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Alte Fotos erzählen 23: Erinnerungen an Fuhsebad
Thema Alte Fotos erzählen 23: Erinnerungen an Fuhsebad
00:58 08.08.2018
Von Christopher Menge
Celle Stadt

Auf den Schwimmunterricht bei Fräulein Moldenhauer hatte Hänschen Röling keine Lust – viel interessanter war es doch, einem Mann bei seinen Sprüngen ins Wasser des Fuhsebades zu beobachten. „Doch dann wurde ich von einem Rüpel ins Wasser gestoßen“, erinnert sich der heute 72-Jährige, „ich konnte nicht schwimmen und schrie um Hilfe.“ Bademeister Niklas rettete den Sprößling und verpasste dem Übeltäter eine Ohrfeige. Die bekam allerdings auch Röling – von seiner Lehrerin, schließlich hatte er den Schwimmunterricht geschwänzt.

Wie Röling haben einige Celler noch viele Erinnerungen an das Badevergnügen an der Fuhse. Gundula Glaser (Jahrgang 1939) lernte dort an der „Angel“ schwimmen. „Man war immer ziemlich dreckig, als man aus dem Wasser kam“, erinnert sich Glaser, „trotzdem hatte ich jede Saison eine Jahreskarte.“ Sie schwamm von einer Brücke zur anderen oder ging über die glitschigen Bretter am Rand. An die Umkleidkabinen hat sie keine guten Erinnerungen. „In den Wänden waren Löcher“, sagt Glaser, „das war für uns Mädchen fürchterlich.“

Marlene Dehning (Jahrgang 1941) fand das ganze Bad „scheußlich“. „Wenn man aus dem Wasser kam, hatte man fünf bis sieben Blutegel am Körper“, so Dehning, „aber wir hatten ja kein besseres Bad – das gute hatten die Engländer.“ Die Besatzungsmacht hatte sich das Sportbecken gesichert. „Da gab es sauberes Wasser, aber das konnten wir nur vom Sprungturm sehen“, sagt Glaser.

Röling guckte dagegen gerne über die Mauer. „Es sprach sich schnell rum, dass die englischen Frauen meistens ohne Badeanzug badeten“, sagt er, „das war was für uns Jungen und lustig zuzuschauen.“ Ende der 1940er Jahre wurde das „große Bad“ dann für ein bis zwei Tage auch für die Deutschen geöffnet, daran erinnern sich Dagmar-Raeke-Kopmann (Jahrgang 1935) und Peter Selinger (Jahrgang 1943). Raeke-Kopmann war mit ihrer Freundin jeden Morgen vor der Schule in die Fuhse gesprungen. Selinger war mit vier Jahren in das Gebäude neben dem Bad gezogen.

„Abends bin ich aus meinem Schlafzimmer ins Schwimmbad, als meine Eltern dachten, dass ich schlafe“, sagt Selinger. Freien Eintritt hatte er allerdings auch, wenn das Bad geöffnet war. „Ich habe jeden Abend Müll gesammelt und durfte dann umsonst rein“, sagt Selinger.

Da die Fuhse fließender Fluß ist, wurde das Wasser mit Hilfe von zwei Wehren gestaut. Abends wurde dann die Schleuse aufgemacht. Daran erinnert sich Peter Lampe (Jahrgang 1941) besonders. „Ins Becken kam dann alles, was sich davor gestaut hatte – neben Ästen auch mal ein totes Schwein oder eine tote Kuh“, sagt Lampe. Schwimmen lernte Lampe, der heute in Unterlüß wohnt, durch Schauspielerei, weil er die Mädchen auf der Brücke beeindrucken wollte. „Mit einem Bein standen wir auf einem Holz und taten so, als ob wir schwimmen“, sagt Lampe.

Später schwamm er beim Celler Schwimmclub und wurde von Helmut Hörstmann trainiert. „Ab 19 Uhr durften wir ins Bad der Engländer“, erinnert sich Lampe. Bärbel Hahn (Jahrgang 1934) wurde bei gutem Wetter jeden Morgen von seinem Vater beim Fuhsebad abgesetzt. Nachdem sie Schwimmen zunächst an der „Angel“ lernte, machte sie danach wie viele andere Celle Bekanntschaft mit den Schwimmkorken. Neben den Brettern an beiden Seiten der Fuhse, auf denen man sitzen konnte, erinnert sich Hahn auch noch einen Brunnen, aus dem man das heraussprudelnde Wasser trinken konnte. „Auf dem Rasen lagen manche Leute mit einem Gramophone und hörten Musik“, sagt Hahn.

Unter erschwerten Bedingungen legte Arnold Linke (Jahrgang 1930) im Fuhsebad den Grundschein der Deutschen Gesellschaft für Lebensrettung ab. „Kurz vor der letzten Prüfung habe ich mir mit einer Axt auf den Finger gehauen“, erzählt Linke, „mit einem Gummihandschuh habe ich dann die Prüfung gemacht.“ Das Schwimmen erlernten auch Hans-Herbert Encke (Jahrgang 1943) und Karin Graband (Jahrgang 1942), die sich beide vor den Blutegeln ekelten, im Fuhsebad. „Ich habe es mir selbst beigebracht“, erinnert sich Graband, „die Holztreppen war immer sehr glitschig.“

Winfried Jakob (Jahrgang 1938) begann seine Schwimmausbildung im Fuhsebad, vollendete sie aber im großen Becken, nachdem die Engländer das Bad freigegeben hatten. Ursula Meinusch (Jahrgang 1934) lief in den Jahren 1943/44 einmal pro Woche von Vorwerk zum Fuhsebad. „Das war kein Vergnügen, das war harter Sport“, sagt Meinusch. Rudolf Peterson (Jahrgang 1931) erinnert sich daran, dass das Wasser „immer lausig kalt“ war, aber in der NS-Zeit hätte jeder einen Schwimmpass haben müssen.

Karl-Heinz Heitmann (Jahrgang 1936) sparte sich gerne den Eintritt. „Ich habe mich über die Schleuse gehangelt oder bin über den Zaun geklettert“, gibt Heitmann zu. So kam er wie viele weitere Celler zu zu seinem Badevergnügen im Fuhsebad.