Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Lokalsport Sigrid Müller ist Celles heimliche Sport-Chefin
Sport Sport regional Lokalsport Sigrid Müller ist Celles heimliche Sport-Chefin
14:37 10.10.2015
Von Heiko Hartung
Wenn Sportler und Vereinsvertreter Fragen haben, sind sie bei KSB-Geschäftsführerin Sigrid Müller heute genauso an der richtigen Stelle, wie kurz nach ihrem Amtsantritt vor 25 Jahren (kleines Foto). Quelle: Michael Schäfer
Celle Stadt

Wo gibt es Zuschüsse für den Vereinsheim-Anbau? Was müssen wir unserem Übungsleiter bezahlen? Wie viele Menschen im Landkreis Celle spielen Basketball in einem Verein? Wie kann sich unser neuer Kassenwart fortbilden? Sigrid Müller hat auf (fast) alle Fragen rund um den Celler Sport eine Antwort. Und die Vertreter der mehr als 63.000 Mitglieder in den 240 Klubs machen reichlich Gebrauch vom schier unendlichen Wissens- und Erfahrungsschatz, den sich die 62-Jährige in 25 Jahren als Geschäftsführerin des Kreissportbunds (KSB) Celle angeeignet hat.

Als jüngste Vertreterin ihrer Art in ganz Niedersachsen holte sie der damalige KSB-Vorsitzende Fritz Söhnholz 1990 auf den Posten. Der heutige Ehrenvorsitzende kannte Müller schon lange: Er war ihr Lehrer und Tischtennis-Trainer beim TuS Eicklingen. „Die Welt des Sports war damals eine Männerdomäne. Ich hatte es fast nur mit älteren Herren zu tun“, blickt Müller zurück. Und auch die Vereine waren anfangs skeptisch: Eine Frau an der Spitze des Celler Sports? Das geht gar nicht. Doch die Mutter von zwei Kindern setzte sich durch.

Eigentlich wollte sie den Posten nur übergangsweise besetzen, nun ist sie ein Vierteljahrhundert dabei. 20 Jahre lang war sie zusätzlich ehrenamtliche Schatzmeisterin, bis heute kümmert sie sich um den Sportstättenbau. „Ich arbeite gerne mit den Vereinen, die ehrenamtliche Struktur in Deutschland ist einzigartig“, sagt Müller. Drei Vorsitzende (neben Söhnholz noch Jochen von Frantzius und Amtsinhaber Hartmut Ostermann) hat sie in dieser Zeitspanne erlebt – und kam mit allen gut aus. „Der Vorstand beschließt – ich setze es um. Und da hat man gewisse Spielräume“, sagt Müller und fügt mit einem Lächeln hinzu. „Die heimliche Chefin bin ich.“ Und das wird allgemein akzeptiert, denn die gebürtige Sandlingerin hat den „Laden“ im Griff.

Angefangen hat sie als Halbtagskraft – gearbeitet hat sie von Beginn an den ganzen Tag. „Die haben mir gesagt, zwei Stunden am Tag reichen für alle Aufgaben. Die kannten wohl die Uhr nicht“, sagt Müller. Das Büro musste sie damals selbst mitbringen. Die Geschäftsstelle wurde im eigenen Haus in Sandlingen eingerichtet – anfangs ohne Kopierer, ohne Faxgerät. Müller krempelte vieles um. „Nach 14 Tagen sind wir losgezogen und haben eine EDV-Anlage gekauft. Ahnung hatten wir davon nicht.“ Die Aufbruchstimmung im frisch wiedervereinten Deutschland hatte alle gepackt.

Nach elf Jahren zog die Geschäftsstelle vom Privathaus an die Celler Hafenstraße, seit drei Jahren ist die ehemalige Sparkassen-Filiale am Vorwerker Platz die erste Anlaufstelle für Klubvertreter. „Wir sehen uns als Dienstleister für die Vereine. Die Themenkreise sind so komplex geworden, die Ehrenamtlichen im Sport haben Unterstützung verdient.“ Unter Müllers Ägide wurde auch das umfangreiche Seminarangebot des KSB eingeführt – eine Erfolgsstory. „Unsere Fortbildungen sind oft ausgebucht. Wir geben den Vereinsvertretern das nötige Rüstzeug mit.“ Wie wichtig das ist, weiß die aktive Tischtennis-Spielerin des TuS Eicklingen und Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr, der Landfrauen und der Kyffhäuser aus eigener Erfahrung.

Die legendären Kulturtage des Sport, gemeinsame Ferienfreizeiten, Sportfeste – und die Tausenden von Begegnungen mit den Sportlern: Sigrid Müller könnte Bücher mit ihren Anekdoten füllen. An einem hat sie tatsächlich federführend mitgeschrieben: Die 130-seitige Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des KSB Celle aus dem Jahr 1996. „Das ist mein Geschenk an den KSB.“ Gemeinsam mit Günter Niebuhr wurden monatelang Archive durchforstet, Fakten recherchiert und niedergeschrieben. Noch heute gilt die Broschüre als Standardwerk zur Geschichte des Sports in Celle.

Noch zwei Jahre und sieben Monate sind es bis zu Müllers Eintritt in den Ruhestand. Kann sie sich vorstellen, darüber hinaus für den KSB zu arbeiten? „Irgendwann muss Schluss sein“, sagt sie und lächelt dabei vielsagend. Zunächst aber hat die KSB-Geschäftsstelle in dieser Woche schnelles Internet bekommen – und damit ist Sigrid Müller noch näher an den Sportvereinen dran.