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Alte Fotos erzählen 148: Erinnerungen an Lehrküche der Altstädter Schule in Celle
Thema Alte Fotos erzählen 148: Erinnerungen an Lehrküche der Altstädter Schule in Celle
17:57 06.01.2017
Von Christopher Menge
Quelle: Sammlung Wulf Haack
Celle Stadt

Und es gab auch eine Belohnung: „In einer Ecke stand ein Teller, der mit einem Geschirrtuch abgedeckt war“, erinnert sich Röling, „da waren 20 Pfannkuchen versteckt.“ Der Zeitzeuge durfte diese – sehr zur Freude seiner Eltern – mit nach Hause nehmen. Am nächsten Tag erhielt er von Rektor Moldenhauer außerdem noch eine Mark als Dank.

Margarete Meye, geborene Link, (Jahrgang 1924) besuchte die Altstädter Schule von 1931 bis 39. „Im letzten Jahr hatte ich Kochen“, erzählt die Seniorin. Allerdings habe sie das Kochen hauptsächlich bei ihrer Mutter gelernt. „Ich hatte drei Brüder und musste immer in der Küche helfen“, erzählt Margarete Meye, die sich noch an einen kleinen Garten hinter der Schule erinnert, den die Schüler bewirtschaften mussten. Kräuter und Gemüse wurden dort angepflanzt, später wurde damit gekocht.

Auch Jutta Bock (Jahrgang 1948) sagt, dass sie Kochen in erster Linie bei ihrer Mutter gelernt hat. Sie besuchte die Waldwegschule, ab der fünften Klasse fuhr sie mit dem Fahrrad zum Kochunterricht in der Altstädter Schule. „Was wir da zusammengekocht haben, hat mir nie so geschmeckt“, erzählt sie. An einer Küchenzeile hätten immer vier Mädchen zusammen gekocht. „Eine Schülerin wurde immer zur Küchenmutter ernannt“, sagt die Zeitzeugin, „die musste hinterher alles nachzählen und war verantwortlich, dass alles sauber war.“

Irmgard Stadtmann (Jahrgang 1923) hatte sich bereits in einem älteren CZ-Serienteil im Jahr 2013 zum Kochunterricht geäußert. Sie besuchte zwar die Neustädter Schule, hat aber im Schuljahr 1935/36 einmal pro Woche Kochunterricht an der Altstädter Schule mehr oder weniger genossen. „Es gab noch keinen Kühlschrank. Die Töpfe, die wir kühlen wollten, haben wir im Winter in einen Schneehaufen auf dem Schulhof gestellt“, erinnerte sich die Cellerin.

Als sie einmal Kartoffelsalat und Pfannkuchen zusammen essen sollte, weigerte sie sich und würgte die Gerichte hintereinander herunter. „Die Lehrerin stand hinter mir. Es gab kein Entrinnen. Das war ziemlich diktatorisch damals, man musste gehorchen, wenn man keine 5 oder 6 haben wollte“, sagte sie.

Wulf Haack, der erklärter Fan des einst auch in Celle tätigen Bauhaus-nahen Architekten Otto Haesler ist, hatte im August des vergangenen Jahres durch Zufall zwei riesige Aluminiumschütten aus den 1920er Jahren auf einem Flohmarkt gefunden, die aus der Lehrküche stammen. „Mit einer Lehrküche in einer Volksschule dürfte Haesler Neuland beschritten haben“, so Haack, der aus den Erinnerungen des Architekten zitiert: „Besondere Sorgfalt legte ich auf die Ausbildung der Lehrküche ... zwanzig Schülerinnen wurden in fünf Kochgemeinschaften zu je vier Schülerinnen aufgeteilt, also musste ich fünf in sich abgeschlossene und arbeitsfähige Küchenstellen schaffen. Innerhalb der Kochstellen ergab sich die Anordnung: Zuerst der Kochherd – ein Gasherd und einer für das elektrische Kochen – anschließend der Arbeitstisch mit Gemüseabfallrinne, dann die Spüle mit dem Tellerabtropfbord, Warmwasserbereiter und abschließend der Geschirr- und Topfschrank.“ Außer den beiden Schütten ist von der Küche vermutlich nichts mehr erhalten.