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Lokalsport Tough Guy - Durch eiskaltes Wasser und dunkle Tunnel
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18:43 01.02.2012
Von Uwe Meier
Spafl muss sein. Das Celler Team (weifle Trikots) - mit Karsten Bondzio, Stephan M‰rz, Marcel Heinig, Patrick M‰rz und Udo Bussmann (von links) posieren - vor dem Start zum Tough Guy-Race mit Mitstreitern. Quelle: Daniela Grahlher
Celle Stadt

Am Abend des Tough Guy-Race waren alle Strapazen schon fast vergessen. Gemeinsam saßen die fünf Athleten vom Team Ratzeputz aufgewärmt, frisch gebadet, rundum zufrieden und vergnügt mit ihrem zweiköpfigen Betreuerteam in der Hotelbar zusammen. Der Stolz, die Strapazen und die Schmerzen des wenige Stunden zuvor Erlebten waren heraustragendes Thema.

Von Celle aus waren sie ausgezogen, um beim schwersten Hindernislauf der Welt zu bestehen. Erfolgreich hatten sich Udo Bussmann, Patrick März, Karsten Bondzio, Marcel Heinig und Stephan März ihren Weg durch und über knöcheltiefen Matsch, Angst einflößende Hindernisse, klebrigen Lehm, stockdunkle Tunnel, eiskaltem Wasser und brennenden Strohballen gebahnt. Sie sind im Ziel angekommen. Zwar nicht als Erste aber auch nicht als Letzte der knapp 5000 Teilnehmern. Ganz davon ab war die Platzierung den Celler bei dieser wahnwitzigen Veranstaltung vollkommen egal. Jeder, der sich dieser Tortur im englischen Wolverhampton stellt und sie dann mit Ausdauer und jeder Menge Willenskraft besteht, darf sich als Sieger bezeichnen. Das Ziel was der Weg – nichts anderes.

Am Tag vor dem Rennen bei der Streckenbesichtigung beschlich den einen oder anderen schon ein mulmiges Gefühl. Die Strecke sah furchterregend aus. TÜV-Mitarbeiter dürften allein beim ersten Blick auf den Parcours nahe eines Nervenzusammenbruchs stehen. Nein – so etwas würde es in Deutschland nie und nimmer geben. In England allerdings schon. Auf der Insel machen sie sich einen Spaß daraus. So muss jeder Teilnehmer vor dem Start sein Todesurteil unterschreiben und bekommt dann auch noch eine Erkennungsmarke umgehängt. Und nach dem Start steht eine als Tod verkleidete Person auf der Strecke und klatscht die Teilnehmer ab. Ganz toll.

Den Läufern sind diese Spielchen egal. Sie schöpfen aus solchen Randerscheinungen Mut und Motivation. Mit lautem Wettkampfgeschrei wird das Abenteuer „Tough Guy“ bei vier Grad Lufttemperatur in Angriff genommen. Jeder für sich und alle zusammen.

Insbesondere die Wasserhindernisse rauben den Teilnehmern die Energie. „Man versucht, irgendwie am Wasser vorbeizukommen“, berichtet Stephan März. „Aber das klappt nicht.“ Das eiskalte Nass sorgt auf der Haut für das Gefühl tausender Stecknadelstiche. Und der Kopf droht, wenn er vom Wasser umspült wird, zu zerplatzen. Das klingt verrückt und ist es wohl auch. Doch wer sich dieser Herausforderung stellt, weiß das im Vorfeld. Das ohne Unterstützung zu überstehen, geht einfach nicht. Hilfe benötigt eigentlich jeder Teilnehmer – ob nun an den einzelnen Hindernissen oder in moralischen Art und Weise.

Letzteres hatte Patrick März auf der Strecke erfahren. Schon frühzeitig war die Celler Truppe gesprengt worden. An einem der ersten Hindernisse hatte man sich im Gewühl der Menschenmasse aus den Augen verloren. Körperlich topfit hatte der 18-Jährige sein Glück auf eigene Faust versucht. Vorerst ging für den jüngsten Teilnehmer im Feld auch alles glatt. Doch die Runden auf dem „Killing Field“ und die Kälte brachten ihn mental an seine Grenzen. Ein älterer Teilnehmer erkannte das Problem des „Youngsters“ und stand ihm, auch mit aufmunternden Worten, hilfreich zur Seite. Zusammen erreichten beide nach 2:42 Stunden das Ziel.

Die anderen Mitglieder aus dem Team Ratzeputz ließen es etwas ruhiger angehen. Nicht etwa, dass sie weniger auszustehen gehabt hätten, sie waren eben nur nicht ganz so flott unterwegs. „Das macht wohl die Wettkampferfahrung“, so Stephan März, der zusammen mit Karsten Bondzio die Hindernisstrecke bewältigte. Dabei war lange nicht klar gewesen, ob Bondzio überhaupt das Abenteuer würde angehen können. Er hatte im Vorfeld mit argen Wadenproblemen zu kämpfen. Doch Teambetreuer Sven Haubert hatte ihn rechtzeitig fit bekommen. 2:47 Minuten brauchten die beiden XXL-Extremsportler, um erschöpft und mit dampfendem Körper aber glücklich und stolz die Ziellinie zu queren.

Die dritte Celler Gruppe bestand aus Udo Bussmann und Marcel Heinig. Insbesondere für Heinig war die Herausforderung extrem hoch. Für den Weltmeister im Zehn-Tage-Triathlon war das Tough Guy etwas ganz anderes. Bei einem Triathlon sei es die „Monotonie des Wettkampfes“, die es zu besiegen gilt. In Wolverhampton war er froh, mit Bussmann einen Partner gehabt zu haben, der das Tough Guy-Race bereits einmal absolviert hat. Heinig hatte sich an den „alten Hasen rangeklemmt“, der ihn nach 3:08 Stunden bis ins Ziel zog.

Im Ziel wieder vereint, bracht erst eine lauwarme Dusche in einem Pferdestall brachte die Lebensgeister zurück. Den Rest erledigte ein Bad im Hotel.

Ob die Fünf diese Tortur noch einmal auf sich nehmen? „Zumindest hat keiner gesagt, dass er es nie wieder machen würde“, so März. Vielmehr haben sie schon einen neuen Plan. Heinig nötigte die Teampartner zu dem Versprechen, mit ihm einen Dreifach-Ironman – 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einen Marathonlauf - und das eben mal drei – zu absolvieren. Wann das allerdings sein wird, ist noch ungewiss. Erstmal genießt das Team den Stolz das Tough Guy-Race 2012 erfolgreich gemeistert zu haben.