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Lokalsport Schulleiter wollen gemeinsamen Sport
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22:25 08.04.2013
Quelle: Jens Wolf
Celle Stadt

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück würde Jungen und Mädchen gern in getrennten Sportunterricht stecken. Andernfalls, so soll seine Frau es erlebt haben, würden zum Beispiel muslimische Eltern ihre Töchter vor dem Schwimmunterricht krank melden. Aus allen Bereichen erntete er dafür Kritik. Auch in Celle sind die meisten Akteure wenig begeistert. Eher wundert man sich.

Nach der fünften Klasse sollen alle Schüler schwimmen können, das ist das Ziel an der Oberschule Heese (Obs. 1). Schulleiter Manfred Busch hat deshalb nur selten Ärger. „Unabhängig, wo sie herkommen: Es werden immer mehr, die nicht schwimmen können.“ Einst hatte er zwei Schülerinnen, deren Eltern sie nicht zum Schwimmen lassen wollten, außerdem sollte die ältere im Sport ein Kopftuch tragen.

Das Problem löste sich von selbst. Das Kopftuch war zu warm, zu unpraktisch und ein wenig gefährlich ist es im Sportunterricht auch. Die Schülerin nahm es schließlich ab. Und beide gingen zum Schwimmunterricht.

„Ich halte eine Trennung aus religiösen Gründen nicht für gut“, sagt Busch, auch wenn die Oberschule in der Heese eine Multi-Kulti-Schule sei. Ab und zu würde er seine Schüler trotzdem gern trennen: „In der Pubertät könnte man das mal machen“, aber nicht auf Dauer. Busch ist es wichtig, das Jungen und Mädchen lernen, miteinander umzugehen.

Tatsächlich hatte das Bundesverwaltungsgericht schon im Jahr 1993 geurteilt, dass die staatliche Schulverwaltung „alle ihr zu Gebote stehenden, zumutbaren organisatorischen Möglichkeiten“ ausschöpfen müsse, Jugendlichen ab zwölf Jahren einen getrennten Sportunterricht zu ermöglichen.

Celles Sozialdezernent Stephan Kassel: „Nach diesem Urteil wurde ein muslimisches Mädchen befreit, wenn ihr kein getrennter Schwimmunterricht angeboten werden konnte.“ Kassel würde lieber nach Interesse und sportlicher Neigung unterscheiden, als nach Geschlecht. „Ich bin froh, wenn wir Schwimmunterricht überhaupt anbieten können, dann nicht auch noch getrennt.“ Integration bedeute, niemanden auszuschließen. „Wenn nicht zusammen, dann besser gar nicht? Das geht nicht.“

Der Celler Abdullah Borek konvertierte vor nunmehr 56 Jahren zum Islam, eine Zeit lang war er Konsul in Bahrain. Er erinnert daran, dass die überwiegende Zahl der Muslime in Deutschland aus der Türkei kommen, „genauer gesagt: aus Zentralanatolien“. Dort seien die Vorstellungen über das Verhältnis der Geschlechter eben anders. „Mädchen sollen keine nackten Oberkörper von Jungen sehen, und umgekehrt auch nicht.“ Ganz wichtig dabei: die soziale Komponente. Was wird der Nachbar sagen? Kann das Mädchen noch verheiratet werden, wenn es gemeinsam mit Jungen zum Schwimmen gegangen ist?

„Es gibt keine islamistische Kleidung, es gibt aber Regeln“, sagt Borek. Und diese besagen, dass Männer vom Knie bis zum Nabel bekleidet sein müssen, Frauen am ganzen Körper bis auf Hände und Gesicht. Das seien religiöse Regeln, sie seien aber auch Folklore und soziale Norm. „Das ist eine unheilige Mischung“, sagt Borek. „Sport ist ein Unterrichtsfach und wir haben in Deutschland die Schulpflicht – das führt zu Konflikten.“

Von Isabell Prophet