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Lokalsport Nur Obama ist nicht gekommen: 53 Celler Athleten bei Sportlerehrung der Stadt ausgezeichnet
Sport Sport regional Lokalsport Nur Obama ist nicht gekommen: 53 Celler Athleten bei Sportlerehrung der Stadt ausgezeichnet
21:36 22.04.2016
Von Heiko Hartung
Celle Stadt

Wenn Barack Obama das gewusst hätte, wäre er auf seinem Hannover-Trip vielleicht doch auf einen Abstecher nach Celle vorbei gekommen: Zum Auftakt der Sportlerehrung der Stadt enterten gestern Abend zehn „American Line Dancer“ des VfL Westercelle die Bühne in der Alten Exerzierhalle und sorgten mit ihren Tanzstafetten für echtes USA-Feeling – inklusive „Tennessee-Waltz“. Später hätte Obama auch noch die „Human Flag“ und andere kraftakrobatische Kunststückchen der beiden Celler Fitnesssportler Ted Spitzer und William Müller bewundern können. Sorry Mister President, aber da haben Sie echt was verpasst.

Vielleicht besser so. Denn in Abwesenheit des US-Präsidenten standen diejenigen im Mittelpunkt, um die es bei der Gala ging: Die erfolgreichsten Celler Sportler. Und die sind erneut in ungeahnte sportliche Sphären vorgedrungen. Für ihre Spitzenleistungen im Jahr 2015 wurden insgesamt 53 Athleten und 16 Trainer aus 18 Sportarten ausgezeichnet. Darunter mit Bahnengolferin Jasmin Ehm sogar eine Doppel-Weltmeisterin. Aber auch Celles olympische Ruderhoffnung Patrick Leinweber, der im vergangenen Jahr Studenten-Europameister im Einer wurde oder Hockey-Urgestein Gerhard Bobaz, der mit der deutschen Nationalmannschaft den Vizeeuropameistertitel der Senioren holte, brachten den Glanz internationaler Erfolge in die Exerzierhalle. Hinzu kommen 15 Deutsche Meistertitel, 22 Silber- und Bronzeplätze bei nationalen Wettkämpfen sowie drei Siege bei Norddeutschen Meisterschaften.

Für all diese Erfolge bekamen die Ausgezeichneten von Sportamtsleiter und Aushilfs-Moderator Rüdiger Heinrich (wurde extra aus Mallorca eingeflogen) einen sternförmigen Pokal überreicht. Im vergangenen Jahr wurde noch eine goldene Statue verliehen, die stark an den „Oscar“ erinnerte, diesmal also eher „Walk of Fame“ – in jedem Fall: Hollywood lässt grüßen. Das hätte wohl auch Obama gefallen – wenn er denn nach Celle ... egal.

Dafür begrüßte Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende etwa 100 Gäste zur Ehrungsgala und unterstrich dabei, wie wichtig diejenigen sind, die nicht im Wettkampfsport aktiv sind, „sondern die unseren Cellern eine wunderbare Freizeitaktivität bieten, sei es als Trainer, Übungsleiter oder Verantwortlicher hinter den Kulissen.“ Mit Blick auf die Flüchtlingskrise hob Mende die Bedeutung des Sports hervor: „Die Integration der Flüchtlinge ist ein zentraler Punkt. Die Sportvereine gehen diese Aufgabe tatkräftig an. Dafür gebührt ihnen Dank.“

Hartmut Ostermann, als Vorsitzender des Kreissportbunds Celle auch so etwas wie ein „Mister President“, lobte die Spitzensportler: „Sie sind die Leuchtfeuer, die Triebfedern in den Vereinen, die andere Menschen durch ihr Vorbild zu sportlicher Betätigung animieren.“ In Sachen Sportentwicklungsplan mahnte er: „Diese Leitlinie darf nicht benutzt werden, um den Sport zu beschneiden. Sportler sollten vielmehr von ihm profitieren.“

Besonders geehrt wurden mit Gerda Burdorf und Willi Palm zwei Größen des Celler Sports. Die 82-jährige Gerda Burdorf ist seit 1947 aktive Turnerin – erst beim MTV Celle, seit 1966 beim SSV Groß Hehlen. Bis heute ist sie lizenzierte Übungsleiterin und Beratendes Mitglied im Turnkreis Celle. 2010 erhielt sie die Bronze-Ehrennadel des Deutschen Turnerbunds.

Willi Palm trat 1982 in den Yacht-Club Celle ein, bei dem er als Umweltbeauftragter zur treibenden Kraft des Umweltengagement des Vereins wurde. Der 83-jährige Motorbootsportler war mehr als zehn Jahre lang 2. YCC-Vorsitzender sowie Schriftführer des Landesverbands und war in der Arbeitsgruppe Aller-Leinetal aktiv.

Zum Abschluss zeigte die Modellhubschrauber-AG des Hölty-Gymnasiums ihre Flugkünste. Allerdings zogen die ferngesteuerten Vehikel ihre Kreise in der Halle und nicht draußen unter freiem Himmel. Ob das mit der Flugverbotszone rund um den Obama-Besuch zusammenhing? Nicht anwesend, aber doch allgegenwärtig – das schafft wohl nur der Chef des Weißen Hauses. „Yes, we can“, würde er wohl sagen. Das gilt hoffentlich auch für die Celler Spitzensportler bei ihrer weiteren Jagd nach Titeln und Triumphen.