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Lokalsport Von bösen Energien befreit: Steine zertrümmern als Höhepunkt
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15:48 16.11.2010
Von Christoph Zimmer
Budo-Show in Celle Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

In der Burghalle wird man von fünf, sechs, sieben, vielen Männern empfangen, die ganz in schwarz gekleidet und von Freihanteln aufgepumpt sind, böse gucken. Sie sollen für die Sicherheit sorgen, aber Sicherheit braucht es an diesem nasskalten Sonntagnachmittag nicht, auch wenn sich alles um fernöstliche Kampfkünste dreht. Die letzten der knapp vierhundert Besucher werden von Frauen, ebenfalls ganz in schwarz, aber mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen, zu den letzten freien Stühlen begleitet, die nur wenige Meter von den Sportlern entfernt auf dem Hallenboden stehen. Die voll besetzte Tribüne bietet längst keinen Platz mehr, als die Budo-Show von MTV Eintracht Celle mit einem glücksbringenden Ritual beginnt.

Die Löwentanzgruppe Tam Minh wird von lauten Trommelschlägen begleitet. Sie sollen das Gebrüll der Tiere, die eigentlich bunte Kostüme sind und unter denen sich ausgesprochen bewegliche Menschen aus dem buddhistischen Kloster der vollkommenen Erleuchtung in Hannover befinden, verdeutlichen. Der traditionelle Tanz der chinesischen Musik soll von bösen Energien befreien, die Geister in Angst versetzen – was beinahe ausnahmslos gelingt, denn nur die Männer in schwarz sehen noch immer finster aus.

Ihre Gesichtszüge entspannen sich erst und verwandeln sich für einen Augenblick sogar in ein mildes Lächeln, als der Nachwuchs der Budokan-Abteilung von Organisator und Budo-Meister Metin Bagiran die Matte betritt, die Hände vor dem Körper verschränkt, sich verneigt, und alle erlernten Formen der Selbstverteidigung vorführt, ohne den anderen dabei zu berühren.

Die einzige Ausnahme: der Schulterwurf. Den beherrscht Diana Doll, 8 Jahre alt, schon im Schlaf. „Ich wollte schon immer Kampfsport machen“, sagt sie schüchtern in ihrem schwarzen Anzug, der von dem ersten roten Gürtel festgehalten wird. „Die Schläge und Tritt machen mir am meisten Spaß, aber natürlich nur, um mich zu schützen.“

Als die älteren mit den Bruchtests anfangen und zwei Zentimeter dicke Holzbretter wahlweise mit den Händen oder Füßen zerschlagen, muss sie noch zuschauen. Das will sie aber nicht mehr lange. „Wenn ich alt und gut genug bin, will ich das auch machen“, sagt sie mit einem vorfreudigen Funkeln in den Augen.

Besonders groß werden ihre Augen, als Budo-Meister Bagiran zu seinem Bruchtest ansetzt, dem Höhepunkt der Veranstaltung. Er hat sich dreizehn Leichtbetonsteine zurechtlegen lassen, die alle fünf Zentimeter dick sind und die er mit einer koreanischen Technik durchschlagen möchte – mit der rechten Daumen-Innenseite. Alle bis auf einen sind durch, den hebt er hoch und zerschlägt ihn in der Luft.

Sieht schmerzhaft aus, ist es aber nicht. „Mit der richtigen Technik kannst du dich nicht verletzen“, sagt Bagiran. Die rechte Hand kühlt er dennoch. Eine Vorsichtsmaßnahme. „Damit die Hand nicht so sehr anschwillt.“

Dann zieht er seinen roten Anzug aus, legt den schwarzen Gürtel an die Seite und genießt die restlichen Auftritte aus allen Bereichen der fernöstlichen Kampfkunst als Zuschauer. Und er spricht am Ende zu Recht von einer „großartigen Veranstaltung“, die es in ähnlicher Form bald wieder geben soll.