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Lokalsport Keine Angst vor schwarzen Gürteln
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19:45 18.09.2013
Traning im heimischen Garten: Jan Plumhoff aus Bröckel arbeitet hart an seiner Jiu-Jitsu-Karriere. Belohnt wurde sein Einsatz nun mit dem Vize-Weltmeistertitel. Quelle: Alex Sorokin
Bröckel

BRÖCKEL. Ruhig, fast etwas zurückhaltend, sitzt Jan Plumhoff seinem Gesprächspartner gegenüber. Die Haare mit Gel hochgestachelt, schaut er einen mit ruhigen Augen an. Auf den ersten Blick vermutet man nicht, dass Plumhoff ein erfolgreicher Kampfsportler ist. Doch der 18-jährige angehende Bankkaufmann aus Bröckel hat bei der Jiu-Jitsu-Weltmeisterschaft im österreichischen Bregenz bewiesen, dass er es mit den ganz Großen der Kampfsportszene aufnehmen kann. Nach vier erfolgreichen Wettkampftagen hielt Plumhoff die Vizeweltmeister-Medaille in der Hand. „Das ist für mich ein riesiger Erfolg, den ich noch gar nicht ganz realisiert habe“, freut sich der Kampfsportler.

Da es in seiner Gewichtsklasse mit 85 Kilogramm keine Gegner gab, musste der 18-Jährige bei der WM gegen Schwarzgürtler antreten. Das sei für beide Seiten ein komisches Gefühl gewesen. „Die haben nicht schlecht gestaunt, als sie mich mit dem orangenen Gürtel vor sich sahen“, erzählt er, um gleich hinterherzuschicken: „Sie haben mich unterschätzt. Das war mein Vorteil.“ Aber natürlich sei auch er aufgeregt gewesen: „Man kämpft nicht jeden Tag gegen Profis im schwarzen Gürtel.“ Seit zwölf Jahren betreibt Plumhoff Kampfsport, der Vize-Weltmeistertitel ist sein bisher größter Erfolg.

Kämpfer aus insgesamt 16 Nationen waren bei der WM dabei, darunter Teilnehmer aus Kanada, Ghana, Australien und Italien. Doch besonders aufregend war für den 18-Jährigen das Aufeinandertreffen mit Großmeister Tomasz Guja aus Polen (8. Dan) im Finale. Der amtierende Weltmeister wird in seiner Heimat als Star gefeiert und war für den jungen Bröckeler der bisher schwerste Gegner in seiner noch jungen Karriere. Umso erstaunter war Plumhoff über sich, dass er im Kampf relativ lange mithalten konnte. „Der ist schon echt sehr gut, aber es war trotzdem kein langweiliger und einseitiger Kampf. Wir haben uns nichts geschenkt“, sagt der Kampfsportler.

Ein gutes Standing hatte der junge Bröckeler auch deshalb, weil er sich im Vorfeld seinen Konkurrenten bei anderen Kämpfen genau angesehen hatte. Dabei beobachtete er, dass Guja seine Gegner meist sehr offensiv angeht, die sich daraufhin zurückziehen. Er beschloss, im Kampf das Gegenteil zu tun. „Ich habe keine Scheu gezeigt und bin nach vorne geprescht. Wir lagen beide am Boden, doch ich habe mich befreit und gedreht“, berichtet Plumhoff. Dass er am Ende dann doch nicht gewonnen habe, sei keine große Enttäuschung gewesen. „Natürlich willst du gewinnen, aber es war halt Guja. Da ist das nicht so leicht.“

Für seine Kampfsportkarriere muss der Vizeweltmeister viel Freizeit opfern. Zweimal in der Woche trainiert er mit seinem Trainer Gerrit Spin in Eicklingen, dazu kommen tägliches Kraft- und Konditionstraining – und all das neben der täglichen Arbeit bei der Volksbank Südheide. Doch sein Arbeitgeber unterstützt ihn beim sportlichen Erfolg. „Für die Weltmeisterschaft wurde ich freigestellt, obwohl ich noch in der Probezeit bin. Das hat mich sehr gefreut“, berichtet der Bröckeler.

Volle Rückendeckung gibt es auch von Mutter Petra: „Mein Sohn hat gleich nach dem Abi einen tollen Job gefunden und ist jetzt auch noch Vizeweltmeister. Ich habe alles richtig gemacht.“

Von David Sarkar