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Lokalsport SV Wieckenberg holt ersten Heimsieg in Luftgewehr-Bundesliga
Sport Sport regional Lokalsport SV Wieckenberg holt ersten Heimsieg in Luftgewehr-Bundesliga
17:17 31.10.2017
Von Uwe Meier
Voll in die Zehn: Isabell Ruschel sichert mit einem gelungenen Schuss im Stechen den Sieg für SV Wieckenberg. Quelle: Michael Schäfer
Wietze

Wietze. Rhythmisches Klatschen schallt durch die Wietzer Sporthalle. Die Spannung, die in der Luft liegt, ist nahezu greifbar. Wenige Augenblicke später wird das Klatschen der Zuschauer von lauten Jubelschreien übertönt. Katharina Kösters von der SSG Kevelaer hat eine Acht geschossen – drei Sekunden später landet der Schuss von Isabell Ruschel in der Zehn – 3:2 für SV Wieckenberg. Der erste Heimsieg der Wieckenberger Luftgewehrschützen in der Bundesliga-Geschichte ist perfekt.

Isabell Ruschel bleibt noch kurz Zeit, sich umzudrehen und die Faust in die Luft zu strecken – dann wird sie auch schon von ihren Teamkolleginnen umringt. Es folgt eine Umarmungsorgie. „Das war sehr emotional“, sagt die 17-Jährige anschließend. Ihr schien der ganze Rummel um sie herum schon etwas peinlich zu sein. Sie ist erst in dieser Saison in den Bundesliga-Kader aufgestiegen. Über das warum dürfte spätestens seit dem Wettkampf gegen Kevelaer keine Zweifel mehr bestehen. „In der Bundesliga ist das schon alles ganz anders“, sagt die Wieckenbergerin, die in der Jugendklasse bereits einige Deutsche Meistertitel eingesammelt hatte.

Gegen Kevelaer hatte Ruschel beim Gesamtstand von 2:2 noch einmal an die Scheibe müssen. Mit einer abschließenden Serie von acht Schüssen in die Zehn hatte sie gegen Kösters den Gleichstand hergestellt. Beide Schützinnen erzielten nach ihren 40 Schuss insgesamt 391 Ring. Ein Stechen musste über Sieg oder Niederlage entscheiden. Für Isabell Ruschel war das Neuland. Und so war es kein Wunder, dass sie sich von ihren Mannschaftskolleginnen den einen oder anderen Tipp holte. „Gut, dass sie auf mich gehört hat“, wird Constanze Rotzsch anschließend mit einem Lächeln auf dem Gesicht sagen. Die erfahrenste Schützin im Wieckenberger Team war aufgrund ihrer Schwangerschaft beim Wettkampf nicht aktiv dabei. Allerdings verfolgte sie vor Ort angespannt die Leistungen ihrer Kolleginnen. Das Rezept, mit dem Isabell Ruschel bei dem entscheidenden Schuss die Nerven behielt, hört sich letztlich einfach an: „Ich sollte nicht lange nachdenken und einfach schießen“, sagte sie. „Das habe ich auch gemacht.“ Und damit gewonnen.

„Na, das ist doch mal was“, jubelt Isabells Vater Horst-Dieter Ruschel, zugleich Vereinsvorsitzender beim SV Wieckenberg und Teammanager der Bundesliga-Mannschaft. Die Freude über den Erfolg war ihm deutlich anzusehen. Seit drei Jahren sind die Wieckenberger in der Bundesliga dabei. Mit einem Sieg hatte es vor heimischem Publikum bisher noch nicht gereicht. Am Vortag war der Teammanager über die Leistungen der Gegner noch verzweifelt gewesen. „Gegen uns schießen die immer wie die Feuerwehr – eben immer gut“, hatte er im Wettkampf gegen BSV Buer-Bülse gemeint. Chancenlos hatten die Gastgeberinnen diesen Vergleich mit 1:4 verloren.

Einzig der Weltklasseschütze Serhiy Kulish hatte sein Duell in diesem Wettstreit gewinnen können. In seinem ersten Bundesliga-Wettkampf war für den Ukrainer irgendwie „alles anders“ als sonst gewesen. „Die Atmosphäre ist schon sehr besonders“, erklärte der 29-jährige Student. „Bei mir wurde unheimlich viel Adrenalin ausgeschüttet. Eigentlich zuviel.“ Das war wohl als Erklärung zu verstehen, weshalb er mit seiner Leistung nicht zufrieden war. 392 Ring waren ihm nicht genug. „Das muss besser werden“, hatte er sich für das nächste Duell zum Ziel gesetzt. Gegen Kevelaer hatte er sich schon ein bisschen mehr an die Begleitumstände eines Bundesliga-Wettkampfes gewöhnt. 395 Ring waren zwar immer noch nicht das, was er sich vorgestellt hatte. Aber immerhin hatte er damit nicht unwesentlich zum Sieg der Wieckenberger Riege beigetragen.