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Lokalsport Sechs Celler erreichen beim Tough Guy Race das Ziel
Sport Sport regional Lokalsport Sechs Celler erreichen beim Tough Guy Race das Ziel
18:49 29.01.2014
Von Uwe Meier
Patrick März (oben) kletterte über ein nicht zu unterschätzendes Hindernis. Auf dem Bild rechts macht sich Fred Starbatty ganz lang, um bei einer Rutschpartie nicht die stromdurchfluteten Fähnchen zu berühren. Quelle: Renate Starbatty
Celle

Und das soll Spaß machen? Diese Frage muss gestattet sein. Und sie kommt irgendwie automatisch, wenn man davon hört, dass sich rund 5000 Frauen und Männer bei stürmischen Winden auf eine vom Regen aufgeweichte und knöcheltiefe und eigentlich nur aus Matsch bestehende Laufstrecke begeben. Es müssen eben echte „Tough Guys“ sein, die die Herausforderung eines sehr besonderen Hindernislaufes im englischen Wolverhampton annehmen. Dabei gilt es, die abenteuerlichsten Hindernisse zu bewältigen, die bei bloßer Betrachtung für größere Einschüchterung sorgen. Ach ja – und wäre es nicht schon genug, gegen Wind, Kälte anzukämpfen, sich über wenig Vertrauen erweckende Klettergerüste zu quälen, gibt es da ja auch noch diese kleinen Flussläufe und Seen. Das Wasser darin ist der Jahreszeit entsprechend „gekühlt“ und muss, weil es eben so sein muss, watend, schwimmend oder – wenn es gar nicht mehr anders geht – tauchend durchquert werden. Durch stockdunkle Tunnel kriechen, in denen es schon einmal einen Stromschlag geben kann oder über brennende Strohballen springen, gehört auch zu den Aufgaben der Teilnehmer. Auf einer 15 Kilometer langen Strecke erwartet die Läufer einiges, was sie eigentlich nicht erwartet hätten.

Und so verwundert es wenig, dass es für den allergrößten Teil der Starter einzig und allein darum geht, die Strapazen halbwegs heile zu überstehen und ins Ziel zu laufen: kaputt, pitschnass und durchgefroren. Die Zeit ist egal und die Platzierung sowieso.

Diese Einstellung hatten auch sechs „harte Kerle“ vom Ratzeputz Team Celle. Andreas Kautz, Andy Creutz, Detlef Lingemann, Marcus Tiersch, Fred Starbatty und Patrick März hatten nur ein Ziel – das Ziel eben. Um das zu erreichen, brauchten die sechs Unermüdlichen zwischen 2:24,00 und 3:01,00 Stunden.

Aber warum macht man so was? Warum setzt man sich einer derartigen Schinderei aus, die Körper und Geist an ihre Grenzen bringen? Die Antwort kommt prompt: „Weil es im Ziel ein richtig tolles Gefühl ist, den inneren Schweinehund gleich mehrfach besiegt zu haben“, sagt Patrick März. Der 20-Jährige hat die Tortur in Wolverhampton bereits zum dritten Mal erfolgreich hinter sich gebracht hat. So schlimm sei es dieses Mal gar nicht gewesen. Immerhin habe die Lufttemperatur bei plus drei Grad gelegen. Nun gut – er muss es ja wissen. Aber warm geht irgendwie anders.

Und ungefährlich ist der ganze Spaß nun auch nicht. Auf dem tiefen, maschigen Boden waren zahlreiche Läufer ausgerutscht und mussten verletzt aufgeben. Dann war auch noch ein Hindernis zusammengebrochen – zum Glück, ohne dabei Läufer in Mitleidenschaft zu ziehen. Und auch März kam nicht ungeschoren davon. Knapp drei Kilometer vor dem Ziel war er auf einer schmalen Planke ausgerutscht und gestürzt. Die Folge: vier Rippen waren gebrochen. Doch ein „Tough Guy“ kennt keinen Schmerz. „Klar hat das weh getan“, so der 20-Jährige, „aber aufgeben wollte ich einfach nicht.“ Hat er auch nicht. Im Ziel ließ er sich dennoch erst einmal ärztlich versorgen.

Die schmerzende Verletzung kann ihn aber nicht davon abhalten, das Rennen erneut anzugehen. Vielmehr hat er ein Angebot des Veranstalters angenommen und sich gleich für die nächsten drei Jahre eine Startnummer gesichert. Es muss wohl doch irgendwie Spaß machen.