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Lokalsport Kanuclub Lachendorf: Paddeln für die Freundschaft
Sport Sport regional Lokalsport Kanuclub Lachendorf: Paddeln für die Freundschaft
18:31 17.02.2014
Diese beiden Herren sitzen seit über 25 Jahren in einem Boot: Bootshauswart Siegfried Kühn (links) und Ehrenvorsitzender Rüdiger Kleins haben im Kanu-Club Lachendorf schon viel zusammen erlebt. Quelle: Alex Sorokin
Lachendorf

Ganze 22 Jahre war Rüdiger Klein Vorsitzender des Kanu-Clubs Lachendorf. Schuld daran waren ein großer Mercedes-Bus und zwei tragische Todesfälle. Es war Mitte der 70er Jahre. Klein, damals selbstständiger Elektriker, war mit seiner Mutter kurz nach Kriegsende 1945 aus Marienburg in Westpreußen über Rostock nach Beedenbostel geflohen. Hier fand er eine neue Heimat und lernte das Vereinsleben kennen.

Kegelfreunde erzählten ihm vom örtlichen Kanu-Club, von Herrentouren nach Süddeutschland, und baten ihn um seinen Mercedes-Bus. „Ohne Bus ist es fast unmöglich, die Kanus zu transportieren – und natürlich wollte ich meinen Freunden helfen“, erzählt Klein. Er half, stellte aber eine Bedingung: „Ihr bekommt den Bus, doch nur mit mir als Fahrer“, sagte Klein in die versammelte Runde. Die Freunde stimmten zu. Klein fuhr mit und wurde 1979 Mitglied des Vereins, der heute rund 100 Mitglieder zählt.

Vorsitzender, das wollte Klein eigentlich nie werden, doch das Schicksal führte ihn direkt ins Amt. 1978, ein Jahr vor Klein Vereinsbeitritt, starb der Vorsitzende Peter Schlichting bei einer Kanutour. Nur vier Jahre später erwischte es auch seinen Nachfolger Wilhelm Borck am Fluss Gail im österreichischen Kärnten. Klein war mit dabei. „Der Fluss war wild, doch Borck wollte unbedingt paddeln. Wir machten uns keine Gedanken, er war schließlich sehr erfahren“, erzählt Klein.

Doch an diesem Nachmittag half die ganze Erfahrung nichts. Borck rutsche mit seinem Boot auf einem Stein aus, kenterte, verletzte sich an der Schläfe und ertrank im Wildwasser. „Die Bergwacht konnte nur noch seinen Tod feststellen. Das war wirklich ein sehr trauriger Moment für den gesamten Verein“, erzählt Klein, der damals mit seinen Kameraden zwei Kilometer bei den Autos wartete.

Heinrich Westermeyer, der heutige 2. Vorsitzende, übernahm kommissarisch die Geschäfte. Lange wollte er das Amt jedoch nicht ausüben. Da kam Klein 1983 ins Spiel: „Ich war schon viele Zeit im Verein aktiv und zögerte nicht lange, als man mich fragte, ob ich das Amt übernehmen will“, erinnert sich der heute 74-Jährige.

Einstimmig wurde er gewählt. 2005 legte er das Amt aus Altersgründen nieder und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Klein bezeichnet den Kanu-Club als sein „zweites Zuhause“. Das liegt vor allem auch an der engen Freundschaft zu Siegfried Kühn. Der 70-Jährige war über 25 Jahre Bootshaus- und Gerätewart und die rechte Hand des Vorsitzenden. Er kümmerte sich um die Pflege des Geländes und des Bootshauses. Heute ist er Ehrenbootswart.

1978 lernten sich die beiden Paddel-Freunde kennen. Klein war für elektrische Arbeiten in der ehemaligen Bäckerei Körner in Lachendorf tätig, in der Kühn als Bäcker arbeitete. Sie freundeten sich an und verbrachten viel gemeinsame Zeit im Kanu-Club. „Wir sind über die Jahre enge Freunde geworden und haben uns noch nie gestritten. Wir verstehen uns einfach gut“, sagt Kühn. Auch er hat sein Amt mittlerweile abgegeben. Sich zur Ruhe zu setzen, kommt für beide jedoch nicht in Frage. „Wir sind beide sehr aktiv im Verein und kümmern uns darum, dass hier alles läuft. Aber wir haben eben nicht mehr die Pflicht dazu, das ist das Schöne daran“, sagt Kühn.

Beide schätzen die große Gemeinschaft im Verein: „Wir feiern viele Feste, sind jahrzehntelang mit dem Bus durch Deutschland und Europa gereist und haben viele tolle Sachen zusammen erlebt“, erinnert sich Klein. Ein Zusammenhalt wie im Kanu-Club Lachendorf sei nicht häufig zu finden. „Das ist wertvoll und nicht selbst verständlich. Umso wichtiger ist, dass wir uns gemeinsam dafür einsetzen, dass dieser Club noch viele Jahre besteht“, hofft Kühns. Und so werden sich die beiden auch morgen wieder am Bootshaus treffen, um nach dem Rechten zu sehen.

Von David Sarkar