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Sport überregional Pfiffe trotz Finaleinzugs: Emotionaler Erfolg für Zverev
Sport Sport überregional Pfiffe trotz Finaleinzugs: Emotionaler Erfolg für Zverev
22:41 17.11.2018
Steht in London im Finale: Alexander Zverev. Foto: John Walton/PA Wire Quelle: JOHN WALTON
LONDON

London (dpa) - Nach dem bislang größten Erfolg seiner Karriere wurde Alexander Zverev auf einmal ausgepfiffen.

Weil es bei seinem völlig überraschenden Halbfinal-Sieg bei der ATP-WM gegen Roger Federer im Tiebreak des zweiten Satzes eine umstrittene Situation gab, ließen einige Zuschauer in London nach der Partie ihrem Unmut freien Lauf, als Zverev nach dem 7:5, 7:6 (7:5) auf dem Court interviewt wurde. So konnte sich Deutschlands Nummer eins am Samstag über seinen Coup zunächst gar nicht richtig freuen.

Dabei steht er als erster Deutscher seit Boris Becker vor 22 Jahren beim Abschluss der Tennis-Saison im Endspiel. Dort trifft er am Sonntag (19.00 Uhr) auf den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic, der dem Südafrikaner Kevin Anderson beim 6:2, 6:2 keine Chance ließ. In der Gruppenphase hatte Zverev glatt in zwei Sätzen gegen den Serben verloren.

«Natürlich war es ein sehr glücklicher Moment für mich nach dem Spiel», sagte Zverev, «auf der anderen Seite war es aber auch ein bisschen traurig, weil die Zuschauer gepfiffen haben.» Was war passiert? Weil ein Balljunge mitten im Ballwechsel den Ball fallen ließ, reklamierte Zverev zurecht, so dass der Punkt wiederholt werden musste. Federer beschwerte sich beim Schiedsrichter, doch die Entscheidung war korrekt. Wenig später machte Zverev die Überraschung perfekt.

Eine Reihe von Zuschauern, die mehrheitlich Federer unterstützt hatten, pfiff Zverev daraufhin beim Siegerinterview aus. Doch die deutsche Nummer eins löste die Situation auf dem Platz erstaunlich souverän. «Es tut mir leid, ich wollte keinen enttäuschen hier», sagte Zverev. «So sind nun einmal die Regeln und Roger hat meine Entschuldigung am Netz auch bereits angenommen.»

Federer zeigte sich nach der Niederlage zwar enttäuscht. Ein unsportliches Verhalten wollte er Zverev aber auf keinen Fall attestieren. «Nein, überhaupt nicht, alles in Ordnung. Ob man den Ballwechsel unterbrechen muss, weiß ich nicht. Aber Pfiffe haben beim Tennis absolut nichts zu suchen.» Auch beim US-Open-Finale zwischen Serena Williams und Naomi Osaka hatte es im September Pfiffe gegen die japanische Siegerin gegeben.

Becker hatte 1996 in Frankfurt am Main im Finale der ATP-WM gegen Pete Sampras aus den USA verloren. Im Jahr zuvor hatte das deutsche Tennis-Idol das prestigeträchtige Event als bislang letzter Deutscher gewonnen. Federer muss nach der Niederlage weiter auf den 100. Titel seiner eindrucksvollen Karriere warten.

Zverev zeigte im sechsten Duell mit seinem Idol von Beginn an eine hochkonzentrierte Leistung. Wie schon im entscheidenden Vorrunden-Spiel gegen den Amerikaner John Isner am Freitag schlug die deutsche Nummer eins sehr gut auf und ließ im ersten Durchgang keinen Breakball zu. Da auch Federer zunächst keine Probleme beim eigenen Service hatte, lief alles auf eine Entscheidung im Tiebreak hinaus. Doch dann schlug Zverev zu und nahm dem Schweizer zu Null den Aufschlag zum Satzgewinn ab.

Zu Beginn des zweiten Abschnitts ließ die Konzentration bei Zverev ein bisschen nach. Federer nutzte das sofort und schaffte das Break zum 2:1. Doch Zverev haderte nicht, sondern blieb fokussiert und schaffte postwendend das Re-Break. Danach schlugen beide weiter gut auf, so dass es in den Tiebreak ging. Dort behielt Zverev trotz der kniffligen Situation die Nerven und schaffte die kleine Sensation.

Von dpa Von Lars Reinefeld

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