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Lokalsport Schlamm und Strom für harte Kerle
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16:33 05.02.2010
Celle Stadt

Immerhin: Aufgeknüpft haben sie Stephan März und seine Mitstreiter nicht beim „Tough-Guy-Race“, dem „harte Kerle-Rennen.“ Wer sich wie der 45-jährige Celler auf das angeblich härteste Rennen der Welt nahe Birmingham einlässt, muss mit einigen körperlichen Schikanen rechnen. Und damit, dass er, wenn er sich unter den etwa 5000 Teilnehmern in die falsche Startgruppe einreiht, an einem Balken aufgehängt und mit Schneebällen beworfen wird oder den Kopf mit Honig übergossen bekommt.

Ein Kinderspiel verglichen mit dem, was auf März und seine Extremsport-Kollegen Udo Bussmann und Thomas Heß auf dem zwölf Kilometer langen Parcours wartete: Mit Eiswasser gefüllte Gräben, Schlammfelder, steile Anstiege oder Krabbelröhren aus Beton, brennende Heuballen und Elektrozäune. – „Die kalte Hölle von England“, wie Heß es martialisch nennt.

Qualen ohne Ende, dafür steht das Tough-Guy-Rennen, das seinen Teilnehmern verspricht, wie ein „Albtraum“ zu sein, in dem man von einer „Herde wilder Hengste gejagt“ wird. Immerhin so gefährlich, dass rund 600 Läufer die Jagd über das ursprünglich als Hindernisbahn für Elitesoldaten konzipierte Gelände wegen kleiner Blessuren und ernsthafter Verletzungen nicht beenden konnten.

Drei Stunden und zwanzig Minuten benötigte das Trio für die eiskalte Tortur, für deren Vorbereitung sie sich in die Örtze stürzten oder im Celler Schnee wälzten. „Es war eine Super-Erfahrung“, sagt März, der wie seine beiden Mitläufer zitternd aber unverletzt ins Ziel gelangte und seine eigenen Grenzen kennen gelernt habe. „Grausamen Psycho-Terror“ nannte es Heß: Immer wieder kaltes und mit dünnem Eis bedecktes Wasser, dazu Unmengen an Schlamm, die jeden Schritt zum Kraftakt werden lassen. „Du hast das Gefühl, es nimmt kein Ende“, beschreibt März seine Eindrücke während des Laufs, während dessen sich der Körper permanent gegen die Kälte wehrt, Beine und Hände immer wieder taub werden und Eisstückchen wie Nadeln in der Haut brennen.

„Der ganze Körper und die Psyche werden extrem gefordert“, sagt März, dessen Beweggründe zur Teilnahme an der skurilen Veranstaltung „Spaß“ und „anders sein als die anderen“ lauten. Wirklich ernst nimmt es der Extremsportler mit der Erkenntnis, die wohl die meisten Teilnehmer bei der Zieldurchquerung in die Kopf schießt: „Du hattest das Ziel nicht unbedingt vor Augen, aber der Kampfgeist hat sich gelohnt.“

Der physische Lohn für die Teilnehmer, die laut Veranstalter „blutig, ramponiert aber ungeschlagen“ den harten Parcours verlassen, steht unterdessen ganz im Zeichen einer entbehrungsreichen Schlammschlacht: Im Zielraum werden heißer Kakao und eine isolierende Rettungsdecke gereicht – selten waren diese beiden Dinge bei „tough guys“ so begehrt wie nach diesem Rennen.

Von Eike Frenzel