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Lokalsport Protestwelle aus Politik und Sport: „Pauschale ist nicht zumutbar“
Sport Sport regional Lokalsport Protestwelle aus Politik und Sport: „Pauschale ist nicht zumutbar“
15:01 26.11.2010
Von Jürgen Poestges
Karikatur Elefantenrunde Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

Rolf-Peter Nieber hat etliche Funktionen in der „Sport-Szene“ der Stadt Celle. Er ist Geschäftsführer des MTV Eintracht Celle, mit 2569 Mitgliedern der größte Verein, für den er auch in der sogenannten „Elefantenrunde“ sitzt. Außerdem ist er SPD-Ratsherr und Lehrreferent im Kreissportbund. Wenn also jemand den Durchblick hat, dann er. Die Stadt Celle will den Sport zur Kasse bitten, mit 90000 Euro soll er dazu beitragen, die leeren Kassen zu konsolidieren.

„Es hat im April oder Mai von der Stadt eine Einladung an die ,Elefantenrunde’ gegeben“, sagt Nieber. Eingeladen hatten die 1. Stadträtin Susanne Schmidt und Fachbereichs-Leiterin Susanne McDowell. „Und da ging es auch ums Sparen.“

Was nicht verwunderlich war. Denn letztlich hatte der Rat die Verwaltung im Dezember des vergangenen Jahres beauftragt, nach Spar-Möglichkeiten im Bereich Sport zu forschen. Joachim Ehlers, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion und Vorsitzender des Sportausschusses, hatte dieses Thema aber eigentlich schon abgehakt. „Wir sind davon ausgegangen, dass die Verwaltung die entsprechenden Gespräche geführt hat. Über Inhalte waren wir nicht informiert. Jetzt kam dann eine Einladung zum Gespräch mit den Vereinen für den 29. November“, sagt er.

Die Gespräche, so stellt sich nun heraus, sind ausschließlich mit den Vertretern der „Elefantenrunde“ geführt worden. Darin sitzen Vertreter von MTV Eintracht, SC Wietzenbruch, VfL Westercelle, SV Altencelle und TuS Celle 92. Womit wieder Nieber ins Spiel käme. „Wir haben von Anfang an immer wieder betont, dass wir nicht für den gesamten Celler Sport sprechen können. Und wir haben auch keine Vorschläge akzeptiert.“ Das aber behauptet die Stadträtin in einem Schreiben an die Mitglieder der „Elefantenrunde“. „Ich muss Einsparungen beziehungsweise Mehreinnahmen in Höhe von 90000 Euro erreichen, was mit dem von Ihnen akzeptierten Vorschlag nicht möglich sein wird“, schreibt Schmitt.

Der „akzeptierte Vorschlag“ ist die „Verwaltungskosten-Pauschale für Hallen- und Schwimmbad-Benutzung“ in Höhe von drei Euro pro Stunde für Erwachsene, wogegen sich nun ein Proteststurm erhoben hat.

Hartmut Ostermann, der Vorsitzende des Kreissportbundes, zeigte sich überrascht, dass der KSB nicht in die Gespräche einbezogen wurde. „Die ,Elefantenrunde’ ist für die Stadt sicher ein wichtiges Gremium, letztlich aber vertritt nur der Kreissportbund alle Vereine.“ Die Vereine auf diesem Weg zur Kasse zu bitten, hält er aber für den falschen Weg. „Die ehrenamtlichen Mitarbeiter sind ohnehin schon fast in der Voll-Beschäftigung. Übungsleiter erhalten nur eine geringe Aufwandsentschädigung. Wenn die Vereine jetzt für die Hallennutzung zahlen sollen, stoßen sie an die Grenzen.“ Er hofft, dass sich die „Solidar-Gemeinschaft Sport“ nicht auseinander dividieren lässt.

In das gleiche Horn bläst die CDU. „Wenn einerseits die herausragende Bedeutung des Sports, der Vereine und des Ehrenamtes in unserer Gesellschaft hervorgehoben wird, dann ist andererseits dieser Wert auch im Alltagsgeschäft zu würdigen“, spricht Ehlers für die Ratsfraktion. „Kürzungen zur Haushaltskonsolidierung, die die Vereine empfindlich treffen und Beitragserhöhungen zur Folge hätten, wird die CDU-Fraktion nicht mit tragen.“

Udo Hörstmann geht als Mitglied des Sportausschusses noch weiter: „Wenn man sich das Volumen der freiwilligen finanziellen Leistungen der Stadt anschaut, dann setzt sich das aus zwei Dritteln Kultur und einem Drittel Sport zusammen. Der Sport wird jetzt mit dem Röntgengerät nach Sparpotential durchleuchtet, bei der Kultur habe ich das noch nicht erlebt.“ In einem Antrag an den Rat fordert er, dass „die für die Vereinstätigkeit erforderlichen Einrichtungen im bisherigen Rahmen kostenlos gepflegt und unverändert zur Verfügung gestellt werden“.

