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Lokalsport SVG Celle unterliegt mit der Schlusssirene (mit Video)
Sport Sport regional Lokalsport SVG Celle unterliegt mit der Schlusssirene (mit Video)
10:28 02.02.2015
Von Uwe Meier
Kathrin Schulz (Bild oben rechts) hat eine Lücke in - der Bietigheimer Abwehr gesehen und sich gegen - Linda Mack durchgesetzt. Auf dem Bild links kann - Hanna Maria Yttereng die fünffache Celler - Torschützin Evelyn Schulz (rechts) nicht bremsen. - Am Ende hatten die Gäste dennoch das bessere Ende für sich. Quelle: Benjamin Westhoff (3)
Celle Stadt

3600 Sekunden reine Spielzeit hat eine Handballpartie. Im letzten Spiel der Hinrunde wäre es dem SVG Celle am Samstag im Heimspiel in der Handball-Bundesliga nur allzu recht gewesen, wenn es eine Sekunde weniger gewesen wäre. Diesen Gefallen tat die Spieluhr den Gastgeberinnen allerdings nicht. So musste die Mannschaft von Trainer Martin Kahle eine schmerzhafte 22:23-Niederlage einstecken. Mit der Schlusssirene kassierte Celle vor rund 700 Zuschauern, die das Team immer wieder mit lautstarken Anfeuerungsrufen angetrieben hatten, den entschiedenen Gegentreffer.

Dementsprechend niedergeschlagen war das Celler Team. Mit hängenden Köpfen saßen die Spielerinnen auf dem Feld. Die eine oder andere Träne kullerte die Wangen hinunter. Dieser Misserfolg hatte deutlich mehr Spuren hinterlassen, als es bei den vorangegangenen deutlichen Niederlagen gegen Leverkusen und Blomberg der Fall gewesen war.

„Natürlich ist es schmerzhaft, auf diese Art und Weise zu verlieren“, meinte Mannschaftsführerin Jolanda Robben nach einer auf Biegen und Brechen geführten Partie, die von vielen verletzungsbedingten Unterbrechungen gekennzeichnet war. „Wie weh die Niederlage wirklich tut, wird man am Ende der Saison sehen“, sagte die 30-Jährige nach dem Punktverlust gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt. „Das ist sehr, sehr ärgerlich und bitter. Wir hätten auf jeden Fall einen Punkt verdient gehabt“, meinte Kathrin Schulz. Sicherlich habe man die beiden vorangegangenen Spiele sehr schlecht gespielt. „Heute haben wir aber gezeigt, dass wir kämpfen können. Das heute war dreckiger Abstiegskampf“, sagte sie nach einer Partie, die handballerisch kein Leckerbissen war, die aber hinsichtlich von Einsatzwillen, Moral, Dramatik und Spannung kaum zu überbieten war.

Tatsächlich hatte sich das SVG-Team voll reingehängt, hatte gerackert und gekämpft. Eine Reaktion auf die Kritik, die nach den zuletzt schwachen Auftritten aufgekommen war, war unverkennbar. Am Ende stand aber ein Resultat, das die Mannschaften im Abstiegskampf noch dichter zusammenrücken ließ. Gleichzeitig erhielt das Selbstvertrauen des SVG-Teams einen weiteren Dämpfer. Und so wartet der Celler Erstligist nach den erfolgreichen Auftritten zum Ende des vergangenen Jahres im Jahr 2015 weiterhin auf einen Punktgewinn. Eine Tatsache, die die kommenden Aufgaben nicht unbedingt leichter machen. Dennoch ist es an der Zeit, dass der Ankündigung von Trainer Martin Kahle: „Wir werden Woche für Woche kämpfen, damit es am Ende reicht“, Taten folgen. Punkte müssen her. Ob das in den kommenden beiden Heimspielen gelingt, erscheint zumindest fraglich. Denn gegen die Topteams vom VfL Oldenburg (Samstag, 7. Februar) und Thüringer HC (Mittwoch, 11. Februar), steht Celle klar in der Außenseiterrolle. Doch anschließend folgt ein weiteres Schlüsselspiel. Am Samstag, 21. Februar geht es zu den Vulkan-Ladies Koblenz/Weibern. Diese Chance wird der SVG nutzen müssen.

