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Lokalsport Rettendes Ufer ist zum Greifen nah: So will TuS Celle 92 die zweite Liga halten
Sport Sport regional Lokalsport Rettendes Ufer ist zum Greifen nah: So will TuS Celle 92 die zweite Liga halten
16:39 27.12.2011
Von Heiko Hartung
Von seiner Form wird viel - abh‰ngen: Arne Hˆlter will - als Nummer 2 seine - Einzel-Bilanz aufpolieren. Rettendes Ufer ist zum Greifen nah - Neue Nummer 1 und mehr Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

„Die Chancen auf den Klassenerhalt stehen 60 zu 40“, sagt Dieter Lorenz frei heraus. Der Teammanager des Tischtennis-Zweitligisten TuS Celle 92 weiß, woran es gelegen hat, dass die junge Celler Mannschaft (Spielertrainer Hermann Mühlbach ist mit 22 Jahren der Älteste) nach der Hinrunde als Vorletzter auf einem Abstiegsplatz steht: „Uns haben die Überraschungssiege gegen höher eingestufte Teams gefehlt.“ Gegen die direkten Abstiegskonkurrenten Borsum, Jever und Velbert holten die Celler zum Glück ihre sechs Punkte. „Aber bei der Ausgeglichenheit der Liga werden 14 Punkte, die seit Bestehen der 2. Liga immer gereicht haben, diesmal nicht genügen. Man wird wohl 16 Punkte für den Klassenerhalt brauchen“, so Lorenz. Das rettende Ufer ist mit momentan zwei Punkten Rückstand auf Union Velbert durchaus zu erreichen. Doch der Druck ist enorm: „Die Spieler haben nur Jahresverträge. Bei einem Abstieg würde das Team auseinanderfallen“, ist sich Lorenz sicher. Ein hartes Stück Arbeit wartet also in der Rückserie auf den Klub, der mit knapp 10.000 Euro einen der kleinsten Etats der Liga hat.

Prunkstück der Celler in der Hinrunde waren die Doppel. Mit 17 Siegen und 11 Niederlagen weist TuS 92 die drittbeste Bilanz der Liga auf. Leider können die Einzel da nicht mithalten. Schlüsselfigur in der Rückrunde, die für Celle am 7. Januar beim Tabellenführer SV Siek beginnt, könnte deshalb Arne Hölter sein. In der ersten Halbserie gewann Celles Nummer eins kaum ein Einzel – was sicher auch mit Veränderung im Privaten zu tun hatte: Der 19-Jährige zog nach dem Abitur nach Hanau, um dort mit der Erstligagruppe unter Coach Helmut Hampl, der auch gleichzeitig Trainer des Weltklassespielers Timo Boll war, zwei Mal täglich zu üben. Nach Willen der Trainer sollte Hölter sein Spiel von der sehr guten Rückhand immer mehr auf Vorhand umstellen. „Das braucht natürlich Zeit und hatte einen Einbruch in den ersten Spielen zur Folge“, weiß Lorenz. In den letzten drei Einzeln vor der Weihnachtspause besiegte Hölter jedoch sehr gute Gegner wie den Fünften der Bundesrangliste, Lennart Wehking – das macht Mut. Lorenz: „Wenn er den Schwung beibehält, sollte auch das ganze Team die notwendigen Siege gegen Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte einfahren können.“

Um etwas Druck von Hölter zu nehmen, tauscht er ab sofort – auch auf eigenen Wunsch – die Position mit Mühlbach, der neben seiner Verantwortung als Spielertrainer nun auch die des Spitzenspielers übernimmt. Mühlbach: „Arne hat sich auf Position 1 nicht so wohlgefühlt, deshalb macht der Rollentausch Sinn.“

Mühlbach, der seine Bilanz zur guten Vorsaison sogar noch verbesserte, bereitet sich intensiv auf die Rückrunde vor. Der Informatikstudent ist gerade erst von einem Turnier auf Bali zurückgekehrt, an dem auch viele chinesische Weltklassespieler teilgenommen haben. „Ich bin bis ins Viertelfinale gekommen und habe auf dem Weg dorthin sogar den US-Meister geschlagen“, freut er sich.

Die positive Überraschung bei TuS 92 ist zweifelsohne die Nummer 3, Sebastian Stürzebecher. Obwohl der Neuzugang aus der Regionalliga noch nie im mittleren Paarkreuz der zweiten Liga gespielt hatte, kommt er mit dem hohen Niveau prima zurecht und geht mit einer positiven Bilanz (acht Siege, sechs Niederlagen) in die Rückrunde.

Etwas von Stürzebechers Nervenstärke würde Trainer Mühlbach auch dem zweiten Neuzugang Minh Tran Le wünschen. Der hat mit vier Siegen seltener gewonnen als seine Mannschaftskameraden. „Was aber an Potenzial in ihm steckt, hat er durch zwei Siege in Dortmund und bei den Bezirksmeisterschaften in Lüneburg gezeigt, wo er ohne Satzverlust den Titel holte“, so Mühlbach.

Auch an den dritten Neuzugang Julien Indeherberg, der unter der Woche in seiner Heimat Lüttich trainiert, waren die Erwartungen aufgrund seiner Leistungen in der belgischen Jugendnationalmannschaft höher – trotz seiner letztlich positiven Bilanz (7:5). Mühlbach: „Da er aber in der vergangenen Saison in Holland nicht so starke Gegner hatte wie in der 2. Bundesliga, muss er sich auch erst auf das neue Niveau umstellen.“

Gewohnt zuverlässig hingegen agierte Richard Hoffmann im unteren Paarkreuz. Der Publikumsliebling habe eine „bewundernswerte kämpferische Einstellung“, so Teammanager Lorenz. „Der gibt bis zum letzten Ball kein Spiel verloren.“

Einen Spitzenplatz in der Liga hat Celle übrigens unangefochten inne: Mit bislang knapp 800 Zuschauern (im Schnitt 131 in den sechs Heimspielen) ist TuS 92 der Krösus beim Publikumszuspruch. Zwar sind das jeweils 20 bis 30 Zuschauer pro Spiel weniger als in der Vorsaison, aber „die Stimmung in der atmosphärisch dichten Halle der Altstädter Schule ist jedes Mal großartig“, schwärmt Pressesprecher Andreas Gerow. Und er ist guter Hoffnung, dass das so bleibt: „Wir wollen den Leuten auch in der nächsten Saison ambitioniertes Zweitliga-Tischtennis bieten.“