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Lokalsport Immer schön locker bleiben
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17:30 30.03.2012
Von Heiko Hartung
Trainingsserie: Heigln. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Die warme Märzsonne lässt den Rasen auf dem Kinderspielplatz an der Marienwerderallee in Celle langsam sprießen. Zwischen Basketballkorb, Schaukeln und Klettergerüst hat sich eine Gruppe älterer Menschen im Kreis versammelt – neugierig beäugt von Müttern mit Kleinkindern und herumtobenden Jugendlichen. Auf die Anweisungen von Edith Winter hin lassen die Senioren ihre Arme wie Kornähren im Wind hin und her treiben, schütteln ihre Beine aus oder lassen ihre Schultergelenke kreisen. Die Stimmung ist gelöst, es wird viel gelacht.

Einmal pro Woche trifft sich die Gruppe zum „Heigln“ – bei jedem Wetter. Benannt nach ihrem Schöpfer Heinz Heigl (1901 bis 1987), einem früheren Olympiatrainer im modernen Fünfkampf, ist die Konditions-Therapie ein ganzheitliches Gesundheitstraining mit schwungvollen, natürlich fließenden Bewegungen und Atemübungen. „Nicht Kraft, sondern die Leichtigkeit der Übungen sind entscheidend“, erklärt Edith Winter. Die 64-Jährige ist ausgebildete Heigl-Übungsleiterin und seit 2005 dabei. „Anfangs habe ich die Sache belächelt. Doch dann war ich schnell von der Philosophie Heigls überzeugt“, sagt die Cellerin. Früher machten ihr mehrere Bandscheibenvorfälle zu schaffen. „Seit ich heigle, sind die Rückenschmerzen weg.“

Auch Gerda Friedrich schwärmt vom Wohlbefinden nach jeder Übungsstunde: „Ich schlafe nachts besser und fühle mich fit“, sagt die 79-Jährige. Das Tolle am Heigln: „Das Alter spielt keine Rolle. Ehrgeiz und Leistungsdruck sind uns fremd.“

Geheiglt wird immer im Freien – wegen der frischen Luft. „Trainiert wird dabei auf gewachsenem Boden, der federt und schont die Gelenke“, erklärt Winter. Die 23 Grundübungen der „Methode Heigl“ sind einfach durchzuführen. Wichtig ist der Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung kombiniert mit einer harmonischen Atmung. „Man spürt schon nach kurzer Zeit, wie sich die Muskeln lockern und die Haltung aufrichtet“, sagt Gertrud Manz (71) aus Wietzenbruch. Auch ihren Mann Siegfried hat sie überzeugt – er ist seit drei Übungsstunden dabei und will sie nicht mehr missen.

Nun fassen sich die Teilnehmer an den Händen und winkeln abwechselnd ein Bein an. Dann lassen alle die Arme locker um den Körper schlenkern. „Ödel-dödel“ nennt Winter diese Entspannungsübung. „Manchmal äffen uns einige Jugendliche nach“, sagt Winter. Aber spätestens wenn die Heigl-Expertin ihre Bonbondose herausholt, werden die „älteren Semester“ auf dem Kinderspielplatz voll akzeptiert.

„In der Gegend um Hoya, wo Heinz Heigl sich 1963 mit seiner Frau nach vielen Jahren im Ausland niederließ und seine Methodik entwickelte, gibt es in jedem Dorf vier, fünf Heigl-Gruppen“, erzählt Winter. Aber auch im Raum Celle ist das wohldosierte Training auf dem Vormarsch. Winter betreut neben der Celler Gruppe (mittwochs, 15 bis 16 Uhr) auch „Heigler“ in Eicklingen am Café im Gutshof (dienstags, 10 bis 11 Uhr) und in Wienhausen im Klosterpark (donnerstags, 10 bis 11 Uhr). Heigl-Lehrkraft Silvia Slawik-Nolte trainiert mit ihrer Gruppe donnerstags in Thaers Garten in Celle. Interessierte sind zum „Schnuppern“ immer willkommen. Informationen unter Telefon (05141) 5939539 (Winter) und Telefon (05141) 33799 (Slawik-Nolte).