel in der 36. Minute schon verloren hatten. Wir haben die Köpfe hängen gelassen – dabei muss man immer weitermachen. Innerhalb von fünf Minuten sind wir nochmal rangekommen, wir hätten den Schalter gleich umlegen müssen.“ In der Tat starteten die Celler nach einem 15:23-Rückstand eine unglaubliche Aufholjagd und kamen fünf Minuten vor dem Ende auf 23:25 ran, doch die Göppingerinnen ließen sich den verdienten Sieg nicht mehr nehmen.

„Für den Klassenerhalt muss jetzt schon alles passen. Sowohl bei uns als auch bei den Gegnern – wir haben es nicht mehr selbst in der Hand“, sagte Trainer Martin Kahle mit Blick auf die nächsten Wochen. Leipzig, Metzingen und Berlin heißen die nächsten Gegner, ehe am 25. April der Tabellenletzte aus Trier zu Gast ist. Sollten die Cellerinnen dann nicht gewinnen, ist der Abstieg nicht mehr zu vermeiden. Doch noch ist der Glaube an den möglichen Klassenerhalt da: „Es ist nichts zu Ende“, betonte Verschuren, „wir werden uns nicht aufgeben.“

Pichlmeier verlässt Celle: Am Rande der Partie in der HBG-Halle wurde bekannt, dass Junioren-Nationalspielerin Kathrin Pichlmeier den SVG Celle im Sommer in Richtung Blomberg-Lippe verlassen wird. Die 19-Jährige mit Zweitspielrecht kam in dieser Saison nur zwei Mal zum Einsatz.

Vorentscheidung in der 33. Minute

CELLE. SVG-Torhüterin Turid Arndt wirft den Ball auf die zum Tempogegenstoß gestartete Bogna Dybul. Diese fängt den Ball, läuft zwei Schritte, springt vom Kreis ab und hebt den Ball über die Gäste-Torhüterin. Doch zum Entsetzen der Zuschauer landet der Ball am Querbalken. Sekunden später kommt Adriana Cardoso de Castro frei zum Wurf, doch sie scheitert an der Göppinger Torhüterin. Dann vergibt Rene Verschuren aus dem Rückraum. „Wir haben beim Stand von 13:15 erst den Gegenstoß und dann zwei freie Würfe verworfen“, ärgerte sich SVG-Trainer Martin Kahle.

Diese 33. Minute war wohl die vorentscheidende im Spiel gegen Göppingen, denn die Gäste nutzten diese Schwäche eiskalt aus und zogen in der Folge auf 20:13 davon (40.). Die Cellerinnen waren in dieser Phase völlig verunsichert – alles ging schief. In der 37. Minute kam Dybul beispielsweise auf links außen frei zum Wurf, doch anstatt aufs Tor zu werfen, versuchte sie einen Pass auf Rechtsaußen. Die überraschte Cardoso de Castro bekam den Ball gegen den Fuß. Einige Minuten später landete ein Anspiel von Mieke Düvel am Rücken von Verschuren.

Und wenn sich die Cellerinnen dann doch einmal durchsetzten und zu einer guten Chance kamen, scheiterten sie immer wieder an Göppingens Torhüterin Melanie Herrmann. Diese hatte im Gegensatz zu den beiden Celler Torfrauen, Arndt und Frauke Kemmer, einen richtig guten Tag erwischt und brachte ihre Mannschaft mit guten Paraden auf die Siegerstraße. Hinzu kam, dass die Gäste im Angriff immer wieder zu einfachen Toren kamen, da die SVG-Abwehr nicht entschlossen genug zupackte. Bezeichnend, dass der SVG im ganzen Spiel nur eine Zeitstrafe erhielt.

Doch es gab auch eine Phase im Spiel, die Hoffnung für die kommenden Wochen macht. Beim Rückstand von 18:25 zehn Minuten vor dem Ende ging plötzlich ein Ruck durch die Mannschaft. Innerhalb von fünf Minuten verkürzten die Cellerinnen auf 23:25. Die Zuschauer peitschten die Spielerinnen nochmal nach vorne, doch Ana Petrinja machte mit einem Treffer aus dem Rückraum die Träume zunichte. Göppingen kam danach noch zu zwei weiteren Toren, während die Cellerinnen nicht mehr erfolgreich waren. Der verworfene Siebenmeter von Szücs – mit sieben Toren beste Schützin des SVG – in der Schlussminute passte dabei ins Bild.

In der ersten Halbzeit waren die Cellerinnen nach einer schnellen 2:0-Führung immer einem Rückstand hintergelaufen, kamen aber bis zum 8:8 (19.) immer wieder zum Ausgleich. Beim 12:14-Rückstand zur Pause schien noch alles möglich, doch in der 33. Minute nahm das Schicksal seinen Lauf.