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Lokalsport Stadt Celle ehrt künftig weniger Sportler
Sport Sport regional Lokalsport Stadt Celle ehrt künftig weniger Sportler
08:53 15.11.2014
Von Heiko Hartung
Die Sportlerehrung der Stadt mit über 400 Gästen im Schlosses war einmal. Künftig fällt der Festakt kleiner aus.
Celle Stadt

Im kommenden Frühjahr wird die Stadt Celle wieder ihre erfolgreichsten Sportler ehren. Das ist die gute Nachricht nach dem heftig kritisierten Ausfall der Traditionsveranstaltung aufgrund der Haushaltssperre in diesem Jahr. Allerdings wird die Zeremonie im Vergleich zu früher deutlich kleiner ausfallen – und dadurch kostengünstiger werden. Zudem zieht die Sportlerehrung vom großzügigen Rittersaal des Celler Schlosses in den kleineren Ratsherrensaal im Alten Rathaus um. Ab einer gewissen Personenzahl wäre auch ein Umzug in die Alte Exerzierhalle möglich. Der städtische Sportausschuss entschloss sich am Donnerstag einstimmig bei einer Enthaltung für die von der Verwaltung ausgearbeitete Neukonzeption. Eine Absegnung durch den Verwaltungsausschuss gilt als Formsache.

„Wir sind uns einig, dass wir von den hohen Kosten runtermüssen. Trotzdem soll die Veranstaltung in einem stimmungsvollen Rahmen ablaufen“, fasste Ausschussvorsitzender Joachim Ehlers (CDU) die Diskussion zusammen.

Nahmen zuletzt stets an die 400 Personen (davon bis zu 220 Sportler und ihre Trainer) an der Feier teil, sollen es künftig nur noch gut 100 sein. Gesenkt wird diese Zahl durch härtere Ehrungsrichtlinien: Bei Welt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen reicht wie bisher die reine Teilnahme aus, um von der Stadt eingeladen zu werden. Bei Deutschen Meisterschaften genügte bislang ein Platz unter den besten Zehn, künftig muss mindestens ein dritter Rang her. Bei einer Norddeutschen Meisterschaft müssen Celler Athleten künftig siegen, um eine Einladung zum Festakt zu bekommen. Bisher langte ein dritter Platz. „Der größte Brocken“, wie Sportdezernent Stephan Kassel betonte, sei jedoch der Wegfall der Landesmeister, die künftig nicht mehr eingeladen werden. Auch die Teilnahme von Familienangehörigen, Trainern und Vertretern von Politik, Wirtschaft und Verwaltung wird beschnitten.

Weil die Kriterien der Verwaltung den Ausschussmitgliedern dann doch etwas zu hart erschienen, einigte man sich darauf, die Grenzen etwas aufzuweichen, indem herausragende Leistungen mit einer Einladung honoriert werden sollen. „Beispielsweise im Bereich Fairplay oder durch Erreichen eines Landesrekords“, wie Ralf Blidon (FDP) vorschlug. Dadurch könnten insbesondere mehr Kinder und Jugendliche Berücksichtigung finden, erklärte das beratende Ausschussmitglied Rolf-Peter Nieber, was fraktionsübergreifend Zustimmung erhielt.

Neben der Teilnehmerzahl war der Veranstaltungsort zuletzt ein Kostentreiber. Die würden durch den Umzug vom Schloss ins Alte Rathaus ebenfalls gesenkt, so Stadtrat Kassel. Durch den kleineren Rahmen entfielen Ausgaben für Licht- und Tontechnik sowie teure Show-Acts.

Insgesamt könnten die Kosten von 14.913 Euro im Jahr 2013 (2012: 11.360; 2011: 9200; 2010: 15.990 Euro) auf 3000 Euro gesenkt werden. Im Vorfeld der Sitzung hatten sich die Fraktionsvorsitzenden jedoch darauf geeinigt, den Finanzrahmen bei Bedarf bis maximal 6000 Euro auszudehnen.

Während sich die Mehrheit den Sparzwängen beugte, wollte sich Torsten Schoeps (WG) nicht mit der Eindampfung der Teilnehmerzahl abfinden: „Das wird dem Sport in unserer Stadt nicht gerecht.“ Sein Antrag, die bisherigen Ehrungskriterien beizubehalten und dafür beim Rahmenprogramm und der Verköstigung zu sparen, wurde jedoch einstimmig abgelehnt. Eine „verbale Watschn“ von Juliane Schrader (Grüne) gab es obendrein: „Es ist nicht zielführend, darüber zu diskutieren, welche Blümchendeko billiger ist und wie viel man bei den Präsenten für die Sportler sparen kann“, raunzte sie Schoeps an. Und Stadtrat Kassel pflichtete bei: „Die entscheidende Stellschraube ist die Personenzahl.“

Pläne für einen „Tag der Vereine“, der das Schrumpfen der Sportlerehrung auffangen sollte, werden unterdessen wohl wieder in der Schublade verschwinden. Grund: Die Resonanz der Vereine ist verhalten. Die sogenannte „Elefantenrunde“, der Zusammenschluss der Vertreter der fünf größten Celler Sportvereine, äußerte sich ebenfalls ablehnend.

Meinung

Bei der Sportlerehrung der Stadt Celle stehen künftig weniger Athleten für einen Abend im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Das ist schade für den Zwölfjährigen, der gerade Landesmeister im Bogenschießen geworden ist und nicht ganz so schlimm für den 55-jährigen Landesmeister im Speedskaten, der schon achtmal eingeladen war. Aber eines steht fest: Das Eindampfen der Teilnehmerzahl – und damit der Kosten – bildet die finanziellen Realitäten in unserer Stadt ab.

Natürlich ist es ein Kompromiss, bei dem viele Sportler in die Röhre schauen, die bislang geehrt worden wären. Aber ein „Weiter so“ konnte es nicht geben. Die Zeit der pompösen Selbstinszenierungen ist vorbei, sie passt nicht zum Spardiktat der Haushaltslage. Dass sich die Politik dafür ausgesprochen hat, dass neben den bloßen Platzierungen auch weiche Faktoren wie persönliches Engagement oder Fairplay Beachtung finden, ist zudem ein wichtiges Signal in unserer Leistungsgesellschaft. Es verhindert zudem, dass der Festakt eine reine „Eliten-Ehrung“ wird.

Und auch das Alte Rathaus als Veranstaltungsort braucht sich nicht zu verstecken. Als Symbol des Bürgertums passt es sogar besser zur bodenständigen Art der heimischen Sportler als das Schloss.

Auch wenn es im Vorfeld nicht gewollt war: Das neue Konzept ähnelt der Sportlerehrung des Landkreises doch sehr – auch was den Kostenrahmen angeht. Vielleicht macht es sogar Sinn, irgendwann die kommunalen Grenzen zu sprengen und eine gemeinsame Sportlerehrung von Stadt und Landkreis zu etablieren. Das würde die Gesamtkosten weiter drücken – und vielleicht wieder mehr Sportlern einen Abend im Rampenlicht ermöglichen.

Heiko Hartung