Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Lokalsport SVG Celle weckt das Abstiegsgespenst
Sport Sport regional Lokalsport SVG Celle weckt das Abstiegsgespenst
19:12 22.02.2015
Von Uwe Meier
Handball-Bundesliga Frauen Vulkan-Ladies Ladies gegen SVG Celle. Evelyn Schulz hat sich am Kreis durchgesetzt Quelle: Dieter Mühlen
Celle

Eigentlich sollte in der Partie gegen einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt ein kleiner Befreiungsschlag gelandet werden. Herausgekommen ist dabei allerdings genau das Gegenteil. Nach der vollkommen verdienten 20:27-Niederlage beim bisherigen Tabellenletzten VL Koblenz/Weibern dürfte das Selbstvertrauen der Spielerinnen des Handball-Bundesligisten SVG Celle auf dem Nullpunkt angelangt sein. Auf jeden Fall ist durch die siebte Niederlage in Folge das Abstiegsgespenst endgültig aufgeweckt worden und wird auch in den kommenden Wochen beim SVG Celle munter durch die Reihen geistern.

Niedergeschlagen und gedankenverloren beobachteten die Celler Spielerinnen nach dem Spiel in Koblenz die Jubelfeiern des Siegers. Tränen der Verzweiflung strömten bei den meisten Spielerinnen im Überfluss. „Ich kann nicht verstehen, warum das heute so gelaufen ist“, meinte Mannschaftsführerin Jolanda Robben. „Wir waren vor dem Spiel so zuversichtlich, zumal wir in den vorangegangenen drei Begegnungen einen Aufwärtstrend gezeigt hatten.“ Die von ihr angesprochenen Partien waren zwar auch allesamt verloren gegangen. Doch die Niederlage am vergangenen Samstag hatte besonders wehgetan. „Ich bin total enttäuscht“, sagte Natasha Ahrens, die in einem schwachen SVG-Team noch zu den besseren Spielerinnen gehört hatte. „Wir hatten optimale Bedingungen, um ein gutes Spiel abzuliefern. Die Vorbereitung war perfekt und dann setzen wir nichts von dem um, was angesagt war und was wir uns vorgenommen hatten“, fügte Ahrens nahezu fassungslos hinzu. Hinsichtlich des angestrebten Saisonziels sieht sie dunkle Wolken aufziehen: „Viel Zeit bliebt uns nicht mehr. Es ist Ende Februar. Die Uhr tickt.“

Ein sichtlich verärgerter Trainer Martin Kahle kündigte Konsequenzen angesichts des schwachen und fehlerhaften Auftritts seines Teams an. Wie diese aussehen werden? „Dazu sage ich so kurz nach dem Spiel nichts“, so Kahle, der angesichts der Niederlagenserie seines Teams die Zeichen der Zeit längst erkannt hat. Er redet nichts mehr schön: „Wenn wir das nächste Heimspiel gegen Göppingen (14. März, HBG-Halle) nicht gewinnen, sind wir abgestiegen“, gibt er zu Protokoll. Veränderungen scheinen angesichts dieser Prognose angebracht.

Die Erfahrungen vergangener Erstligazeiten sollten dabei Warnung genug sein. Schon in der ersten Bundesliga-Saison hatte der SVG unter seiner Leitung gegen Topteams gute Leistungen gezeigt, gegen direkte Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt allerdings verloren. Mit welchem Szenario das endete, ist bekannt: Celle stieg nach dem Aufstieg sofort wieder ab. Trotz des überraschend erfolgreichen Saisonstarts mit vier Siegen aus neun Spielen im Jahr 2014 droht derzeit eine Duplizität der Ereignisse.

Ohne Schwung in der Offensive ohne Siegchance

KOBLENZ. Wieder nur 20 Tore. Damit wird deutlich, mit welchem Problem der SVG Celle auch im Auswärtsspiel bei den Vulkan-Ladies Koblenz/Weibern erneut zu kämpfen hatte. Auch mit Rückkehrerin Anna-Katharina Loest, die sich bei ihrem Comeback schwer verletzte (siehe oben), hatte der Celler Bundesligist in der Offensive arge Schwierigkeiten.

Ob nun übermotiviert oder zu nervös: Celle hatte nicht in die Partie gefunden. Zahlreiche Ungenauigkeiten kennzeichneten den Auftritt des Tabellenelften. Die SVG-Spielerinnen erlaubten sich Pass- und Fangfehler und waren auch beim Abschluss zu ungenau. Bis zur fünften Minute hatte Celle zweimal neben und einmal über das Tor geworfen. Den Auftakt hatte ein Lattentreffer von Adriana Cardoso de Castro (3.) gemacht. Koblenz präsentierte sich weitaus effektiver und führte schnell 6:2 (9.).

Bei den Cellerinnen wuchs die Verunsicherung. Die Gäste schafften es nicht, die hohe Fehlerquote zu senken. Zwar war der SVG beim 6:8 (17.) dran, doch anschließend nutzte Koblenz ein weiteres Celler Fehlerfestival, um auf 12:6 davonzuziehen. Neben der hohen Fehlerquote fehlte es in der Offensive auch an Durchschlagkraft. Koblenz hatte sich gut auf Celle eingestellt und nahm Verschuren, Szücs und Co. den Schwung.

Daran änderte sich trotz einiger Umstellungen nach dem Wechsel wenig. Immerhin bekam Celle in der Abwehr einen besseren Zugriff auf den Gegner, der bis zur 45. Minute nur ein Feldtor erzielte und ansonsten nur vom Siebenmeterpunkt erfolgreich war. Die Celler Angriffseffektivität wurde zwar nicht besser, aber immerhin eröffnete das bessere Defensivverhalten die Chance, auf 16:18 (47.) zu verkürzen. In dieser Phase war für den SVG die Möglichkeit vorhanden, der Partie doch noch eine Wende geben zu können. Sie wurde nicht genutzt. Dazu hätten die sich bietenden wenigen Konterchancen umgesetzt werden müssen. Doch entweder landeten die Gegenstoßpässe beim Gegner oder die Bälle wurden leichtfertig vertändelt. Und so schaffte es Koblenz – auch dank fünf verwandelter Siebenmeter zwischen der 43. und 53. Minute – den Vorsprung zu verteidigen und ihn in der Schlussphase wieder auszubauen. Und das gegen ein mehr und mehr resignierendes SVG-Team, das sich somit einer verdienten Niederlage beugen musste.