Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Lokalsport Stampfende Füße, fliegende Haare
Sport Sport regional Lokalsport Stampfende Füße, fliegende Haare
14:42 14.03.2012
Von Jürgen Poestges
Hip-Hop-Formation trainiert f¸r ersten Wettkampf Quelle: Peter M¸ller
Lachendorf

Die Bässe wummern durch die Dance-Factory in Lachendorf. Zehn junge Damen und ein junger Mann, zwischen 13 und 20 Jahre alt, schwingen die Hüften, stampfen mit den Füßen, drehen die Köpfe, dass die Haare nur so fliegen. Rote Turnschuhe, beige Hosen, weiße T-Shirts mit schwarzen Jacken darüber, die an den Schultern mit Nieten versehen sind. Die Hip-Hop-Formation trainiert für ihren ersten Turnierauftritt am Sonnabend in Neustadt.

Mit kritischem Blick steht ihr Trainer vor ihnen: Enrico Yakubu Bade. Der 23-Jährige weiß, worauf es ankommt. Denn er ist norddeutscher und deutscher Meister im HipHop, außerdem Sänger. Seine ersten Erfolge feierte er mit der RTL-Casting-Band „Cherona“ im Jahr 2008. Inzwischen gibt es diese Band aber nicht mehr, sein größeres Standbein ist das Tanztraining.

„Ich habe noch zwei Gruppen in Hannover und eine in Winsen“, erzählt der gebürtige Soltauer. Den HipHop entdeckte er für sich buchstäblich auf der Straße. Nach Lachendorf kam er über die Empfehlung einer Freundin. „Sie hatte die Gruppen hier vor mir, musste aber aufhören und hat mich gefragt, ob ich mir die Dance Factory hier mal anschauen will. Und es hat mir gefallen.“

Auch Laura Eder-Castaneda, die Mitbegründerin des Studios, ist froh über die Verstärkung. „Er weiß, worüber er redet, worauf es ankommt. Und er kann es den Jungs und Mädels gut vermitteln“, sagt sie. „An seinem ersten Tag gab es hier richtige Schrei-Attacken der Mädchen.“ Sie beschreibt den Unterschied zwischen Jazz-Dance, wie sie ihn trainiert, und HipHop ganz simpel: „Die HipHoper tanzen in den Boden, wir nutzen die Höhe des Raumes.“

Das ist jetzt allerdings inzwischen vorbei. Seit vier Monaten arbeitet die Formation an dem Programm für die Meisterschaft. „Es macht großen Spaß, aber es ist auch viel Arbeit, an jedem Trainingsabend sind wir zwei bis drei Stunden beschäftigt“, erzählt Julien, der „Hahn im Korb“ der Formation. Nervös sei er ob des kommenden ersten Turniers nicht. „Jedenfalls noch nicht“, sagt er schmunzelnd. „Ich denke, wenn wir da in der Halle stehen, vor dem Publikum, dann wird das wohl anders werden“, so der 14-Jährige. Seine Mit-Tänzerinnen nicken eifrig im Hintergrund.

So wollen sie auch keine Ziel-Vorgaben machen. „Wir schauen mal, wie wir unser Programm rüber bringen können und wie die Tänzer mit dem Stress umgehen“, sagt Enrico. „Erfahrungen sammeln und Spaß haben, das ist das Motto.“

Am letzten Trainingsabend vor dem Turnier steht noch einmal ein hartes Programm auf dem Plan. Zunächst wird die Choreographie zwei Mal komplett durchgetanzt. Danach geht es ans Eingemachte. Wer steht wo, die korrekte Linie muss eingehalten werden. Dann werden die einzelnen Elemente noch einmal geübt, ohne Musik dieses Mal.

Immer und immer wieder die gleichen Bewegungen, die gleichen Schrittfolgen, immer wieder unterbrochen von Enrico, der jeden einzelnen Tänzer kritisch im Blick hat und korrigiert. „Das wird heute ein Trainingsabend mit offenem Ende“, so Eder-Castaneda.

Aber die Tänzer ertragen es ohne Murren. „Es macht halt Spaß, mit so einem tollen Trainer zu arbeiten“, sagt Julien in einer Pause, in der alle schon kräftig durchpusten müssen.

Der Wunsch nach einer Turnier-Teilnahme kam im übrigen aus der Gruppe. „Es ist doch klar, dass man nicht immer nur wochenlang vor sich hin trainieren will“, hat Enrico Verständnis für den Wunsch. „Und ein Turnier, in dem man sich mit anderen Formationen messen kann, ist auch immer noch etwas anderes als ein Auftritt als Show-Act bei einer Veranstaltung. Das sind andere Eindrücke und man bringt vielleicht auch die ein oder andere Idee mit.“

Das es im HipHop keine Ligen gibt wie etwa im Jazz- und Modern-Dance, starten die Lachendorfer gleich bei den norddeutschen Meisterschaften.