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Lokalsport Trainer geht: Finale mit Wermut(h)s-Tropfen
Sport Sport regional Lokalsport Trainer geht: Finale mit Wermut(h)s-Tropfen
18:36 21.09.2018
Von Heiko Hartung
„Judo ist für mich passé“: Hermannsburgs Trainer-Legende Dieter Wermuth (rechts, mit seinem früheren Schützling, der Ex-Weltmeisterin Frauke Eickhoff) sagt dem fernöstlichen Kampfsport adieu. Zuvor wollen sich die Hermannsburger Judo-Damen aber den Zweitliga-Titel sichern. Quelle: Oliver Knoblich
Hermannsburg

Wahrscheinlich wird am Samstag in Hermannsburg die eine oder andere Träne verdrückt. Doch es werden nicht nur Freudentränen sein: In der Sporthalle des Christian-Gymnasiums kämpfen die Bundesliga-Frauen des TuS um die Meisterschaft in der 2. Judo-Bundesliga. Der Tabellenführer aus der Südheide empfängt zum Saisonfinale (Beginn: 15.45 Uhr) die Adler aus Bottrop und der Titeltriumph ist den Judoka aus Hermannsburg kaum noch zu nehmen. Für einen wird es aber definitiv der letzte Kampf sein: TuS-Trainer Dieter Wermuth wird im Anschluss mit einer Feier in die „Judo-Rente“ verabschiedet.

„Es ist genug, es geht körperlich nicht mehr. Ich kam als junger Mann und gehe als alter Mann“, sagt Wermuth, der seit einigen Jahren gesundheitlich angeschlagen ist. Und so könnte sich heute in den Meisterjubel ein Wermut(h)s-Tropfen mischen. Denn der 65-Jährige ist nicht irgendein Übungsleiter beim TuS, er ist eine lebende Legende.

Seit 38 Jahren ist der gebürtige Celler Judo-Trainer in Hermannsburg, betreute 25 Jahre lang das Frauen-Team in den Bundesligen. Spätere Spitzen-Judoka wie Weltmeisterin Frauke Eickhoff, Vize-Weltmeisterin Anja von Rekowski oder Europameisterin Katrin Beinroth gingen in jungen Jahren durch seine Schule. „Die Landes- und Bundestrainer mussten die vielen Diamanten nur noch schleifen, die Dieter immer wieder ausgegraben hat“, sagt TuS-Abteilungsleiter Frank Walzer. „Viele Experten sagen, er ist der beste Trainer in Niedersachsen – das würde ich unterschreiben“, meint der 50-Jährige.

Wermuth, der auch lange beim TuS Celle tätig war, gilt als harter Hund, der nichts durchgehen lässt. Sein Fokus liegt auf dem Leistungssport. „Dieter kann super motivieren und den Kampfgeist wecken. Man spürt bei ihm die Liebe zum Judo“, sagt Matthias Schmunk. Der 37-jährige frühere Deutsche Vizemeister hat als Jugendlicher fünf Jahre unter Wermuth trainiert und erzählt: „Ich war damals drei- bis viermal pro Woche zum Training in der Halle – Dieter war immer schon da. Es wird schwierig, ihn zu ersetzen.“

Als junger Mann kam Wermuth im Westfälischen mit Judo in Kontakt. Diese Leidenschaft ließ den gelernten Schuhmacher, der immer nur nebenberuflich Trainer war, nie mehr los. „Ich war immer für meine Leute da – sogar in meiner Hochzeitsnacht“, blickt Wermuth zurück. „Nach der Feier bin ich um 5 Uhr morgens aus dem Zimmer geschlichen und mit meiner Mannschaft zur Deutschen Meisterschaft gefahren. Meine Frau Waltraut hat sich ganz schön gewundert, als sie später aufgewacht ist.“ Dabei war Wermuth nie ein „Laptop-Trainer“, wie man heute sagen würde. „Ich habe zu Hause 1000 Judo-Lehrbücher. Gelesen habe ich kaum eines. Beim Durchblättern dachte ich immer: Das weißt du schon.“ Im Zweifel entscheidet das Bauchgefühl.

Und so wird es auch heute im Ligafinale gegen den Zweitplatzierten sein: Die Ausgangslage spricht für Hermannsburg. Das Frauen-Team um Wermuth kann gelassen in die Begegnung gehen, bei zwei Punkten Vorsprung würde sogar eine 3:4-Niederlage gegen Bottrop für den Aufstieg reichen. Allerdings fehlt TuS mit der Niederländerin Yvonne Odink eine Leistungsträgerin verletzt. „Auch wenn Bottrop vermutlich mit einer starken Truppe anreisen wird: Miriam Garmatter, Paula Borgonje oder Imke Schumann sind normalerweise eine Bank. Und auch die anderen sind immer für einen Sieg gut. Wir werden die nötigen Punkte holen“, ist sich Wermuth sicher.

Nicht sicher ist allerdings, ob Hermannsburg im Erfolgsfall den Aufstieg auch wahrnehmen würde – nicht nur weil plötzlich der Trainer fehlt, denn ein Nachfolger ist nicht in Sicht: „In der 1. Liga gibt es Hin- und Rückkämpfe, da braucht man einen größeren Kader und mehr Geld“, sagt Abteilungsleiter Walzer. „Aber die Mannschaft will trotzdem zusammenbleiben, egal in welcher Liga.“ Bei einem Verzicht ginge es runter in die Landesliga. „In der Klasse würden meine Mädels auch ohne Trainer locker zurechtkommen“, sagt Wermuth und fügt an. „Zur Not bin ich im Hintergrund ja immer erreichbar.“

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