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Lokalsport „Wölfe“-Manager: Söldnertruppen sind gefährlich
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16:26 16.11.2018
Von Christian Link
Unternehmer Albert Ehlers (rechts) und Schulleiter Michael Zilk (links) heißen VfL-Wolfsburg-Geschäftsführer Michael Meeske (Mitte) in der Mensa des Hermannsburger Christian- Gymnasiums willkommen. Quelle: Christian Link
Hermannsburg

Über 20 Jahre spielt der VfL Wolfsburg schon in der ersten Bundesliga. Trotzdem stehen viele Fußballfans dem vermeintlichen "Retortenclub" immer noch ablehnend gegenüber. Der Vorwurf: Zu viel Geld von VW, zu wenig Fans. Doch der neue Geschäftsführer der "Wölfe" könnte einige Kritiker versöhnen. Denn Michael Meeske ist ein ganz bodenständiger Typ und ein echter Fußballfan, wie er am Donnerstagabend bei einem Besuch in Hermannsburg zeigte.

Erst seit zwei Wochen ist Meeske bei Wolfsburg im Amt und hantiert dort mit mehrstelligen Millionenbeträgen. "Ich bin für alle Themen verantwortlich, bei denen Geld verdient wird", beschreibt der 47-Jährige seine Aufgabe beim VfL. Geschätzt 190 Millionen Euro beträgt der Umsatz der "Wölfe". Doch trotzdem folgte Meeske der Einladung des Unternehmerverbands Südheide. Mit einem Glas alkoholfreiem Wein setzte er sich in die erste Reihe in der Mensa des Christian-Gymnasiums, verfolgte anderthalb Stunden lang das Konzert des Chors "Frollain Wunder" und gab Einblicke in die Welt des Profifußballs.

"Als Kind wollte ich auch Fußballprofi werden", erzählte Meeske den etwa 50 Geschäftsleuten aus dem Unternehmerverband Südheide. Doch dazu habe es nicht gereicht. "Du brauchst den Körper, das Talent und die intrinsische Motivation – also eine Begeisterung für das Spiel und den Willen zu gewinnen."

In jedem Jahrgang gebe es 200.000 Nachwuchsfußballer, rechnete Meeske vor. Jeder Bundesliga-Club habe in jeder Altersklasse aber nur einen Kader mit 25 Spielern. Selbst aus der A-Jugend würden im Schnitt nur drei Spieler den Sprung in die erste Bundesliga schaffen. 5 bis 8 Spieler kämen anschließend in der zweiten Liga unter. "Der Rest spielt 3. Liga und abwärts", so Meeske.

Profis werden immer langweiliger

Nach der Profikarriere hätten viele Fußballer zwar einen dicken Batzen Geld auf dem Konto, aber keinen Plan. "Bei vielen fehlt leider die nachfolgende Idee: Was mache ich danach?", sagte Meeske. Doch weil der ganze Fußballbetrieb immer professioneller wird, gebe es heute keine wirtschaftlichen Totalschäden mehr. Unter den stromlinienförmig ausgebildeten Spieler seien aber auch immer weniger echte Typen. "Das mag manchmal ein bisschen langweilig rüber kommen", meinte Meeske und fügte bedauernd hinzu: "Einen Mario Basler, der in der Halbzeit ein Weizenbier in der Hand hält, gibt es heute nicht mehr."

Auch die Rolle der Trainer habe sich grundlegend geändert. "Früher waren das Tausendsassa, die alles können mussten. Heute ist die zentrale Aufgabe, das soziale Gebilde rund um die Profis zu führen", berichtete der VfL-Geschäftsführer: "Schließlich ist das ein Ensemble von 25 Leuten, von denen einige denken: Ich bin ja sonstwas."

Söldnertruppe hilft im Abstiegskampf nicht

So ein Kader sie ein fragiles Gebilde und eine "Söldnertruppe" in schwierigen Zeiten ein absolutes Risiko. Meeske: "Wenn man mit denen in den Abstiegskampf gerät, wird es ganz schwer." Deswegen müsse in der Regel immer der Trainer den Kopf hinhalten: "Die Mannschaft kannste nicht austauschen, wenn sie nicht performen, weil das Transferfenster geschlossen ist. Aber wenn die Spieler nicht mehr an den Trainer glauben, brauchst du den da nicht mehr hinstellen."

In der Regel sitzen die Spieler gegenüber dem Verein auch am längeren Hebel. "Eine Trainingsgruppe 2 ist rechtlich gar nicht so leicht möglich, wie man in der Zeitung liest", sagte Meeske. Viele Profis hätten sich die "Cheftrainerbehandlung" vertraglich zusichern lassen – oder etwa die Klausel, dass sie auf dem Lizenzspielerparkplatz parken dürfen.

"Teilweise ist es schon etwas absurd, dass Spieler mit einem Durchschnittsgehalt von 1,6 Millionen Euro pro Jahr so problemlos das Arbeitsrecht bemühen können", sagte Meeske. Gegenüber Leistungsverweigerern seien die Clubs deshalb oft machtlos: "Wenn ein Spieler ein halbes Jahr vor Vertragsende das Spielen einstellt, kann man relativ wenig machen."