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Alte Fotos erzählen 24: Erinnerungen an Berkefeld an der Wittinger Straße
Thema Alte Fotos erzählen 24: Erinnerungen an Berkefeld an der Wittinger Straße
23:55 07.08.2018
Von Christopher Menge
Das Firmengelände von Berkefeld an der Wittinger Straße um 1930. Die Postblocks, die später am rechten unteren Bildrand gebaut wurden, standen damals noch nicht. Quelle: Sammlung Ernst-Hermann Meyer
Celle Stadt

Wenn Rolf Bessel auf seiner Terrasse in Bostel sitzt und durch den selbstgebauten Stereo-Betrachter seines Vaters guckt, kommen Erinnerungen hoch. Seine Kindheit verbrachte der heute 70-Jährige auf dem Gelände von Berkefeld an der Wittinger Straße. Auf dem Apparat sind Fotos zu sehen, wie es damals beim Filter-Bauer aussah. „Ich hatte dort eine bombige Kindheit“, sagt Rolf Bessel, der Sohn von August Bessel, der später Meister bei Berkefeld war.

Die Bessels wohnten direkt neben der Praxis von Dr. Herbert Sostmann, der Frauenarzt und Chef des Berkefeld-Unternehmens war. „Dr. Sostmann war immer mit einem riesigen Schäferhund auf dem Firmengelände unterwegs“, erinnert sich Manfred Katt (Jahrgang 1941), der insgesamt 36 Jahre bei Berkefeld arbeitete. „Er war immer da, wenn man ein Anliegen hatte“, lobt Katt. Ernst-Hermann Meyer (Jahrgang 1941) erinnert sich an die Humanität von Sostmann. „Als ich mal mein Portmonee mit meiner Fahrkarte und 30 DM verloren habe, durfte ich mir 50 Mark von der Kasse holen“, erzählt Meyer, der außer einer zweijährigen Bundeswehr-Auszeit von 1964 bis 2009 für Berkefeld arbeitete.

Die beiden erinnern sich auch an Martina Kampmann, die Tochter von Wilhelm Berkefeld, die immer mit „gnädige Frau“ angesprochen werden wollte. Bessel hat Erinnerungen an viele Mitarbeiter. Wenn er mittags Schulschluss an der Hehlentorschule hatte, rannte er schnell zum Berkefeld-Gelände, um dort mit den Mitarbeitern Fußball zu spielen. „In der Tischlerei haben sie mich auch mal in der Pause in eine Kiste gelegt und diese dann zugenagelt“, erzählt Bessel, „öfter durfte ich auch mit einem Lkw mitfahren.“ Mit Sostmann spielte er gelegentlich mal Tischtennis.

Auch an die Zeit, als der Hof nach dem Krieg von den Engländern besetzt war, hat Bessel gute Erinnerungen. „Wir haben immer Schokolade und sogar Skier bekommen“, sagt Besser, der 1956 von der Wittinger Straße wegzog, als seine Eltern in Altenhagen gebaut hatten. Sein Vater August blieb noch bis 1972 Meister bei Berkefeld. Den Konkurs im Jahr 1978 erlebte er somit nur noch aus der Ferne. Siemen und Hinsch übernahm die Firma, die dann nach Altencelle zog.

Als „Anton von Wellblech“ war Günter Anton (Jahrgang 1929) bekannt, der von 1962 bis 1971 als Hilfsschlosser und später als Betriebsschlosser in der Wellblechhütte arbeitete. „Dort herrschte eine kollegiale Atmosphäre“, sagt Anton. Oft war er aber auch unterwegs, – beispielsweise mit dem Fliegenden Wasserwerk – um bei Katastrophen zu helfen.

Die Blocks, die auf dem vergangenen Sonnabend abgedruckten Foto zu sehen sind, hatten mit Berkefeld aber nichts zutun. „Dort haben nur Post- und Fernmeldeamt-Angehörige gewohnt“, betont eine 83-jährige Frau, „die Blocks wurden von der Neuen Heimat gebaut.“ Viele Flüchtlinge hätten dort gewohnt. Die Wohnungen waren heiß begehrt. Marianne Pronobis (Jahrgang 1927) musste sechs Jahre warten, bis sie 1966 in eine der 48 Wohnungen einzog. Karin Narjes (Jahrgang 1936) wohnte von 1951 bis 1959 in den Postblocks. „Von dort hat man Männer mit weißen Kitteln auf dem Berkefeld-Hof gesehen“, sagt Narjes.

Blumenlage: Auf dem Foto „Sauber machen in der Blumlage“ vom Sonnabend, 22. Juni, hat Lore Lüer (Jahrgang 1947) drei Personen erkannt. „Der ältere Mann, der rechts im Hauseingang steht, müsste der Großvater meines Mannes, Friedrich Breuer, sein“, so Lüer. Die beiden Frauen im Vordergrund dürften demnach Lüers Schwiegermutter, Gerda Lüer, und Schwiegeroma Lisbeth Breuer, verwitwete Lüer, sein. „Das Haus war im Familienbesitz“, erzählt Lüer, „dahinter gab es einen kleinen Emma-Laden.“

Obwohl das Foto auf dem Plakat „Celle ´45“ abgedruckt wurde, spricht für Lüer vieles dafür, dass das Bild erst um 1950 entstanden ist. Der zierliche Junge, der ganz vorne fegt, könnte dann Lüers Mann Henry (Jahrgang 1945) sein.