Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Lokalsport Segelfliegerin Meike Müller verteidigt deutschen Meistertitel
Sport Sport regional Lokalsport Segelfliegerin Meike Müller verteidigt deutschen Meistertitel
10:02 19.06.2012
Cellerin Meike M¸ller ist erneut Deutsche Meisterin im Segelflug; Meike M¸ller (links) und Kirsten Eichhorn Quelle: Fremdfotos / Texte Eingesandt
Celle Stadt

1800 Meter in der Luft. Allein im Segelflugzeug, ohne Co-Pilot, ohne Navigationsgerät – ganz allein. Die Menschen auf dem Boden – klein wie Ameisen. In dieser Situation die Nerven zu behalten und stets Ausschau nach günstigen Aufwinden zu halten, ist gewiss nicht leicht.

Doch für die Segelfliegerinnen Meike Müller und Kirsten Eichhorn gehört dies schon längst zum Alltag. Beide sind erfolgreiche Vertreterinnen ihres Sports. Das bewiesen sie erneut bei den Deutschen Meisterschaften, die in Ulm-Erbach in Baden Württemberg stattfanden. Mit 170 Punkten Vorsprung – ein großer Abstand im Segelfliegen – deklassierte Müller ihre Konkurrenz und sicherte sich zum zweiten Mal in Folge die Meisterschaft. Ihre Teampartnerin Eichhorn belegte Rang drei. Dank ihrer guten Leistungen sind beide für die Weltmeisterschaften im kommenden Jahr in Issoudun in Frankreich qualifiziert.

„Es ist schon eine tolle Aussicht“, schwärmt Müller über die Wettkampfstrecke in Baden Württemberg. Der Wettbewerbsraum für die Streckenflugaufgaben umfasste die gesamte Schwäbische Alb im Norden, den Schwarzwald im Westen bis zum Bodensee im Süden und Augsburg/Lech im Osten.

An den fünf Wettkampftagen galt es für beide Celler Starterinnen und ihre 38 Konkurrentinnen jeweils unterschiedlich viele Kilometer auf einer bis dato unbekannten Strecke zu absolvieren. Wer bis ins Ziel kommt und dabei die schnellste ist, erhält die volle Punktzahl, die je nach Streckenlänge variiert. Wer zwischendurch den Aufwind verliert und landen muss, erhält Punkte pro geflogenen Kilometer. Müller und Eichhorn bewältigten im Wettkampf Aufgaben zwischen 120 und 402 Kilometern.

„Das war in Ulm schon nicht ganz einfach“, lässt Müller den Wettkampf Revue passieren. „Die thermischen Bedingungen waren schwerer als zum Beispiel in der flachen Lüneburger Heide.“ So war Müller, die ihre Teamkollegin ständig im Schlepptau hatte, darauf angewiesen, möglichst viele Wolken zu finden, da dort meist guter Aufwind herrscht. „Es ist sozusagen Schach mit Wolken“, erklärt die Fliegerin.

Und dieses Schachspiel hat sie souverän gemeistert. Schon nach dem ersten Wettkampftag waren ihre vorherigen Zweifel verflogen: „Ich hatte nicht gedacht, dass es so leicht gegenüber der Konkurrenz wird. Eher hatte ich Bedenken, dass die einheimischen Starter Vorteile gegenüber uns Unerfahrenen haben würden.“ Müllers akribische Arbeit machte sich jedoch bezahlt: Jeden Tag vor einem Wettkampf studierte sie die Landkarte ausgiebig und bereitete sich so optimal vor.

„Natürlich gibt es aber auch Entscheidungen, die man nur während des Fluges treffen kann: ob ich das Schauergebiet lieber umfliege oder kurz davor extra hoch fliege um dann mit dem Regen zu gleiten“, sagt Müller. Bis auf einen Wettkampftag, wo sie auf der Schwäbischen Alb in Albstadt gezwungen war, zu landen, lief alles nach Plan.

Das soll es auch bei der WM. Im vergangenen Jahr belegte Meike Müller dort den vierten Rang. Nun will sie auch international der Konkurrenz davonfliegen.

Von Andre Batistic