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Lokalsport SVG baut mit sicherem 33:24-Sieg Startrekord aus
Sport Sport regional Lokalsport SVG baut mit sicherem 33:24-Sieg Startrekord aus
19:37 07.11.2010
Von Uwe Meier
2. Handball-Bundesliga, SVG Celle (schwarz) – TSV Nord Harrislee. Natasha Ahrens (links) und Jessica Geier bei der Abwehrarbeit Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Ein bisschen unheimlich ist es schon. Sicher war damit spekuliert worden, dass der SVG Celle nach dem Erstliga-Abstieg in der 2. Handball-Bundesliga eine gute Rolle spielen und oben mitmischen würde können. Doch damit, dass das vor der Saison stark verjüngte Team einen derart eindrucksvollen Start hinlegen würde und auch noch nach dem 7. Spieltag verlustpunktfrei die Tabelle anführen würde, war nicht unbedingt zu rechnen gewesen. Zumindest bis jetzt wird die Liga vom SVG dominiert. Daran konnte auch der TSV Nord Harrislee am Sonnabend in der HBG-Halle nichts ändern. Der Ligakrösus ließ den Gästen von der dänischen Grenze keine Chance und fuhr mehr oder weniger leicht und locker mit dem 33:24 (17:10)-Erfolg den höchsten Saisonsieg ein.

Startrekord ausgebaut und Tabellenspitze verteidigt – da darf man ruhig einmal zufrieden dreinblicken. Doch die derzeitige Dominanz sollte keineswegs dazu einladen, sich zufrieden zurückzulegen. Sicher – während sich das SVG-Team schadlos hält, nimmt sich die Konkurrenz gegenseitig die Punkte ab und festigt damit gleichzeitig die Position des Tabellenführers. 14:0 Punkte sind eine beeindruckende Bilanz. Allerdings entschieden ist nichts. Bei 15 noch ausstehenden Spieltagen kann noch jede Menge passieren.

Doch das Spiel am Sonnabend gegen Harrislee hat gezeigt, dass das SVG-Team für die kommenden Aufgaben gut gerüstet scheint. So gab Trainer Martin Kahle in großen Teilen der zweien Halbzeit den „jungen Wilden“ wie Jessica Geier (17 Jahre), Kathrin Schulz (20) und Natasha Ahrens (19) lange Einsatzzeiten und ließ die etablierten Stammkräfte auf der Bank. Das tat dem erfolgreichen Spiel des SVG-Teams keinen Abbruch. Vielmehr stellten die Nachwuchskräfte den Gegner vor die eine oder andere Aufgabe, die dieser zumindest am Sonnabend nicht zu lösen imstande war.

Das Spiel gegen personell geschwächte Gäste – Harrislee musste mit Jana Lempke und Melanie Mie Legarth auf ihre beiden Haupttorschützinnen verzichten – hat allerdings auch gezeigt, dass die SVG-Mannschaft noch Luft nach oben hat. Besonders die Chancenverwertung ließ einiges zu wünschen übrig. Die 40-Tore-Marke wäre im vierten Heimspiel der Saison zu knacken gewesen, wenn nicht eine Vielzahl bester Möglichkeiten ausgelassen worden wäre. Gegen andere Gegner kann sich so ein Manko schnell einmal rächen. „Unsere Chancenverwertung war schlecht“, meinte Susanne Büttner und übte gleichzeitig Selbstkritik. „Ganz besonders ich habe einige Dinger nicht reingemacht. In knappen Spielen müssen die drin sein.“

Ein solches Spiel könnte es bereits am kommenden Spieltag geben. Dann geht es nach Travemünde. Der dortige TSV hat insbesonders in seinen bisherigen Heimspielen einen starken Eindruck hinterlassen und dabei unter anderem dem Tabellenzweiten TSG Wismar beim 28:28 einen Punkte abgeknöpft und MTV 1860 Altlandsberg 33:32 besiegt. „Das ist eine ganz andere Hausnummer“, glaubt Trainer Kahle. Und Susanne Büttner fügt an: „Einfach ist kein Spiel.“ Recht hat sie. Den Tabellenführer wollen alle gern einmal besiegen.