Dramatische Partie mit fehlendem Happy End

CELLE. Einen großen Unterhaltungswert konnte man der Partie nicht absprechen. Allerdings endete die Partie nicht so, wie es sich die Gastgeberinnen mit ihren Fans gewünscht hätten. Und letztlich war die 22:23-Niederlage des SVG Celle gegen die SG BBM Bietigheim auch vermeidbar gewesen. Allerdings taten sich die Gastgeberinnen in einer hitzigen Partie schwer, zum Torabschluss zu kommen.

Die Begegnung begann aus Celler Sicht so, wie die vorangegangenen Partien geendet hatten. Der SVG zeigte sich im Spielaufbau fehlerhaft und im Abschluss zu ungenau. Zwar lagen die Gastgeberinnen durch einen Doppelschlag von Kathrin Schulz (Siebenmeter) und Maria Kiedrowski innerhalb von 25 Sekunden in der 3. Minute mit 2:1 in Front, luden den Gegner anschließend allerdings geradewegs dazu ein, sich einen Vorteil zu verschaffen. Zwölf Minuten lang blieb Celle letztlich auch aufgrund eines ideenlos wirkenden Angriffsspiels ohne Torerfolg. Bietigheim nutzte die Schwächen des Gegners aus, um sich eine 7:2-Führung zu verschaffen. Für Kathrin Schulz war das sogar eine ganz entscheidende Situation. „Diese Phase und unser schlechter Start in die zweite Halbzeit haben uns den Kopf gekostet“, meinte die vierfache Torschützin kritisch.

Nach dem vollkommen verpatzten Auftakt kam Celle nach einer Auszeit jedoch besser ins Spiel. In einer von vielen Fouls begleiteten Partie erlebten die Zuschauer nach dem 2:7 (14.) die stärkste Phase der Celler Mannschaft. In den folgenden Minuten klappte beim SVG so ziemlich alles. Aufgebaut auf eine sichere Abwehrarbeit mit einer starken Turid Arndt zwischen den Torpfosten, bekam der SVG Oberwasser. Acht Treffer in Folge brachten den Gastgeberinnen in der 21. Minute eine 10:7-Führung.

Anschließend verlief die Begegnung wieder ausgeglichener. Der Drei-Tore-Vorsprung blieb bis zum 13:10 (27.) aber konstant. Doch wie gewonnen, so zerronnen. Mit dem Pausenpfiff glich Bietigheim doch noch aus.

Wie schon zu Beginn der ersten Hälfte erwischte der SVG auch in der zweiten Halbzeit einen schlechten Start. Zwischen der 34. und 42. Minute blieb Celle erneut ohne Torerfolg, sah sich zwischenzeitlich einem 15:18 (39.) gegenüber und rannte fortan einem Rückstand hinterher.

Celle tat sich schwer, die gegnerische Abwehr auszuspielen. „Wir sind zwar dahin gegangen, wo es wehtut. Aber wir sind dafür nicht belohnt worden“, meinte Jolanda Robben. In einer hektischen Partie mit vielen leichten Fehlern auf beiden Seiten versuchte der SVG vorerst vergeblich, den Rückstand zu verkürzen. Im Angriff fehlte es insgesamt an Durchschlagskraft, zudem wurden die wenigen gut herausgespielten Einwurfmöglichkeiten nicht immer genutzt.

Zumindest war auf die Abwehrarbeit Verlass. Die sorgte dafür, dass die Chance blieb, dem Spiel noch eine Wende geben zu können. „Nur zehn Gegentreffer in der zweiten Halbzeit sind in Ordnung“, befand Robben. Nur neun eigene Treffer waren es indes nicht.

Dennoch schaffte Celle eine Aufholjagd. 20:21 stand es in der 52. Minute – 21:22 in der 55. Als dann Kathrin Schulz 45 Sekunden vor dem Ende per Siebenmeter der Ausgleich zum 22:22 gelang, war ein Punktgewinn zum Greifen nah. Verbissen versuchte Celle, den anschließenden Bietigheimer Angriff abzuwehren. Es schien, als sollte das gelingen. Doch als die Schlusssirene ertönte, hatte Bietigheims Hanna Maria Yttereng den Ball doch noch im Celler Tor untergebracht. Die vierte Niederlage im vierten Spiel des Jahres 2015 war perfekt und die Enttäuschung im Celler Lager extrem groß.