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Lokalsport Stadt bittet den Sport zur Kasse: 90000 Euro sind die Pflichtsumme
Sport Sport regional Lokalsport Stadt bittet den Sport zur Kasse: 90000 Euro sind die Pflichtsumme
17:21 24.11.2010
Von Jürgen Poestges
Celle Stadt

Auf die Sportvereine der Stadt Celle kommen harte Zeiten zu. Nach Informationen der Celleschen Zeitung will die Verwaltung die Klubs zur Kasse bitten. In einem Schreiben an die Mitglieder der Elefantenrunde, das der CZ vorliegt, erklärt die 1. Stadträtin Susanne Schmitt, dass die Stadt das „Einsparungsziel in Höhe von 80 bis 90000 Euro“ hat und daran auch festhalten will. Angedacht wurden danach von der Elefantenrunde – der Kreis der Vorsitzenden der größten Celler Vereine MTV Eintracht, SV Altencelle, VfL Westercelle, SC Wietzenbruch und TuS Celle 92 – eine 20-prozentige Kürzung der Erstattungsleistung für den Schwimmsport, die Platzwart- und Reiningungs-Entschädigung soll um zehn Prozent gekürzt werden. Und: Es soll ein Entgeld für die Hallennutzung erhoben werden: drei Euro sollen demnach pro Stunde fällig werden.

Sigrid Müller, die Geschäftsführerin des Kreissportbundes Celle, zeigte sich über das Ansinnen sehr erstaunt. „Wir wissen von solchen Gesprächen gar nichts. Und nach wie vor haben wir die Zusagen von Stadt und Landkreis, dass die Hallennutzung für Sportvereine umsonst bleiben soll.“

Für den kommenden Montag, 29. November, ist ein weiteres Gespräch anberaumt worden. Müller: „Dazu haben wir eine Einladung erhalten. An Vorgesprächen waren wir nicht beteiligt.“ Und sie stellt klar: „Der KSB wird sich vehement gegen Hallennutzungsgebühren wehren, wie immer sie auch genannt werden.“

Am Montag, so teilte Myriam Meissner vom Presseamt der Stadt auf Anfrage mit, wollen sich die 1. Stadträtin und Vertreter der Verwaltung mit dem Sport treffen. „Dabei sollen den 40 Vereinen die verschiedenen Sparvorschläge vorgestellt werden“ so Meissner. Die „Elefantenrunde“ selbst habe eine Pro-Kopf-Pauschale von drei Euro je im Verein organisierten Sportler vorgeschlagen – was aus dem Gremium allerdings bestritten wird. Meissner weiter: „Das ist ein Weg, den wir so nicht mitgehen können. Vielmehr vertritt die Verwaltung die Auffassung, nur dort einzusparen, wo tatsächliche Leistungen erbracht werden. Bei der Pro-Kopf-Pauschale würden auch diejenigen zahlen, die keine Leistungen in Anspruch nehmen.“

Die Verwaltung selbst hat eine Verwaltungskostenpauschale – keine Hallengebühr – für Hallen- und Schwimmbadbenutzung von drei Euro pro Stunde und erwachsenen Sportler vorgeschlagen. Damit würde der Aufwand abgegolten, der durch die Koordinierung von Belegungsplänen und Benutzung entsteht. Mehr könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Reinhold Wilhelms, der als Vorsitzender des VfL Westercelle der Elefantenrunde angehört, bestätigt die Gespräche. „Allerdings hat diese Runde ja nicht die Befugnis, irgend etwas zu entscheiden. Und das werden wir auch nicht tun, weil alle Vereine in den Prozess mit eingebunden werde müssen.“ Er wiederspricht auch dem Eindruck, der im Schreiben der Verwaltung entsteht, dass bereits eine Entscheidung gefallen sei. „Es mag sich so anhören, aber so ist es keineswegs.“

In dem Schreiben, das von Susanne Schmitt unterzeichnet ist, werden konkrete Rechenspiel angestellt. Obwohl, wie Schmitt einräumt, „der Fachdienst Sport bislang über keine Daten zur Altersstruktur der Vereinssparten verfügt“. So wurden für die neun Vereine, die der Schwimmsport betrifft, ein Verhältnis Jugendliche zu Erwachsenen von 40:60 angenommen. „Grob geschätzt“ würde dies zu Einnahmen aus der Verwaltungskostenpauschale in Höhe von 9000 Euro führen.

Für die Sporthallennutzung von 34 Vereinen montags bis freitags geht die Verwaltung von einer Verteilung von 50:50 aus. Bei 31000 Jahresstunden rechnet man da mit Einnahmen in Höhe von 46000 Euro. An den Wochenenden geht man von 60-prozentiger Nutzung durch Jugendliche aus, was zu Einnahmen von 8000 Euro führt. „Somit kommen wir auf Mehreinnahmen pro Jahr von 63000 Euro“, so Schmitt.

Aber: „Damit liegt die Summe weit unter dem von mir ausdrücklich avisierten Ziel unserer letzten Besprechung und sogar unter dem Ihrerseits thematisierten Einsparungsziel in Höhe von 80000 bis 90000 Euro. Nach reiflicher Überlegung kann ich mich nicht mit diesem Ergebnis zufrieden geben. Ich muss Einsparungen in Höhe von 90000 Euro erreichen“, so Schmitt.