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Lokalsport Hermannsburgerin erreicht sechsten Platz bei Jugendmeisterschaften der Mehrkämpfer
Sport Sport regional Lokalsport Hermannsburgerin erreicht sechsten Platz bei Jugendmeisterschaften der Mehrkämpfer
17:42 21.08.2017
Quelle: Ralf Görlitz
Hermannsburg

Bereits Tage vor den Deutschen Jugendmeisterschaften der Mehrkämpfer U18/U16 in Bernhausen hat sich Marie Dehning auf ihre erste Teilnahme gefreut. Nun ist es so weit. Die 14-jährige Hermannsburgerin steht im Startblock der ersten Disziplin: 80 Meter Hürdenlauf. Als das Startsignal kommt, schießt die Leichtathletin der LG Celle-Land wie ein Pfeil davon. Mit kraftvollen Bewegungen läuft sie die erste Hürde souverän an. Das hatte sie in den Wochen zuvor immer wieder trainiert. Jetzt will sie zeigen, was sie kann. Doch plötzlich passiert das Unglück: Bei der ersten Hürde bleibt sie mit ihrem Fuß hängen, gerät ins Stolpern und stürzt auf die raue, harte Tartanbahn. Doch Aufgeben kommt für sie nicht infrage. Geistesgegenwärtig rappelt sie sich sofort auf, ignoriert die Schmerzen und läuft das Rennen zu Ende.

„Ich wusste, ich muss unbedingt ins Ziel laufen, sonst kriege ich keine Punkte“, sagt Dehning. Nachdem sie den Lauf in 15,05 Sekunden absolviert hat, wird das Ausmaß ihres Sturzes sichtbar. Ihre Haut weist großflächige Abschürfungen auf. Ihr Knie, das bereits aus einem Trainingslauf verletzt war, ist geprellt. Zudem steht sie nun direkt zu Beginn des Wettkampfes auf dem 21. und somit letzten Platz.

Die anfängliche Euphorie, mit der sie den Mehrkampf begonnen hat, ist verflogen. Ihr Ziel, am Ende auf dem Treppchen zu stehen, rückt in unerreichbare Ferne. „Das hat mich total erschüttert. Ich war sehr traurig“, sagt Dehning. Doch die Trauer hält nicht lange an. „Jetzt erst recht“, denkt sich die junge Athletin und beginnt trotz ihrer Blessuren eine unglaubliche Aufholjagd. Nach 9,73 Metern im Kugelstoßen und 4,98 Metern im Weitsprung kämpft sich die 14-Jährige Disziplin um Disziplin weiter nach vorne. Am Ende des ersten Wettkampftages und nach 13,36 Sekunden beim 100-Meter-Sprint hat sie sich auf den 16. Platz vorgearbeitet. „Es war toll zu sehen, wie sie weitergemacht hat“, sagt Mutter Claudia Dehning stolz. „Viele hätten aufgegeben, aber sie nicht. Sie hat diesen Kampfgeist.“

In der Nacht heißt es für die Schülerin Wunden versorgen, um einigermaßen erholt erneut anzugreifen. Doch auch ihr zweiter Wettkampftag beginnt mit einer Enttäuschung. Die junge Sportlerin fällt beim Hochsprung mit 1,49 Metern auf den 17. Platz zurück. Aber auch davon lässt sich ihr Wille nicht erschüttern.

Beim Speerwurf zeigt sie dann ihr riesiges Potenzial. Mit einem herausragenden Wurf von 44,46 Metern erreicht sie nicht nur den 10. Platz, sondern erzielt damit auch die größte Weite der Konkurrenz. „Beim Speerwerfen ist sie einfach die Beste ihrer Altersklasse“, sagt Trainer Björn Lippa.

Und auch in der abschließenden Disziplin, dem 800-Meter-Lauf, zeigt sie noch einmal allen Zuschauern, was für eine Ausnahmesportlerin in ihr steckt. In nur 2:24 Minuten läuft sie die zwei Stadionrunden am schnellsten unter den Teilnehmern.

Am Ende verbucht sie 3618 Punkte und erreicht den sechsten Platz. „Das war eine riesige Erleichterung für mich. Gerade nachdem ich am Anfang Letzte war. Das hat mich richtig gefreut“, sagt Dehning. Und nicht nur sie selbst ist glücklich mit ihrer Leistung.

„Was Marie an diesen beiden Tagen trotz Schmerzen und anfänglicher Enttäuschung geleistet hat, erfüllt mich mit sehr großem Stolz“, sagt Lippa. Und wäre der Sturz nicht gewesen, hätte sie womöglich sogar auf dem Treppchen gestanden, ist sich Dehnings Trainer sicher: „Wenn man sich ihre Zeiten beim Training anschaut, wäre sie auf 3750 Punkte gekommen. Damit hätte es für Bronze gereicht.“

In Zukunft könnte die junge Athletin durchaus zu den besten deutschen Sportlern im Mehrkampf zählen. „Das Potenzial ist da“, sagt Lippa. „Außerdem ist sie technisch sehr gut und lernt sehr schnell. Wir müssen jetzt schauen, wie sie sich körperlich entwickelt. Sie ist ja noch jung. Aber sie hat auf jeden Fall den nötigen Ehrgeiz für die Spitze.“

Von Fremdfotos / Texte Eingesandt