Frühzeitig alle Zeichen auf Sieg gestellt

CELLE. „Entweder es wird verkrampft oder die kriegen heute richtig einen“, sagte SVG-Trainer Martin Kahle wenige Minuten vor dem Spielbeginn angesichts der Tatsache, dass der TSV Nord Harrislee stark ersatzgeschwächt in Celle antreten musste. Am Ende war keines von beiden so richtig der Fall gewesen. Der Tabellenführer spielte leicht und locker sein Pensum herunter und die dezimierte Harrisleer Mannschaft versuchte sich gegen die Celler Übermacht zur Wehr zu setzen. Beim Gegner war das Fehlen der beiden Haupttorschützinnen deutlich anzumerken. Die Gastgeberinnen ließen in der Anfangsphase in der Defensive kaum etwas anbrennen. Konzentriert und kompromisslos ging es vorerst in der SVG-Abwehr zu. Das sorgte für Ballgewinnen, Tempogegenstöße und eine schnelle 6:2-Führung (8.).

Harrislee hatte nicht die Spur einer Chance und wirkte gegen die aggressive zu Werke gehende Celler Mannschaft ideenlos. In einer Auszeit stellte TSV-Coach Thomas Blasczyk sein Team neu ein. Dennoch blieben Tore der Gäste vorerst Zufallsprodukte. Der Tabellenführer hatte die Partie einfach zu sicher in der Hand.

Doch mit der sicheren Führung im Rücken, schlichen sich ins Spiel des SVG kleinere Ungereimtheiten ein. Die Abwehr leistete sich den einen oder anderen Fehler und im Angriff stieg die Zahl der Fehlwürfe. „Wir haben größtenteils sicher aus der Abwehr herausgespielt und im Positionsangriff unsere Chancen herausgespielt“, meinte Anna-Katharina Loest. „Allerdings haben wie sie nicht alle genutzt.“ Damit hatte sie wohl recht. Denn obwohl sich Celle in der Abwehr Lücken zeigte, hätte der Vorsprung ansteigen können, wenn auf der anderen Seite die sich bietenden klaren Möglichkeiten genutzt worden wären. „Wir haben es uns eben selbst ein bisschen schwer gemacht“, so Susanne Büttner.

Das Zepter gab der Tabellenführer dennoch nie aus der Hand. Nach dem 8:3 (14.) für Celle kam Harrislee zwar besser ins Spiel und blieb bis zum 12:9 (24.) einigermaßen auf Schlagdistanz, doch dann legten die Gastgeberinnen bis zur Pause noch einmal nach.

In der Pause stellte der SVG-Coach die Mannschaft um. Desiree Comans, Wencke Meomartino, Renee Verschuren und Nastja Antonewitch blieben vorerst auf der Bank. Jetzt hatten die Nachwuchskräfte auf dem Feld das Sagen. Und das durchaus lautstark. Durch zwei Treffer von Loest und ein Tor von Natasha Ahrens vergrößerte Celle beim 20:11 den Vorsprung erstmals auf neun Tore. Der blieb in der Folgezeit nahezu konstant. In der 44. Minute machte eine starke Lenz ihren Platz für Claudia Körner frei, die sich erfolgreich mit einem gehaltenen Siebenmeter ins Spiel einfügte.

Harrislee versuchte weiterhin mit lang vorgetragenen Angriffen das Tempo aus dem Spiel zu nehmen. Das gelang auch zeitweise, doch gefährlich werden konnten die Gäste dem SVG-Team damit nicht. Mehr als auf sechs Tore kam der TSV nicht mehr heran. Und als in der Schlussphase die Kräfte schwanden, legte Celle noch einmal nach und kam nach fünf Toren in den letzten vier Minuten zu einem klaren Sieg, der in der Höhe vollkommen verdient war.

Trainerstimmen

Thomas Blascyk (TSV Nord Harrislee): Der Sieg ist absolut verdient – auch in der Höhe. Celle war klar überlegen. Wir haben versucht, die körperliche Robustheit rauszunehmen. Das ist uns nicht gelungen. Wir haben auch viele Fehler gemacht. Celle hat in der zweiten Halbzeit viel durchgewechselt. Dadurch haben wir zwischenzeitlich ein bisschen aufgeholt. Letztenendes haben wir in diesem Spiel keine Chance gehabt.

Martin Kahle (SVG Celle): Wir wussten, dass Nord Harrislee seine besten Rückraumspielerinnen nicht dabei haben würde. Daadurch war die Gefahr da, dass der Gegner unterschätzt wird. Doch wir sind gut ins Spiel gekommen und haben das Tempo hoch gehalten. Wenn man etwas an dem Spiel kritisieren will, dann war es sicherlich die Chancenverwertung. Aber wir haben mit neun Toren gewonnen und sind weiter Tabellenführer. Insofern bin ich zufrieden. Die Mannschaft hat sich gut und schnell entwickelt – schneller als ich gedacht habe.