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Lokalsport SVG Celle siegt sich zurück an die Spitze
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19:14 15.12.2013
Von Uwe Meier
So sehen Sieger aus. Ausgelassen feiert die Celler - Mannschaft ihren Erfolg über die HSG Bad Wildungen - mit dem das Team an die Tabellenspitze zurückgekehrt ist. - Emotionen pur (Foto rechts) gab es auch während - der Partie auf der Celler Auswechselbank. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

„Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey, Spitzenreiter, Spitzenreiter hey, hey...“ – minutenlang feierten die Fans nach dem Spielende das Team des SVG Celle. Das hatte zuvor die stärkste Saisonleistung aufs Parkett gezaubert und damit seine Anhängerschaft verzückt. Mit einem hochverdienten 34:28 (15:12)-Erfolg über die „Vipers“ holte sich der SVG Celle die Tabellenführung der 2. Handball-Bundesliga von der HSG Bad Wildungen zurück.

Während die Gästespielerinnen mit versteinerten Mienen vom Feld schlichen, ließ sich die SVG-Mannschaft freudestrahlend feiern. Eine Woche nach der unglücklichen Niederlage in Zwickau hatte sich das Celler Team eindrucksvoll zurückgemeldet. Mit einer der besten Leistungen der vergangenen Jahre hatte Celle die favorisierten „Vipers“ in die Schranken verwiesen. Was dieser Sieg wert ist, machte Kathrin Schulz deutlich. „Die zwei Punkte rahmen wir uns ein. Die kommen ganz nach oben“, sagte sie lachend und fügte an: „Das hat einfach nur richtig Spaß gemacht.“

Beim SVG war man mit sich und der Welt rundum zufrieden. Dazu gehörte natürlich auch Mami Tanaka. Sie hatte die gegnerischen Angreiferinnen mit ihren Paraden schier zur Verzweiflung gebracht. Dafür wurde sie anschießend zum „Player of the Match“ bestimmt. Japanisch zurückhaltend genoss sie sichtlich zufrieden die Situation. „Nach der unglücklichen Niederlage letzte Woche haben wir viel für diesen Tag gearbeitet“, sagte sie und fügte zu Späßen aufgelegt an. „Ich weiß nicht warum. Aber wenn man gewinnt, ist es irgendwie immer gut. Danke an die Fans für die unglaubliche Unterstützung.“

Sie und ihre Kolleginnen hatten sich gegen Bad Wildungen in einen Rausch gespielt. Insbesondere die ersten zwanzig Minuten der Partie waren vom Allerfeinsten. Die Erklärung dafür fand Kathrin Schulz einfach: „Weil heute nicht sieben Spielerinnen auf dem Feld gestanden haben, sondern ein Team“, sagte sie und verschwand wieder in den Kreis ihrer Mannschaftskolleginnen, um weiter den Sieg zu feiern.

Mit der gezeigten Leistung hat sich Celle endgültig in den relativ kleinen Kreis der Mannschaften gespielt, die am Ende der Saison die drei Aufstiegsplätze unter sich ausmachen dürften.

Den Grundstein zum Sieg hatte der SVG Celle bereits in der Anfangsphase gelegt. Hellwach und bis in die Haarspitzen motiviert, hatten die Gastgeberinnen einen heißen Empfang bereitet. Bis zur 9. Minute war Bad Wildungen beim 4:4 noch im Rennen. Doch dann wirbelte Celle durch die HBG-Halle und ließ dem Gegner zwischenzeitlich nicht den Hauch einer Chance. Aus dem 4:4 wurde bis zur 19. Minute ein 13:6 – die Zuschauer in der Halle tobten.

Ausschlaggebend für den Celler Sturmlauf war die Defensivarbeit. Ein ums andere Mal hat das SVG-Team auf die gegnerischen Angriffsversuche einfach die bessere Antwort. Wildungens Torjägerin Tessa Cocx (96 Saisontore) wurde nahezu komplett abgemeldet. Auch die Außenspielerinnen der „Vipers“ kamen nicht zum Zuge. Einzig die ehemalige Cellerin Laura Vasilescu sorgte für Gefahr für das Celler Tor. Doch ihre fünf Treffer in der Anfangsphase waren zu wenig, um dem hoch konzentrierten Celler Auftritt Einhalt zu gebieten.

In der Offensive agierte der SVG überaus variabel und strahlte von allen Positionen Torgefahr aus. Das machte es dem Gegner schwierig bis unmöglich, seine Abwehrreihe geschlossen zu halten. Ob über die Außenpositionen, der Kreismitte oder aus dem Rückraum – die Celler Spielerinnen trafen nahezu nach Belieben.

Nach 20 Minuten war es aber vorerst vorbei mit dem Celler Sturmlauf. Das enorm hohe Tempo forderte Tribut. Der SVG ließ es langsamer und ruhiger angehen. Das ermöglichte Bad Wildungen die Chance, die Partie ausgeglichen zu gestalten. Die Gäste kamen heran. Zur Pause lag Celle nur noch mit drei Treffern in Front.

Doch stets, wenn es etwas kniffliger wurde, legten die Gastgeberinnen nach. Aus dem 15:12 wurde ein 17:12 (33.) – und aus einem 27:24 (50.) wurde ein 29:24 (52.). Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass sich Celle den Sieg nicht nehmen lassen würde. Zwar versuchte Bad Wildungen, die beiden erfolgreichsten Werferinnen Anna Katharina Loest (11 Tore) und Kathrin Schulz (8) aus dem Spiel zu nehmen. Doch auch darauf hatte der neue Tabellenführer eine Antwort.

Gekommen, um zu lernen

CELLE. Als ob sie schon immer zur Mannschaft gehörten, hüpften Saskia Rasch und Tina Wagenlader nach dem Sieg durch die HBG-Halle. Dabei war es für die beiden 18-Jährigen der erste Auftritt im Trikot des SVG Celle. Offenbar fühlten sich aber wohl. Erst am Donnerstag war die Verpflichtung des SVG der beiden Nachwuchstalente vom Drittligisten HSG Badenstedt bekannt gegeben worden. Mit einem Zweitspielrecht versehen, werden die Junioren-Nationalspielerinnen auch in Zukunft beim SVG dabei sein. „Wenn wir nicht mit Badenstedt im Einsatz sind, spielen wir für Celle“, sagen beide unisono.

Natürlich seien sie vor dem Spiel ein bisschen nervös gewesen. „Aber es wurde uns in Celle total einfach gemacht. Wir wurden super aufgenommen“, erzählt die 18-jährige Saskia Rasch. „Die Leute hier sind genauso verrückt wie die in Badenstedt. Es geht irgendwie nur über den Spaß.“

Auch Tina Wagenlader war voll bei der Sache. Sie hatte zwar keine Einsatzzeit bekommen, doch das machte gar nichts. „Das ist überhaupt nicht schlimm“, sagte sie. „Ich werde meine Chance schon noch bekommen.“ Sie sei froh darüber, dass sie auf ihrer Position auf der Kreismitte zwei so starke Konkurrentinnen habe, wie es Evelyn Schulz und Natasha Ahrens nun einmal sind. „Ich kann von Beiden nur lernen. Das gibt mir total viel.“

Und an das deutlich höhere Tempo in Celle werden sie sich auch gewöhnen. „Dazu sind wir hier. Wir wollen uns weiterentwickeln und verbessern“, sagen sie. Die Einstellung stimmt. (uwi)