Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Lokalsport Olympischer Glanz in Celler Union
Sport Sport regional Lokalsport Olympischer Glanz in Celler Union
15:10 01.11.2010
Von Jürgen Poestges
Leichtathletik-Verbandstag in Celle Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Wenn sich die Verbandsspitze der niedersächsischen Leichtathletik zum Verbandstag trifft, der alle vier Jahre stattfindet, dann gibt sich auch zahlreiche Prominenz die Ehre. Das war auch am vergangenen Wochenende in der Congress-Union Celle der Fall. Dieses mal aber strahlte auch olympischer Glanz vom Podium. Denn NLV-Präsidentin Rita Girschikofsky begrüßte mit Veronika Kummerfeld, Antje Gleichfeld und Walter Mahlendorf drei von fünf Athleten, die bei den Spielen in Rom 1960 im Einsatz waren.

Mit Gold wurde dort Mahlendorf geschmückt. Mit der 4 x 100 m-Staffel sicherte er der deutschen Delegation den Sieg. „Eigentlich“, erzählt der 75-Jährige schmunzelnd, „eigentlich waren wir ja nur Zweiter hinter den Amerikanern.“ Die hatten allerdings einen Fehler beim Stab-Wechsel gemacht, waren aus der Wechselzone heraus gelaufen. „Die war damals nur 20 Meter lang, heute sind es zehn Meter mehr.“

Dem deutschen Quartett war schon vorher klar, dass man gegen die USA wohl keine Chance hatten. Mahlendorf: „Außer Armin Harry waren die alle schneller als wir. Wir wussten, dass wir nur über gute Wechsel was erreichen konnten.“ Und darauf konzentrierten sie sich dann auch. „Ich war der dritte Läufer, musste in der Kurve vor dem Ziel laufen. Wir hatten auch noch die Außenbahn, ich wusste also gar nicht genau, an welcher Position wir lagen.“

Knapp am Treppchen vorbei lief damals Kummerfeld, die Vierte über 800 Meter wurde. „Zuerst hab ich mich ja gefreut, später aber habe ich mich schon geärgert. Ich bin den Lauf einfach falsch angegangen“, erinnert sich die Läuferin, die heute 75 Jahre alt ist. Gleichfeld, die hinter Kummerfeld Fünfte wurde, sagt heute: „Wir waren damals schon ein bisschen Außenseiter. Es war zum ersten mal, dass Frauen eine so lange Strecke gelaufen sind.“ Alle drei Olympioniken erhielten eine Erinnerungsplakette.

Girschikofsky erklärte im Verlauf des Verbandstages, dass man sich für die Mannschafts-Europameisterschaften 2013 beworben hatte, in Braunschweig sollen sie nach der erfolgreichen Durchführung der deutschen Meisterschaften, stattfinden. „Aber“, so die NLV-Präsidentin in Richtung des ebenfalls anwesenden niedersächsichen Innen- und Sportministers Uwe Schünemann (CDU): „Das Stadion in Braunschweig müsste aber noch renoviert werden, so eine schöne blaue Laufbahn wie in Berlin, meinetwegen auch schwarz, das ist ja die Farbe ihrer Partie.“ Da kontere aber Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD): „Wir haben in Celle nur rote Laufbahnen, und da hat es auch schon viele tolle Ergebnisse gegeben.“

Schünemann gab zwar für die Unterstützung bei der EM-Bewerbung noch keine verbindliche Zusage, aber er hatte eine gute Nachricht im Gepäck: „Trotz aller nötigen Sparmaßnahmen: Der Sport wird keinen Cent weniger an Unterstützung von der öffentlichen Hand erhalten wie bisher.“

Der Verbandstag hielt noch einen emotionalen Höhepunkt bereit, der kam unerwartet vom Minister Schünemann. Er überreichte der NLV-Präsidentin Girschikofsky im Auftrag des niedersächsischen Ministerpräsidenten den Verdienstorden des Landes am Bande, die höchste Auszeichnung, die das Land vergibt.