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Alte Fotos erzählen 13: Wer weiß etwas von Celler Lederfabrik?
Thema Alte Fotos erzählen 13: Wer weiß etwas von Celler Lederfabrik?
11:42 12.05.2015
Von Andreas Babel
Irgendwann im Zeitraum zwischen 1950 und 1953 ist dieses Foto vor den Gebäuden der Lederfabrik an der Wehlstraße entstanden. - Albert Gottschalk, der zu dieser Zeit hier zur Lehre ging, fragt, wer sich wohl noch erkennt. Quelle: Sammlung Albert Gottschalk
Celle Stadt

Wir blicken in die Gesichter „richtiger“ Arbeiter. Sie haben Aufstellung genommen vor einer ausgedehnten Fabrik-Anlage, die auf den Unternehmer August Wehl zurückgeht. Er gründete im Jahr 1849 sein Unternehmen im ehemaligen Wildgarten. „Kaum jemand weiß heute noch, dass einst mitten in der Stadt eine große Lederfabrik stand“, sagt Albert Gottschalk (Jahrgang 1935). Er hat hier an der Wehlstraße von 1950 bis 1953 das Gerber-Handwerk erlernt. Irgendwann in dieser Zeit muss das Foto entstanden sein, auf dem er selbst indes nicht abgebildet ist – er hatte an dem Tag der Aufnahme Unterricht in der Berufsschule. Zu dieser Zeit hatten die ehemaligen „Wehlschen Lederfabriken“, die von 1932 bis 1960 „Lederfabrik Hermann Kluge“ hießen, rund 100 Mitarbeiter, schätzt der Vorwerker Gottschalk.

Ab 1961 wurden die Fabrikgebäude an der Wehlstraße auf dem Gelände des ehemaligen Wildgartens zunächst als Lager der Möbelfirma Wallach genutzt, dann als Auslieferungslager der Firma Kepa. 1978 wurden die einstigen Fabrikgebäude abgerissen. Heute steht hier eine riesige Wohnanlage, die zwischen „Im Kreise“, dem „Italienischen Garten“ und dem „Französischen Garten“ liegt.

Neben seinem Großvater ist auch Altgeselle „Opa Voigt“ auf dem Bild zu sehen. „Der wollte Gott zeigen, wie lange er arbeiten kann“, sagt Gottschalk, denn er war schon über 70, als er den damals jungen Mann unter seine Fittiche nahm. Überliefert ist folgende Geschichte von „Opa Voigt“, die er selbst zum Besten gab: Als er ein Jüngling gewesen ist, hatte er einmal eine Liebste in Braunschweig. Die habe er dann schon mal zu Fuß an einem Sonntag besucht, um mit ihr gemeinsam zum Gottesdienst zu gehen. Er habe sich stets rechtzeitig wieder auf den Rückweg machen müssen, denn schließlich musste er am Montag wieder Schuh-, Taschen- oder Treibriemenleder herstellen. Denn zurück ging es natürlich auch zu Fuß.