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Lokalsport In Hölty-Halle fliegen die Federn
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14:35 22.02.2012
Norddeutsche Meisterschaft in Indiaca in der Celler Hˆltyhalle. Quelle: Gert Neumann
Celle Stadt

Das Netz ist über zwei Meter gestrafft, Unterhand- und Oberhand-Aufschläge sind erlaubt und eine Mannschaft darf in ihrem Feld maximal drei Mal den Ball berühren, bis er über das Netz geschlagen werden muss – klingt nach Volleyball, ist es aber nicht. Die Rede ist von Indiaca, einer bis dato weitestgehend unbekannten, volleyballähnlichen Rückschlagsportart mit Ursprung in Südamerika. Bei der Norddeutschen Meisterschaft am vergangenen Sonntag in der Hölty-Halle ließen die über 20 teilnehmenden Teams eine Art Federball über das Netz fliegen. Ausrichter war der MTV Eintracht Celle, der als einziger Verein aus dem Landkreis Teams in der Herren-, Damen- und Mixed-Konkurrenz stellte – und das mit Erfolg: In den Kategorien Herren Ü-55, Frauen Ü-45, Mixed Ü-19 und Ü-45 holte sich der MTVE den Norddeutschen Meistertitel. Die Teams nehmen somit an der Deutschen Meisterschaft teil.

Es war ein ungewohnter Anblick: Mit Einsatzwillen stürmte ein MTVE-Spieler zum Netz und drosch den Indiaca-Ball mit der vollen Wucht seiner flachen Hand auf die gegenüberliegende Seite des PSV Braunschweig zum Punktgewinn. Doch je mehr man sich auf die kurzweilige Mannschaftssportart einließ, desto spannender war es, sie zu verfolgen. Das 8 mal 6,10 Meter große Spielfeld auf jeder Seite mit fünf Spielern sorgte für Action auf engstem Raum und erforderte Präzision sowie eine gute Harmonie zwischen den Teamkollegen.

Jörg Fitschen konnte dies bestätigen: Zwar verlor er mit seinen MTVE-Teamkollegen das Auftaktspiel knapp gegen Braunschweig, doch er ließ sich davon seine Indiaca-Euphorie nicht nehmen und erklärte die Vorteile im Vergleich mit Volleyball: „Zum einen gibt es schnellere Erfolge beim Trainieren und zum anderen viel weniger Verletzungen.“ Edith Wienerkamp, ranghöchste Schiedsrichterin vom Landesverband aus Ostfriesland, stimmte mit ein: „In zehn Jahren Indiaca habe ich mich noch nicht einmal verletzt.“

So ist die Sportart auch perfekt für das ältere Semester geeignet: Dieter Rothe, 61 Jahre alt, hatte 40 Jahre Handball für den VfL Westercelle gespielt, ehe er sich vor drei Jahren aufgrund des hohen Verletzungsrisikos beim Handball der Indiaca-Abteilung der Eintracht anschloss: „Indiaca ist im Kommen“, bekräftigte Rothe. Besonders das „mannschaftliche Spiel“ fasziniere ihn: „Bei uns herrscht eine gute Gemeinschaft.“

Roland Elsner, Leichtathletik-Trainer des MTVE Celle, machte den Sport, der in der Hölty-Halle die Zuschauer bei gelungenen Aktionen zu manch Szenenapplaus hinriss, im Verein populär. Seit der Einführung der offiziellen Spielerpässe vor fünf Jahren ist auch Vize-Präsident Reiner Schmidt dabei: „Seitdem haben wir uns von der Spielanlage her gesteigert“, freute sich Schmidt, der auch auf die Jugendabteilung stolz ist: „Mit fünf aktiven Jugendspielern und zwei Trainern sind gute Ansätze vorhanden. Wir freuen uns daher über jeden Spieler, der am Sport interessiert ist.“

Werbung hat der MTVE mit der durchweg gut organisierten Norddeutschen Meisterschaft auf jeden Fall gemacht. Lange und spannende Ballwechsel mit teils spektakulären Rettungsversuchen der Spieler sorgten für zufriedene Zuschauer. Der große Anklang, den die Veranstaltung fand, zeigt, dass in Celle durchaus Interesse an dieser aufstrebenden Sportart herrscht.

Von Andre Batistic