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Lokalsport Meißendorferin gewinnt Edelmetall dank neuer Lunge
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21:42 22.08.2017
Quelle: Fremdfoto
Celle Stadt

Wie es ist, sich zu sorgen, dass man die Treppe in der eigenen Wohnung nicht hochkommt, ohne am Ende völlig erschöpft zu sein, können sich die meisten gesunden Menschen kaum vorstellen. Die erfolgreiche Leichtathletin Katharina Bartsch vom LAZ Celle kennt dieses Problem. Im Jahr 2014 wurde bei ihr Lungenhochdruck diagnostiziert. Die seltene Krankheit stellte das Leben der aktiven 27-jährigen Meißendorferin auf den Kopf. "Ich konnte kaum 50 Meter gehen, ohne außer Atem zu sein", sagt Bartsch. Bereits geringe Anstrengungen bereiteten ihr Probleme. Doch jetzt kehrt sie mit zwei Silber- und einer Bronzemedaille von den World Transplant Games aus Malaga in ihre Heimat zurück. Dass Bartsch bei der Sportveranstaltung für Transplantierte an der 2400 Athleten aus 55 Nationen teilnahmen, mit dabei sein konnte, verdankt sie einer Lungentransplantation im letzten Jahr.

"Dabei zu sein war ein unglaubliches Erlebnis. Allein, dass ich wieder reisen konnte, war toll. Das war vorher gar nicht denkbar", sagt Bartsch. Ebenfalls unglaublich ist für sie ihr erfolgreiches Abschneiden. Denn die Sportlerin hat erst in diesem Jahr mit der Leichtathletik angefangen. "Als ich im Krankenhaus lag und auf meine Transplantation wartete, habe ich mich gefragt, was mache ich mit meinem Leben? Ich wollte eine Herausforderung haben und war vorher schon sportlich aktiv." So reifte in ihr der Gedanke nach ihrer Transplantation, bei den World Transplant Games mitzumachen. "Das ich ein Ziel hatte, hat auch zu meiner Genesung beigetragen. Denn ich glaube, dass hat auch viel mit dem Kopf zu tun."

Und so startete Bartsch in Malaga unter anderem beim 100-Meter-Sprint. Einer ungewöhnlichen Disziplin für eine Lungentransplantierte. "Die Meisten, die zum Sprint antreten, sind nierentransplantiert", erklärt Bartsch. Das Problem bei allen Personen mit einer Transplantation seien die Medikamente, die sie permanent nehmen müssten, damit die fremden Organe nicht abgestoßen werden. Viele dieser Substanzen haben starke Nebenwirkungen, die unter anderem das Muskelwachstum behindern. Lungentransplantierte müssten außerdem eine besonders hohe Dosis an Medikamenten zu sich nehmen, da die Lunge über die eingeatmete Luft ständig mit Bakterien und anderen Belastungen zu tun habe. Deshalb kam der Erfolg für Bartsch besonders überraschend: Mit einer Zeit von 14,62 Sekunden holte sie beim Sprint Bronze." Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Das war toll." Außerdem trat sie beim Weitsprung an, wo sie mit 3,70 Metern Silber gewann. Auch beim anschließenden viermal 100-Meter-Staffellauf kam sie am Ende auf das Treppchen und holte sich ihre zweite Silbermedaille ab.

"Dass ich Sport machen kann, ist nach meinem Leben die beste Errungenschaft", sagt Bartsch über ihre Transplantation. Deshalb wolle sie auch weiterhin Leichtathletik betreiben. Ihr nächstes Ziel ist die Teilnahme an den kommenden Europameisterschaften für Transplantierte in Sardinien. Dafür trainiert sie bis zu dreimal in der Woche. Wobei sie allerdings verstärkt auf ihre Gesundheit achten muss. "Ich kann nicht konstant trainieren", sagt Bartsch. Denn durch ihre Transplantation sei sie besonders anfällig für Infektionen. Deshalb arbeite sie in ihrem Beruf als Elektrotechnikerin auch von zu Hause aus. "Wenn im Büro jemand krank ist, wäre das sehr schlecht für mich." Doch ihre Lebensfreude lässt sie sich davon nicht nehmen. "Es mag zwar wie ein abgedroschener Spruch klingen, doch für mich ist es wirklich so. Nach meiner Transplantation liebe ich das Leben jeden Tag ein bisschen mehr."