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Lokalsport Starkes Paar: Extremsportler aus Celle bei Wettrennen in arktischer Kälte
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17:47 12.02.2014
Von Heiko Hartung
Die Celler Extremsportler Mike und Maren Kraft sind vor dem Start des „Yukon Arktic Ultra“-Rennens guter Dinge. Durch die unendlichen Weiten der kanadischen Landschaft (kleines Bild) schafften sie es nur mit eisernem Willen. Quelle: Susanne Harbott
Celle Stadt

Der Yukon Trail im nordwestlichen Kanada ist der alljährliche Schauplatz des berühmten Hundeschlittenrennens, dem Yukon Quest. Kurz zuvor findet auf einem Teilstück der „Yukon Arctic Ultra“ statt, eines der kältesten und härtesten Laufrennen der Welt: 160 Kilometer non-stop in Schnee und Eis, klirrende Kälte von bis zu minus 30 Grad Celsius, jeder Teilnehmer ist auf sich alleine gestellt und muss seine Ausrüstung auf einem Schlitten ziehen. Dazu kommen kurze Tage und lange Nächte in totaler Einsamkeit, da das Rennen nur zwei Checkpoints bei 42 und 100 Kilometern hat. Nur drei Monate nachdem er in tropischer Hitze den Dschungelmarathon in Brasilien gelaufen ist, stellte sich der Celler Extremsportler Mike Kraft zusammen mit seiner Frau Maren der Herausforderung des Yukon Arctic Rennens. ‚Jedes Rennen wird bekanntlich im Kopf gewonnen“, sagt der 57-jährige Kraft „Aber es gibt wenige Rennen, wo die mentale Stärke so ausschlaggebend ist, wie bei diesem Rennen.“

Trotz der Kälte durfte der Körper nicht überhitzen: „Der Schweiß wäre sonst in kürzester Zeit auf der Haut gefroren, was eine lebensgefährliche Situation hervorrufen kann“, erklärt Maren Kraft. Besonders bei dem sehr hügeligen Gelände war dies nicht immer einfach. „Oft mussten wir die Trinkflaschen mittels Feuerzeug erwärmen, da der Verschluss zugefroren war“, sagt die 42-Jährige. Der mitgezogene Schlitten wurde mehr und mehr zu einer schweren Belastung.

Gegen 6 Uhr früh, über 19 Stunden nach Rennstart, erreichten die Celler bei Kilometer 100 den zweiten Checkpoint. „Eigentlich hatten wir gehofft, dass uns das Tageslicht neue Energien gibt, nachdem wir fast 15 Stunden in Dunkelheit gelaufen sind“, berichtet Kraft, „aber das Wetter verschlechterte sich und es begann zu schneien.“ Außerdem wurde der Trail sehr uneben und der Schnee weicher, was das Vorwärtskommen zusätzlich erschwerte. Die Augenlider mussten immer bewegt werden, da sonst die Gefahr bestand, dass die Augen zufrieren. Kraft: „Einer chinesischen Läuferin sind beide Kontaktlinsen eingefroren.“

Nach 30 Stunden waren die Celler so erschöpft, dass erste Halluzinationen einsetzten. „Wir sahen Menschen auf dem Trail vor uns, Hütten und Häuser in der Ferne“, sagt Kraft, „und als wir näher kamen, war alles immer ein Trugschluss.“ Beide verloren jegliches Gefühl für Zeit und Entfernung, da der markierte Trail keinerlei Entfernungsmarker gab. „Irgendwann wussten wir nicht mehr, wo genau wir waren und wie weit das Ziel entfernt ist“, so Kraft. „Aufgrund von Erschöpfung, Kälte und der Unsicherheit über ihre genaue Lage geben Läufer oft an genau dieser Stelle das Rennen auf.“

Die Celler waren auf den letzten 60 Kilometern allein. Doch das Ziel rückte immer näher und nach über 35 Stunden überquerten beide in 6. Position und als erstes Team die Ziellinie. „Wir sind wirklich sehr zufrieden“, sagt Maren Kraft. „Mit einer solchen Platzierung und einer Zeit deutlich unter 40 Stunden haben wir nicht gerechnet.“

Beide freuen sich jetzt über eine Trainings- und Wettkampfpause, obwohl weitere Herausforderung bereits warten. So wollen sie einen Marathon auf der chinesischen Mauer laufen und im Herbst mit dem Mountainbike über das tibetanische Hochplateau fahren.