Der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Thomas Adasch meint, die Haushaltslage sei dramatisch. „Solange aber noch 80000 Euro für Lichtkunst am Bahnhof veranschlagt werden können, ist eine Belastung der Sportvereine tabu.“

SPD-Mann Nieber erinnert an 2003, als der Sport die Anlage an der Marienwerder Allee abgetreten hat, die dann von der Stadt als Baugelände verkauft wurde. „Das ist ein erheblicher Beitrag des Sports für die Stadtkasse gewesen, der berücksichtigt werden muss.“ Bernd Zobel, Sportausschuss-Mitglied der Grünen, sieht ein, dass auch der Sport sparen muss. „Aber wie und wo, darüber haben wir nicht beraten.“

Am Montag um 17 Uhr wird es eine Veranstaltung der Stadt mit allen 40 Vereinen geben. Dann ist auch der Kreissportbund dabei.

Beispiel Scheuen und Groß Hehlen: „Nicht zu bezahlen“

Für kleine Stadtvereine ist die „Verwaltungskosten-Pauschale“ eine hohe Hürde

CELLE (poe). Drei Euro pro Stunde für einen Erwachsenen, der eine Hallensportart betreibt – auf den ersten Blick mutet das nicht viel an. „Wenn sich das durchsetzt, dann können wir den Verein dicht machen“, befürchten dagegen unisono Rolf Löser, der Vorsitzende des SSV Scheuen, und sein Kollege Claus-Joachim Schwarz vom SSV Groß Hehlen. Mit 320 beziehungsweise 649 Mitgliedern gehören die beiden Vereine zu den kleineren der Stadt Celle. „Diese Verwaltungskosten-Pauschale würde uns 5000 Euro pro Jahr kosten“, sagt Schwarz. „Und da wir in diesem Jahr den Beitrag schon angehoben haben, könnten wir diese nicht an unsere Mitglieder weitergeben. Dieses Geld können wir nicht aufbringen.“

Löser schlägt in die gleiche Kerbe: „Bei uns würde das mit rund 3000 Euro pro Jahr zu Buche schlagen. Und ich kann mich ja nicht hinsetzen und meinen Mitgliedern erzählen: Die Stadt hat Schulden, jetzt müsst ihr mehr Beitrag bezahlen.“

Beide stimmen darin überein, dass in Zeiten leerer kommunaler Kassen sicherlich auch beim Sport nach Einsparpotential gesucht werden müsse. „Aber man kann nicht auf der einen Seite die soziale Aufgabe des Sports hervorheben und auch Integration fordern, auf der anderen Seite aber die Vereine zur Kasse bitten“, meint der Scheuener Vorsitzende.

Schwarz geht sogar noch einen Schritt weiter: „Uns sind doch nach und nach immer mehr Kosten aufgedrückt worden. Wir zahlen doch schon so gut wie alles,die Müllentsorgung, die Kreide für den Platz und mehr. Ich sehe da nicht, wo man uns noch zusätzlich zur Kasse bitten könnte.“

Kommentar

Sparen tut weh, Sparen bedeutet immer auch Verzicht. Sparen ist aber genau das, was aufgrund der leeren kommunalen Kassen jetzt unerlässlich ist. Und da muss auch der Sport akzeptieren, dass man zumindest nachdenkt über Möglichkeiten, welcher Beitrag da zu leisten ist.

Was da aber jetzt aus dem Rathaus schallt, die „Verwaltungskosten-Pauschale“, die überall anderswo in der Welt Hallennutzungs-Gebühr heißt, ist dann doch ein sehr heftiger Schlag ins Kontor der Vereine. Für die großen Klubs wie MTV Eintracht oder VfL Westercelle würden sich die Kosten jährlichen jenseits der 20000-Euro-Grenze bewegen. Was genau so wenig zu bewerkstelligen ist wie 3000 Euro bei kleinen Vereinen.

Hat man also erst einmal die drei Euro genommen, um dann nachher bei 1,50 Euro zu landen? Und hat man alle Gespräche erst einmal mit der „Elefantenrunde“ statt mit dem Kreissportbund geführt, um womöglich die Vereine gegeneinander auszuspielen. Oder war es einfach nur unbedacht, wie die 1. Stadträtin Susanne Schmitt da vorgegangen ist?

Auf jeden Fall ist es großer Fauxpas, der da im Rathaus passiert ist. Und der wird am kommenden Montag, wenn die Vereine eingeladen sind, ganz sicher eine maßgebliche Rolle spielen.