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Lokalsport Kanuten machen auf Deutschland-Tour Station in Celle
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11:16 13.11.2014
Marc Schoepke und Dunja Trunzer paddeln durch ganz Deutschland. - Auf ihrer Tour legten sie in Celle einen Zwischenstopp ein. Quelle: Benjamin Westhoff
Altencelle

Langsam gleitet das Kunstoff-Kanu über die Gummirolle ins Wasser der herbstlich kalten Aller. Ein Mann setzt sich hinein und paddelt gemeinsam mit seiner Begleiterin Richtung der Brücke, die die K74 über die Aller führt. Der Paddler ist Marc Schoepke, Extremsportler und Outdoor-Materialtester. „Es gibt auch Kohlefaserboote, aber die gehen leicht kaputt“, weiß er. Seine Begleitung ist Dunja Trunzer, die hauptberuflich Natur- und Landschaftsführerin ist. Das Ehepaar will zusammen 900 Kilometer quer durch Deutschland paddeln.

„Man riecht und sieht es etwa zehn Kilometer vorher, das man sich einer Stadt nähert. Das Wasser wird trüb und es riecht strenger“, berichtet Schoepke. Seitdem er sieben Jahre alt ist, paddelt der Extremsportler um die Welt. Einmal rund um Korsika oder von Bremen nach Stockholm und zurück. Beides sind Touren die der 39-Jährige bereits absolviert hat.

„Die Aller hier ist ja noch einigermaßen sauber, aber an der Saale sieht es so vollgemüllt aus wie in Indien“, erzählt seine Gattin Trunzer, die einen Blog über die Reise verfasst. Mit ihrer Tour wollen die beiden auch auf das Müllproblem aufmerksam machen. Sie haben einen „MUSS-Beutel“ dabei. Das steht für „Müll- und Unrat-Sammelsack“ und ist eine Aktion des bayerischen Kanuverbandes. „Eine gute Idee“, findet Trunzer. Durch ihren Partner ist sie in diesem Jahr zum Wassersport gekommen. „Sie hat aber jetzt schon mehr Kilometer zurückgelegt als so manch anderer Kanusportler“, gibt Schoepke augenzwinkernd zu Protokoll.

Bereits 550 Kilometer ist das Duo gepaddelt, 900 sollen es werden. „Am Tag schaffen wir in etwa 20 bis 35 Kilometer“, so Schoepke. Im Moment sind die Beiden aber dazu angehalten, in Celle zu verweilen. Nur für unser Foto lassen sie die Kanus kurz zu Wasser. Denn das Rundumlicht, das jedes Wasserfahrzeug auf deutschen Bundeswasserstraßen in einem Meter Höhe haben muss, ist ihm abhanden gekommen. „Das sollte eigentlich schwimmen, offensichtlich tut es das aber nicht“, bemängelt der Materialtester.

Bis ihm ein Freund ein neues Rundlicht zugesandt hat, schlagen die beiden bei den Celler Kanu-Wanderern in Altencelle ihr Zelt auf. „Heute wollen wir mal die Innenstadt erkunden, die soll sehr schön sein, haben wir gehört“, berichtet Trunzer mit einem Lächeln.

Gestartet sind sie in Thüringen an der Bleilochtalsperre nahe Bayern. Von da ging es über Sachsen-Anhalt nach Celle. Zweimal ist Trunzer auch schon gekentert. „Das ist aber nicht so schlimm, wir tragen unter unseren Klamotten einen Trockenanzug, der wasserdicht ist“, erzählt die Allgäuerin.

Im Sommer waren die beiden in Trunzers Element unterwegs. Das Duo wanderte wochenlang durch die Alpen. „Da habe ich gelernt, dass der Spruch `Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung´, totaler Schwachsinn ist. Wenn es 14 Tage am Stück regnet, dann ist irgendwann alles nass“, sagt Schoepke. Dafür hat er einen anderen Tipp für alle Abenteuerlustigen: „Wer schwitzt, kann nichts dafür, denn irgendwann kann man sich nur noch ausziehen und in den Schatten gehen. Wer aber friert ist selber Schuld. Man kann sich immer dicker anziehen oder mehr bewegen.“

Heute will das Ehepaar seine Kanus samt aufgesatteltem Gepäck wieder ins Wasser gleiten lassen. Schoepkes Heimat Worpswede ist das Ziel ihrer Reise. „Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg“, weiß er.

Alexander Hänjes

Von Alexander Hänjes