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Lokalsport Schulsport der etwas anderen Art
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16:34 09.11.2010
Von Christopher Menge
Neue Sporterfahrung: Rolstuhlbasketball und Goalball Quelle: Peter Müller
Hambühren

HAMBÜHREN. Seit seiner Geburt ist Michael Möllenbeck querschnittsgelähmt und an den Rollstuhl gefesselt. Er hat gelernt, sich mit seiner Behinderung zu arrangieren. In der zweiten Bundesliga im Rollstuhl-Basketball peilt er in dieser Saison mit der SG Oldenburg/Sünteltal den Aufstieg an. Kürzlich war er in der Haupt- und Realschule Hambühren zu Gast. Im Rahmen des Projekts „Neue Sporterfahrung“, das 2009 von der Telekom und dem deutschen Behindertensportverband ins Leben gerufen wurde, brachte Möllenbeck den Schülern seinen Sport näher.

Es dauert nur wenige Minuten bis sich die 14-jährige Madeline Michel an den Rollstuhl gewöhnt hat. „Das ist ja richtig leicht“, freut sie sich, bevor sie den Ball zu ihrer Mitspielerin passt. Ihre Angst vor dem Rollstuhlbasketball ist im Nu verflogen. „Das macht sehr viel Spaß“, sagt Madeline, die das Projekt lobt. „So merkt man, was andere Menschen fühlen und kann ihnen helfen“, so Madeline. „Man kann sich in die behinderten Menschen rein versetzen. Das ist gut fürs Miteinander“, ergänzt Madelines Klassenkamerad Janek Conrad.

„Das ist das Ziel, was wir verfolgen“, freut sich Projektleiter Thomas Stephany über die positive Resonanz, „durch den Sport kann man den Schülern die Skepsis in kürzester Zeit nehmen.“ „Es ist wichtig, dass sich gesunde Menschen so früh wie möglich damit beschäftigen, damit Vorurteile beseitigt werden“, betont Stephany. In 200 Schulen stellte Stephany jeweils mit Behindertensportlern aus der Region das deutschlandweite Projekt vor und ließ die Schüler neue Sporterfahrungen machen. „Das verändert den Blickwinkel“, so Stephany. In Celle ist die HRS Hambühren die einzige Schule, die diese besonderen Erfahrungen machen kann. Sportlehrer Sven Marks hatte das Projekt in seine Schule geholt.

In verschiedenen Übungen lernen die Schüler schnell mit dem Rollstuhl umzugehen. Bei einer Slalom-Staffel oder einem Fangspiel packt die Schüler unmittelbar der Ehrgeiz mit dem am Morgen noch völlig ungewohnten Sportgerät. Vielleicht landet ja jemand irgendwann bei einem Rollstuhlbasketballverein, denn dort können auch gesunde Menschen spielen. So wie Möllenbecks Mannschaftskamerad, Martin Kluck, der das Projekt unterstützt.

Neben dem Rollstuhlbasketball lernen die Schüler beim paralympischen Goalball auch das Gefühl kennen, blind zu sein. „Das ist ein komisches Gefühl, nichts zu sehen“, schildert Sarah Knopf ihre Erfahrungen, „aber man kann trotzdem aktiv Sport treiben.“ Knapp 350000 sehbehinderte Menschen leben in Deutschland.

Möllenbeck verfolgt mit dem Besuch in der Schule einen Wunsch. „Ich hoffe, dass jeder aufeinander zugeht“, so der Sportler, „und dass alle erkennen, das man auch mit Behinderten Sport machen und seine Freizeit verbringen kann.“ Bei den Schülern der achten bis zehnten Klassen der HRS Hambühren ist diese Botschaft angekommen.