Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Lokalsport Sommerbiathlon: Schützen im Wald
Sport Sport regional Lokalsport Sommerbiathlon: Schützen im Wald
16:40 08.04.2013
20. Sommerbiathlon des SSV Gro Hehlen Quelle: Alex Sorokin
Groß Hehlen

GROSS HEHLEN. Ein Auge zukneifen, mit dem Finger den Abzug des Gewehrs durchziehen, eine Scheibe von eineinhalb Zentimetern Durchmesser treffen – und das bei einem Puls von 160 Schlägen in der Minute. Wie macht man das? „Training“, sagt Frank Köhn gelassen. Er organisiert für den SV Groß Hehlen den Sommerbiathlon.

Kalt aber weich. So ist der Waldboden hinter dem Schützenhaus in Groß Hehlen. Gute Nachricht für die mehr als 100 Starter aus Niedersachsen. Der Sommerbiathlon in Groß Hehlen ist der Auftakt zur Niedersachsen-Trophy. Hier sammeln sie wertvolle Punkte für den Rest der Saison.

So ist die Strecke ein Heimspiel für die Groß Hehlener, auch viele Starter aus Eversen und Scheuen sind dabei. „Schöne Strecke“, sagt Mirko Gottschlich vom SV Eversen. Der 23-Jährige hat seinen Lauf geschafft. Der Schweiß tropft ihm von der Stirn, unter der Haut zucken die Muskeln. Einem Biathleten wird auch bei kühlen acht Grad nicht kalt. „Die engen Strecken im Wald machen Spaß.“ Und die Sandkuhle, „brutal“ kommentiert einer, der auch gerade ankommt. Es könnte schlimmer sein. Vor einer Woche, berichtet Köhn, da war die Strecke noch vereist.

Was geht einem auf der Strecke durch den Kopf? „Man kämpft gegen den inneren Schweinehund“, sagt Gottschlich. Man quält sich. „Ganz ehrlich? Spaß macht das nicht wirklich.“ Gar nicht? „Hinterher macht es Spaß.“

1,5 Kilometer wird durch den Wald gesprintet – drei Mal. Die Schüler, zwischen zwölf und 14 Jahren alt, laufen einen Kilometer. Zwischen den Läufen wird geschossen. Die Großen einmal liegend, einmal stehend, die Schüler schießen nur im Liegen. „Man konzentriert sich auf das Wesentliche“, sagt Gottschlich. Die Gewehre warten am Schießstand auf die Schützen, „die würde man sich sonst ins Kreuz hauen“, erläutert Organisator Köhn.

Gottschlich trifft im Stehen souverän fünf Mal, im Liegen verschießt er zwei. Nachladen? Gibt es nicht. Fünf Zielscheiben, fünf Schuss. Wer verfehlt, muss Strafrunden laufen: etwa 75 Meter im engen Zirkel. Deshalb muss der Puls runter, beim Sprint geht der hoch auf 180. Zuviel. Aber „mit den Jahren“, sagt Gottschlich, hat man es dann raus, den Pulsschlag zu kontrollieren. Er weiß das, er trainiert, seit er neun Jahre alt ist. An diesem Tag reicht es nur für Rang sieben, fast drei Minuten trennen ihn von seinem Vereinskollegen Björn Frieling. Vater Bernd Gottschlich beklagt seine fünf Fehlschüsse, „läuferisch war‘s gut“. Stimmt: Unter den Senioren ist er am Ende Zweiter.

Die Schützen liegen auf dem Boden, stützen sich auf die Ellenbogen. In den Händen hält jeder ein Gewehr. Ein Riemen am Arm stabilisiert das Gewehr, erläutert Söhnke Jabusch. Der Oldenburger ist mit seinen zwölf Jahren einer der jüngsten Starter. In seinen zehn Schüssen hat er dreimal verfehlt, „erstklassig“ sagt Vater Heiko Jabusch – der Landesmeister des vergangenen Jahres. Für Söhnke reicht das für Platz sechs unter den Schülern.

Von Isabell Prophet