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Alte Fotos erzählen 113: Wo einst noch an Automaten eingekauft werden konnte
Thema Alte Fotos erzählen 113: Wo einst noch an Automaten eingekauft werden konnte
15:42 07.05.2015
Von Christopher Menge
Celle Stadt

An ein solches Gerät erinnert sich Helga Alschner (Jahrgang 1951) bis heute. „Eine Geschichte habe ich nie vergessen – auf Geburtstagen habe ich sie immer wieder erzählt“, sagt die Frau lachend, „in dem Textilgeschäft vor dem Hotel Borchert an der Bahnhofstraße stand der Strumpfautomat, der in der CZ vom vergangenen Samstag zu sehen war.“ Als die kleine Helga Alschner eines Tages auf ihren Vater wartete, spielte sie aus Langeweile an den Knöpfen des Automaten herum – und plötzlich fielen fünf DM heraus. „So ein Schatz“, sagt Helga Alschner, die auf dem Rückweg ein schlechtes Gewissen plagte, da ihr Vater immer gesagt hatte, dass man etwas zurückgeben müsse, wenn man es gefunden hat. Aber sie behielt das Geldstück in ihrer Tasche, sodass sie sich in den nächsten Tagen immer die geliebten Himbeerbonbons am Kiosk am Bahnhof kaufen konnte.

„Von der letzten Mark bin ich dann zusammen mit meinem Bruder ins Kino gegangen“, erzählt Helga Alschner, die sich auch noch an einem Blumenautomat des Geschäftes Wiechmann an der Bahnhofstraße erinnern kann. „Dort haben wir immer Blumen geholt, bevor wir meine Tante besucht haben“, so Helga Alschner. Bei diesem Gerät handelt es sich aber wohl nicht um den Automaten, der in der CZ zu sehen war. Denn dieser stand im Laden von Erich Voigt an der Ecke Westcellertorstraße/Südwall – da ist sich Holger Fröchternicht sicher. „Das habe ich gleich an der Stufe unten links im Bild erkannt“, sagt er, „meine Mutter hat dort von 1955 bis 57 gearbeitet. Manchmal musste sie sonntags die Fächer auffülen.“ In diesen gab es verschiedene Sträuße mit unterschiedlichen Preisen. „Die Frau auf dem Bild könnte die Gattin von Erich Voigt gewesen sein“, sagt Holger Fröchternicht. Voigts Sohn Alexander habe das Geschäft später zunächst übernommen und dann weitergegeben. Der Pavillon neben der Stadtbibliothek stand noch bis vor einigen Jahren.

Die Eltern von Annemarie Leithäuser (1947) betrieben die Gärtnerei Kohlberg am Torplatz und bestückten Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jahre zwei Blumen-Automaten. „Einer stand an der Unterführung an der Bahnhofstraße und einer am Krankenhaus“, erzählt Annemarie Leithäuser. Allerdings habe es öfter Probleme gegeben. „Geldstücke sind steckengeblieben oder im Winter sind Blumen erfroren“, erzählt Annemarie Leithäuser.

Vera Götze (1932) betrieb von 1961 bis 66 einen Edeka-Laden neben einem Tapetengeschäft an der Bahnhofstraße. „Aufgrund der strengen Öffnungszeiten hatten wir auch einige Automaten im Schaufenster stehen. Wir hatten ja viel Laufkundschaft“, erzählt Vera Götze. Gebäck, Süßigkeiten und Obst gab es dort auch nach Feierabend zu kaufen. „Die Preise lagen zwischen 50 Pfennig und 2 DM“, erinnert sich Vera Götze. Manchen war das aber scheinbar zu viel – an den Wochenenden wurden hin und wieder die Fensterscheiben eingeschlagen und Sachen entwendet. Nach einiger Zeit nahm das Interesse an den Automaten aber ohnehin ab, und so verschwanden sie nach und nach aus dem Celler Stadtbild.