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Alte Fotos erzählen 12: Alte Fotos erzählen: Spinnhütten-Mitarbeiter gärtnern
Thema Alte Fotos erzählen 12: Alte Fotos erzählen: Spinnhütten-Mitarbeiter gärtnern
23:58 07.08.2018
Von Andreas Babel
alte Postkarten von Celle Quelle: Peter Müller
Celle

Heinz Hansel, in Celle eigentlich nur als „Opa Hansel“ bekanntes Fußball-Original, hat von 1951 bis 1996 in der Spinnhütte gearbeitet. „In der zweiten Laube von unten bin ich groß geworden“, sagt der einstige Stürmerstar (77) zu dem Foto, das wir am 6.April in der CZ veröffentlicht hatten. Auf der etwa 30 mal 8 Meter großen Parzelle wurde fast ausschließlich Gemüse angebaut. In den ungefähr 1,50 mal 2 Meter großen Lauben waren lediglich Gartengerätschaften untergebracht. Bis 1969 baute die Familie hier für den Eigenbedarf an. Es gab auch Gärtner, die ihre Feldfrüchte auf Wochenmärkten verkauften.

So machten es auch die Eltern der heute 87-jährigen Ingeborg Krumbiegel. Ihnen gehörte das gesamte Gelände, auf dem heute das Finanzamt und das Fitness-Center „Health City“ stehen. Ingeborg Krumbiegels Mutter stammte aus einem großen Gemüseanbaubetrieb in Bardowick und ihr Vater wurde als Polizist wegen einer Erkrankung frühzeitig pensioniert. Also beackerten die beiden 10 bis 15 Jahre lang ihre riesige Parzelle und verkauften ihre Waren auf einem Stand, der auf dem Brandplatz aufgebaut wurde.

Die Spinnhütte habe das große Areal ihren Eltern abgekauft. „Ich glaube für 40.000 Mark“, erinnert sich Ingeborg Krumbiegel. Man habe ihren Eltern gesagt, dass die Stadt Celle ein Vorkaufsrecht für dieses Gelände habe, also eine Art Enteignung drohe.

Neben den Gärten in privater Hand pflanzte die Gärtnerei Hundertmark auf dem Areal vor allem Erdbeeren an. Hubertus Hundertmark (48) erinnert sich, wie er als Kind mitfahren durfte, wenn der kleine Trecker auf dem Gelände herumtuckerte.

Horst Kuhlendahl (Jahrgang 1939) weiß, dass sein Großvater mindestens von 1948 bis 1953 einen Garten dort hatte. Großvater Fritz und Vater Alexander seien als Färber- beziehungsweise Druckermeister bei der Spinnhütte beschäftigt gewesen. Im Garten des Großvaters, der im Alter von 88 Jahren gestorben ist, sind unter anderem Beeren, Kartoffeln und Bohnen angepflanzt worden. Horst Kuhlendahl hat seinem Großvater beim Unkraut-Jäten geholfen.

Annemarie Blazek (Jahrgang 1930) erinnert sich gerne daran, wie sie als Kind Ball oder Verstecken in den Gärten gespielt hat. „Es hat keiner mit uns gemeckert, wir waren aber auch keine Rabauken“, sagt Blazek. An ihren 15. Geburtstag am 8. April 1945 erinnert sich die langjährige CZ-Zustellerin mit Grausen. Ihr Vater, der auf dem Fliegerhorst gearbeitet hatte, habe gedacht, dass seine Familie in Spinnhütten-Nähe in Gefahr sei. Und seine Familie, die sich tatsächlich während der Bombenangriffe dort aufhielt, dachte mit Schrecken daran, dass der Vater auf dem Fliegerhorst in Gefahr sei. Umso glücklicher schlossen sie sich nach dem Bombenangriff, der dem Bahnhofsviertel gegolten hatte, in die Arme.

Liselotte Bierschwale, geborene Bock (Jahrgang 1950) ist in ihren ersten Lebensjahren in der Gartenkolonie aufgewachsen. Ihre Eltern, die aus Oberschlesien stammten, bewohnten ein Häuschen mit wenigen Zimmern. „Für mich als Kind war es hier sehr schön, wir haben viel gespielt, viele Freiheiten gehabt und sind auf die Bäume geklettert“, erinnert sie sich. Im Garten wurde alles Mögliche angepflanzt, nur die schwarzen Johannisbeeren habe sie als Kind nicht gegessen. „Die wuchsen nämlich neben dem Toilettenhäuschen und deshalb habe ich gemeint, dass die furchtbar schmecken“, sagt Bierschwale. (ab)