Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Lokalsport SVG Celle startet zu Reise ins Ungewisse
Sport Sport regional Lokalsport SVG Celle startet zu Reise ins Ungewisse
18:09 12.09.2013
Von Uwe Meier
Celle Stadt

„Nein“, sagt Hungerecker auf die entsprechende Frage. Ganz oben werde das Celler Team im Jahr der Konsolidierung wohl nicht dabei sein. Eine feste Platzierung hat der Coach ohnehin nicht im Visier. Sein Ziel ist ein anderes. Und das macht deutlich, dass der SVG Celle vor einer schweren Saison steht: „Das Minimum ist überleben“, sagt er und führt fort: „Das Maximum ist überleben.“

Offenbar ist man sich beim SVG einig darüber, dass in dieser Saison die Bäume nicht in den Himmel wachsen werden. Finanziell ohnehin nicht und sportlich werden eben auch kleinere Brötchen gebacken. „Wir werden in einem breiten Mittelfeld unseren Platz finden“, meint Mannschaftsführerin Jolanda Robben. Der neue Geschäftsführer der SVG Handball GmbH, Bernd Bühmann, pflichtet ihr bei an. „Wir werden nicht wie Phönix aus der Asche auferstehen“, sagt er und fügt an: „Aber wir arbeiten daran.“

Natürlich hätten alle nichts dagegen, wenn sie mit ihrer Einschätzung hinsichtlich der Abschlussplatzierung daneben liegen würden. Insgeheim darf es schon etwas weiter nach oben gehen. Doch die vergangenen Wochen und Monate sind nicht spurlos am Selbstvertrauen des Zweitligisten vorübergegangen. Der SVG Celle durchfährt schwere Zeiten. Insbesondere die entstandene finanzielle Schieflage, die letztlich zum Wechsel an der Spitze der GmbH geführt hatte, hat Spuren hinterlassen. Bühmann macht auch keinen Hehl daraus, dass die Situation nicht einfach ist. „Wir haben hier einen Scherbenhaufen übernommen.“ Der Blick auf eine erfolgreiche Zukunft wird dabei allerdings nicht vernebelt. „Alle rackern wie die Kesselflicker daran, das Schiff oben zu halten“, sagt Bühmann. Viele Helferhände tun ihr Möglichstes, um die Voraussetzungen für eine letztlich erfolgreiche Saison zu schaffen.

Eine nicht ganz unerhebliche Aufgabe wird dabei auf die Mannschaft zukommen. Viel wird davon abhängen, wie sich das Team in der Saison verkauft. Dass dieser Auftrag scheitern könnte, kann man sich beim SVG nicht vorstellen. „Das Wertvollste was wir haben, ist die Mannschaft“, sagen Hungerecker und Bühmann unisono. Nicht zuletzt haben die Spielerinnen gerade in den schwierigen Zeiten der vergangenen Spielzeit ganz dicht beieinandergestanden und echten Teamgeist bewiesen.

Und der größte Teil des letztjährigen Kaders ist ja wieder mit von der Partie, wenn am Sonnabend bei der Auswärtspartie gegen die TSG Ober Eschbach der Startschuss in die Spielzeit 2013/2014 fällt. Ein zwölfköpfiger Kader, in dem drei Neuzugänge stehen, nimmt den Kampf gegen eine starke Konkurrenz auf. Torhüterin Frauke Kemmer (SG Zweidorf-Bothfeld), Jana Seegers (HSG Osterode-Harz) und Nadine Smit (VfL Oldenburg) sind neu im Team. Zudem konnte Hungerecker Mami Tanaka überreden, weiter für den SVG zu spielen. Die 35-jährige Torhüterin wollte ihre Handballer-Karriere eigentlich beenden, nachdem ihr Vertrag in Celle nicht verlängert wurde. „Lernbereitschaft, Teamfähigkeit und Spielerinnen, die vorankommen wollen“ – alles Eigenschaften, die für Hungerecker ein homogenes Team ausmachen. Beim SVG findet er diese Situation vor.

„Grundsätzlich ist die Stimmung gut“, bestätigt Robben. „Es ist in den vergangenen Wochen einiges Positives passiert. Wir sind auf einem guten Weg“, so die 29-jährige Außenangreiferin. Jetzt würde sich „der kleine aber feine Kader“ auf die Saison freuen – auch „den Aufgaben, die da auf uns warten“, sehe man gespannt entgegen. Und dass sich die Mannschaft keineswegs in einer Außenseiterposition sieht, lässt ein weiterer Ausspruch von Robben vermuten: „Komplett oben werden wir wohl nicht dabei sein. Aber wir brauchen uns auch nicht zu verstecken.“

Sätze, die der Trainer sicherlich gern hört, zumal er nicht nur deshalb und trotz einer „ultrakurzen Vorbereitung“ davon ausgehen kann, eine motivierte Truppe auf das Spielfeld schicken zu können. „Die Situation war nicht einfach“, erzählt Hungerecker über den Beginn seiner Trainer-Tätigkeit in Celle. Erst Anfang Juli hatte er das SVG-Team übernommen. Zu einem Zeitpunkt also, an dem gerade eine dreiwöchige Trainingspause begann. „Eigentlich geht man eine Saison so nicht an“, sagt er und spricht damit an, dass er die zuvor geplanten Abläufe während der Vorbereitungsphase weitestgehend übernehmen musste. Für großartige Änderungen fehlte die Zeit. Dennoch sei es aber dann doch ganz gut gelaufen. Letztlich auch ein Verdienst der Mannschaft, die auch in der trainingsfreien Zeit hart gearbeitet hatte und zusammen mit Athletiktrainer Frank Stresing die Wege rund um die Celler Dammaschwiesen „unsicher“ machte.

Nun aber beginnt die Fahrt ins Ungewisse. So recht einzuschätzen weiß sich der SVG nicht. Aus der 15 Teams umfassenden Liga werden am Ende der Spielzeit drei Mannschaften in die 1. Bundesliga aufsteigen. Die wird ab der Saison 2014/2015 auf 14 Teams aufgestockt. Drei Vereine aus Liga zwei werden nach dem letzten Spieltag am 17. Mai 2014 den Weg in die 3. Liga antreten müssen. Darauf, wer das sein könnte, will sich Hungerecker nicht festlegen. Er hat allein die Situation beim SVG Celle im Blick. „Und da hoffe ich, dass wir im März nicht mehr in den Rückspiegel blicken müssen.“

Die Chancen, weit vorn in der Tabelle zu landen, sind eher gering. Die Favoriten der Liga kommen aus anderen Städten. Aus Bad Wildungen zum Beispiel, wo ein Erstliga-Absteiger zu Hause ist. Auch das Team von Borussia Dortmund gehört in den Kreis derer, die am Ende der Saison weit oben erwartet werden. Und über scheinen wohl die Füchse aus Berlin zu thronen. Plätze, die laut Bühmann der SVG Celle auch anstreben wird. Nur eben noch nicht in dieser Saison.