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Lokalsport Siegesserie gerissen: SVG Celle verliert 25:26 bei Sachsen Zwickau
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19:54 08.12.2013
Von Christoph Zimmer
Trainer Christian Hungerecker musste Kathrin Schulz nach dem Spiel wieder aufbauen. Silvia Szücs (vorn) war ebenfalls bedient. Quelle: Frank Kruczynski
Zwickau

Nach dem Spiel war Christian Hungerecker als Psychologe gefragt. Der Trainer des SVG Celle musste Kathrin Schulz trösten, die niedergeschlagen auf der Bank saß und die Welt nicht mehr verstand. „Sie war extrem enttäuscht“, sagte Hungerecker ein paar warme Worte später. Das galt für die gesamte Mannschaft und das Trainerteam des Zweitligisten. Aber für die Rückraumspielerin ganz besonders. Denn 29 Sekunden vor Schluss hatte sie einen Siebenmeter und damit den möglichen Erfolg in Zwickau vergeben. Einerseits. Andererseits hatten die Sachsen in der Schlusssekunde ihrerseits durch Michelle Urbicht das entscheidende 26:25 (13:15) geworfen. Und die Cellerinnen nach nur einer Woche wieder von Platz eins geholt.

Die Gründe für die erste Niederlage nach zuvor sieben Siegen in Folge waren schnell gefunden. Nicht nur bei Kathrin Schulz, aber auch. Denn insgesamt vergaben die Handballerinnen fünf von sieben Siebenmetern und ließen darüber hinaus weitere hochkarätige Gelegenheiten aus. Zu viel für eine Mannschaft, die die Tabellenführung eigentlich verteidigen wollte. Das sah auch Hungerecker in seiner ersten Ursachenanalyse so. „Wir müssen die Gründe bei uns suchen und uns an die eigene Nase fassen“, befand der Trainer nach seiner ersten Auswärtsniederlage überhaupt. Am Ende habe „die letzte Konsequenz in unseren Aktionen gefehlt“. Woran das lag, wollte er so kurz nach dem Spiel nicht beurteilen. Erst einmal wolle er den Sekundentod in Zwickau sacken lassen.

Dabei fing alles so gut an für seine Mannschaft. Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase setzte sich der bisherige Spitzenreiter am Ende der ersten Halbzeit ab und lag phasenweise mit vier Toren vorne. In dieser Periode verpassten es die Gäste jedoch, sich weiter abzusetzen. „Wenn wir die Aktionen gut zu Ende spielen, hätten wir noch deutlicher führen können“, sagte Hungerecker zurecht. Sie spielten ihre Aktionen aber nicht konsequent zu Ende – und hielten Zwickau so im Spiel.

Kurz vor Schluss setzte sich Zwickau dann ab, ehe die Cellerinnen sich noch einmal herankämpften. Angeführt von Katharina Loest und Kathrin Schulz gingen sie in der Schlussphase noch einmal in Führung, kassierten den Ausgleich und bekamen eine halbe Minute vor Schluss einen Siebenmeter zugesprochen. Das Ende ist bekannt.

Auch wenn ihn die späte Niederlage ärgerte, hielt sich die Enttäuschung bei Hungerecker dann doch in Grenzen. Vielmehr sah sich der Trainer in seiner Einschätzung bestätigt, dass sie „nicht die Übermannschaft der Liga“ seien. Sondern auf Augenhöhe mit den fünf, sechs, sieben Mannschaften in der Spitzengruppe. „Wir wissen die Niederlage einzuschätzen und lassen uns nicht von unserem Weg abbringen.“

Wohin der führt, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden, wenn es für den Tabellendritten nacheinander gegen Bad Wildungen, Borussia Dortmund und die Füchse Berlin auf den Plätzen eins, zwei und vier geht. Nach dem letzten Hinrundenspieltag am 26. Januar in Harrislee soll sportlich Bilanz gezogen werden. „Da werden wir den Fahrplan für die Rückrunde besprechen und für die neue Saison“, sagte Hungerecker. Das soll mit der Geschäftsführung des Zweitligisten geschehen. Heißt im Klartext: In den Gesprächen wird es auch darum gehen, ob es schon zur neuen Spielzeit einen Finanzplan für eine mögliche Rückkehr in die Bundesliga geben könnte. Angesichts des finanziellen Konsolidierungskurs des Zweitligisten war die Bundesliga erst in drei Jahren anvisiert worden. Dem könnten die aktuellen Leistungen dazwischen kommen, wenn man einmal von der Pleite in Zwickau absieht.

Allerdings behalten sich die Verantwortlichen vor Protest gegen die Wertung des Spiels in Zwickau einzulegen. Im Spielbericht jedenfalls ließen sie einen entsprechenden Vermerk festhalten. Das sagte Marketingchef Peter Kretzschmar gestern. Begründung: Das entscheidende Tor für Zwickau soll erst nach Ablauf der Zeit gefallen sein.