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Lokalsport Laues Lüftchen statt Gegenwind für Hallenpläne der Stadt Celle
Sport Sport regional Lokalsport Laues Lüftchen statt Gegenwind für Hallenpläne der Stadt Celle
17:39 06.09.2017
Von Heiko Hartung
Löst der geplante Abriss der Nordwall-Halle einen Engpassder städtischen Hallenzeiten aus? Oder ist alles halb so schlimm? Quelle: Peter Müller (Archiv)
Celle Stadt

Was Celles Oberbürgermeister Jörg Nigge (CDU) von der Sondersitzung des Sportausschuss am Dienstag hält, gab er der Ratsopposition von SPD, BSG und WG sowie den knapp 30 Zuhörern im Neuen Rathaus am Ende mit auf den Weg. Nämlich nichts. „Was wir heute erörtert haben, hätte jeder im Hallenbelegungsplan der Stadt nachsehen können. Diese Sitzung war völlig unnötig und hat den Steuerzahler 9000 Euro gekostet“, knallte Nigge dem erstaunten Publikum vor den Latz.

Dabei kann sich der Oberbürgermeister durchaus als Punktsieger im Ringen um die Hallenzeiten fühlen. Im Kern ging es um den geplanten Abriss der Nordwall-Halle. Für den soll es entgegen früherer Zusagen keinen Ersatzbau geben. Um die Frage zu beantworten, was mit den rund 500 Breitensportlern des MTV Eintracht Celle geschehen soll, die dort aktiv sind, hatten SPD, BSG und WG den „HallenGipfel“ eingefordert. Für den Großverein erfreuliche Antworten bekamen sie nicht vom Verwaltungschef.

131 freie Hallen-Stunden

Nigges These, es werden keine qualitative und quantitative Verschlechterung der Vereine hinsichtlich der Hallenbelegung geben, hielt er gegenüber allem Nachhaken der Sportpolitiker und Zuhörer, darunter führende Funktionäre Celler Sportvereine, aufrecht. „Wir haben in den städtischen Hallen 131 freie Stunden in der Kernzeit zwischen 16 und 21 Uhr“, führte Nigge aus. „Wenn in zwei Jahren die abgebrannte Dreifeldhalle in der Burgstraße wieder aufgebaut ist, kommen 30 bis 90 Stunden hinzu.“ Zudem sollen ein Online-Hallenbelegungsplan sowie ein Sportstättenmanagement, an denen die Verwaltung gerade arbeite, für mehr Transparenz und Effizienz bei der Vergabe von Hallenkapazitäten sorgen.

Er erwarte von allen Vereinen, dass sie bei der Verteilung der Hallenzeiten „mitziehen und sich bewegen.“ Derzeit würden sich aber „einige Vereine zusammentun, um die Planungen der Verwaltung zu torpedieren“, so Nigge.

Die Angesprochenen wirkten von dieser Attacke überrumpelt, ihre Einwände waren zaghaft und wurden von Nigge schlagfertig pulverisiert. So kritisierte SPD-Ausschussmitglied Gerda Kohnert, die gleichzeitig Vizepräsidentin des MTVE ist, dass die Mitteilungsvorlage den Sportpolitikern erst kurzfristig zugestellt worden sei. Auch seien den Verantwortlichen des Innenstadtklubs über die neuesten Überlegungen der Stadt, die Nordwall-Aktiven nach dem Abriss unter anderem ins „Haus der Vereine“ am Hafen sowie die Paul-Klee-Schule in der Heese zu verteilen, nicht informiert worden, sagte MTVE-Präsident Klaus Rohr und fügte an: „Wir wollen keine Zergliederung auf 20 Sporthallen.“

Rolf-Peter Nieber, ehemaliger MTVE-Geschäftsführer und als Beratendes Mitglied für die SPD im Sportausschuss, merkte an, dass der Verein schon jetzt zusätzliche Hallenzeiten anmieten muss, um seine Sportler unterzubringen. Wie könne da das Angebot ausreichen, wenn auch noch die Nordwall-Halle verschwinde? Nigge antwortete beinahe mantramäßig: „Es gibt genug Alternativen, um die wegfallenden Hallenzeiten zu kompensieren.“ Im Übrigen habe man dem MTVE den Erstzugriff auf freie Zeiten in anderen Hallen angeboten. Dass diese zum Teil weit entfernt in Scheuen liegen, erwähnte Nigge nicht, räumte aber ein, diese Überlegungen seien lediglich ein Zwischenstand der Planungen. „Wir arbeiten daran, sie in zwei bis drei Hallen citynah unterzubringen“, entgegnete er den MTVE-Vertretern.

Die Ausschussvertreter der CDU stellten sich erwartungsgemäß hinter ihren Oberbürgermeister: Man müsse die Übergangszeit durchhalten, bis die Burghalle wieder steht, meinte Kathrin Fündeling. Danach werde die Situation neu bewertet, so der Ausschussvorsitzende Joachim Ehlers.

Vages Versprechen

CDU-Beisitzer Selam Hagos verglich die Hallenbelegung mit einem überfüllten, unordentlichen Kleiderschrank: „Wenn man einmal alles rausschmeißt und geordnet wieder reinräumt, hat man am Ende Platz übrig.“ Rohr rang dem Oberbürgermeister immerhin ein vages Versprechen ab. Ob es denn möglich sei, die Nordwall-Halle erst abzureißen, wenn die Halle in der Burgstraße wieder steht?, regte der MTVE-Chef an. Nigge hielt das für eine gute Idee. „Eine hundertprozentige Zusage kann ich aber nicht geben.“