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Lokalsport Segelflieger in der „Bodenarbeit“
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14:59 26.12.2011
Von Jürgen Poestges
Segelflieger in Scheuen in Winter-Action Quelle: Peter M¸ller
Scheuen

Winterpause? Von wegen! Wer in diesen Tagen bei den Segelfliegern in Scheuen vorbei schaut und glaubt, da herrscht himmlische Weihnachtsruhe, der hat sich getäuscht. Denn die Aktiven der Flugsportvereinigung Celle nutzen die Zeit der fehlenden Thermik, um die nötigen Kontrollarbeiten zu verrichten.

Wo sonst Piloten und Helfer in trauter Runde zum gemütlichen Plausch beisammensitzen, da nehmen jetzt die Flügel von einem Segelflugzeug den Platz ein. Es wird geschrubbt, geschmirrgelt, aufgebessert, gemalert. „Zu tun haben wir genug, auch wenn wir nicht fliegen“, erklärt Kirsten Eichhorn. Die Nationalmannschafts-Pilotin ist „nebenbei“ auch noch für die Pressearbeit im Verein zuständig. Und ist natürlich auch dabei, wenn es um das Ableisten von Arbeitsstunden geht.

„Das ist wie bei einem Tennisverein, wo ja auch zahlreiche Arbeitsstunden im Jahr nötig sind, um alles in Schuss zu halten“, erklärt sie. Nur ist es bei einem Segelflugzeug eben nicht ganz so einfach. „Da muss man schon wissen, was man wie machen muss“, sagt Eichhorn, und verweist auf Dieter Schleef, einen der Werkstattmeister und Fluglehrer im Verein.

Denn um an den Flugzeugen im Winter die entsprechenden Arbeiten durchführen zu dürfen, muss man schon eine zertifizierte Werkstatt haben. Damit können sie in Scheuen dienen. „Und dafür benötigt man eben auch die Werkstattleiter“, erklärt Schleef. „Da legt man seltener selber Hand an, sondern weißt die Helfer an, was sie wie zu machen haben.“ Es sind rund zehn zumeist jugendliche Helfer, die an diesem Nachmittag an den drei Flugzeugen arbeiten, die fast komplett zerlegt wurden. Bei den Flugzeugen, die zum größten Teil aus Kohlefaser bestehen, müssen hier und da kleinere Stellen ausgebessert und neu lackiert werden.

„Bei anderen Flugzeugen, wo zum Beispiel auch Holz zu den Materialien gehört, ist die Wartung dann schon ein wenig aufwändiger“, so Schleef. Er sieht indes die Wartung und Überholung nicht als lästige Pflicht an. „Was wir jetzt im Winter in Ordnung bringen, funktioniert während der Flugsaison. Da ist doch jeder scharf drauf, wenn es wieder los geht, im Flugzeug zu sitzen und nicht daran herum zu schrauben.“ So werden im Winter auch die Instrumente aus den Fliegern ausgebaut und im Warmen gelagert.

Die Saison dauert in der Regel von März bis Oktober. „Wir sind aber auch schon im Dezember geflogen, wenn das Wetter entsprechend war“, räumt Schleef mit dem Vorurteil auf, im Winter gehe man nicht in die Luft. „Wenn das Wetter klar ist und die Sonne scheint, dann haben wir häufig genug Thermik zum Fliegen.“ Allerdings: Es kann dann auch schon mal kälter werden in der Höhe. Schleef: „Wir haben zwar eine kleine Heizung im Flugzeug, aber eben auch nur eine kleine Batterie. Und wenn die Füße kalt werden und auch über Funk niemand mehr mit einem redet, dann ist der Strom alle. Das geht relativ schnell.“

Derzeit wird auch in einer der Hallen der Boden erneuert, dazu gab es noch gärtnerische Arbeiten rund um das Gelände an Sträuchern und Bäumen. „Über einen Mangel an Helfern brauchen wir uns nicht zu beklagen, es sind immer genug dabei“, freut sich Eichhorn. Was einmal mehr zeige: „Unser Verein lebt, die Mitglieder sind gerne hier, und wenn es nur zum Arbeiten ist.“