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Lokalsport Motorbootfahrer des Yacht-Clubs Celle stehen vor dem Nichts
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14:54 26.07.2014
Jugendbetreuer Ulf Ziesenis (Zweiter von rechts) und seine Motorbootsportler stehen vor den Trümmern ihrer sportlichen Existenz. Auch die vielen Pokale und Trophäen (kleines Bild) wurden ein Opfer der Flammen. Quelle: Alex Sorokin / Johanna Müller / Gert Neumann (Archiv)
Celle Stadt

Jennifer Kirsten kann ihre Tränen nicht mehr zurück halten. Beim Anblick der Brandruine am Celler Hafen fällt der 21-jährigen Motorboot-Sportlerin des Yacht-Clubs Celle nur ein Satz ein: „Es ist schrecklich“, sagt sie. Die Stimmung gleicht der einer Beerdigung. Die Jugendabteilung des Yacht-Club Celle nimmt Abschied von ihren sechs Booten und dem Gebäude am Hafen, das für viele ein zweites Zuhause war. Alles was sie hatten ist dem Großbrand vom vergangenen Wochenende zum Opfer gefallen, nur ihre Shirts und Vereinsjacken sind ihnen noch geblieben. Auch von ihrem Parade-Boot, das die Sportler liebevoll „Blue Pearl“ (Blaue Perle) genannt haben, müssen sie sich verabschieden. Ein verkohltes Wrack ist alles, was von dem Renn-Boliden übrig geblieben ist.

„Doch wir haben weit mehr verloren als unsere Boote. Es ist alles weg“, sagt Jugendbetreuer und Sportwart Ulf Ziesenis, der den Schaden allein für die Jugendabteilung auf mindestens 50.000 Euro schätzt. Die Motorboote machen etwa ein Drittel der Verluste aus und auch nur sie sind versichert. Doch zum Bestand der Jugendabteilung gehörten auch die Bojen-Parcours für den Motorboot-Slalom. Diese sind nun mit dem restlichen Equipment wie Helmen und Schwimmwesten verbrannt.

Selbst wenn die Boote kurzfristig ersetzt werden würden, könnten die 15 Jugendlichen ihren Sport immer noch nicht in Celle ausüben. Die nötigen Parcours müssten sie neu bauen, da diese nicht zu kaufen sind. „Wir sind jetzt auf Spenden angewiesen, um unsere Ausrüstung wieder aufzubauen“, erklärt Ziesenis.

Auch Erinnerungen an die großen Erfolge der insgesamt 15 Jugendlichen sind verloren. „Den Siegerpokal der Deutschen Meisterschaften im Teamfahren hätten wir dieses Jahr zum dritten Mal in Folge gewinnen können“, sagt Stina Baldin. Doch diesen sowie den Pokal der Norddeutschen Meisterschaft können die amtierenden Meister nicht wieder zu den Wettbewerben mitbringen.

Auch ob die Sportler jetzt noch an ihre Erfolge anknüpfen können ist fraglich. „Die Norddeutsche Meisterschaft wird bereits in zwei Wochen ausgetragen. Wir können uns zwar Boote vom Bundesverband leihen, aber ein Training ist vorher nicht mehr möglich“, sagt Ziesenis. Außerdem fehlt den MS11-Fahrern ihre „Blue Pearl“, die das modernste und schnellste Boot dieser Klasse in Deutschland war. Erst seit zwei Jahren fuhren sie damit. „Wir haben so lange auf die Perle gewartet und mit viel Mühe Spenden für den Kauf gesammelt“, sagt die 24-jährige Baldin, die seit elf Jahren in Celle diese Bootsklasse fährt.

Anika Jux (23 Jahre) und Niklas Luckmann (18) mussten sich erst selbst ein Bild von dem Inferno machen, bevor sie es glauben konnten. „Ich hatte im Internet von dem Brand erfahren und bin gleich los gefahren“, sagt Lux. Da zunächst nicht klar war, wie weit der Yacht-Club betroffen war, hatte sie noch die Hoffnung, dass Material gerettet wurde. „Meistens ist am Wochenende jemand hier oder auf dem Wasser“, sagt sie. Doch am vergangenen Wochenende war niemand da.

„Meine erste Reaktion war: Jetzt hören wir auf“, erinnert sich Ulf Ziesenis. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Sportler Schicksalsschläge erlebt, als zwei Vereinsmitglieder innerhalb weniger Wochen plötzlich starben. „Ich wollte aufgeben, doch die Jugendlichen lassen das nicht zu. Wir machen weiter und wir schaffen das auch“, sagt Ziesenis.

Von Johanna Müller