Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Alte Fotos erzählen 25: Celler erinnern sich an Wäscherei Wiedenbach
Thema Alte Fotos erzählen 25: Celler erinnern sich an Wäscherei Wiedenbach
00:39 08.08.2018
Von Christopher Menge
Auf der Ansichtskarte aus dem Jahr 1925 ist das Haus - Wiedenbach, Am Maschplatz 4, ganz links zu sehen. Quelle: Sammlung Arnold Linke
Celle Stadt

Auf dem Hof der Wäscherei Wiedenbach spielte Günter Wede (Jahrgang 1940) gerne, während seine Mutter Hemden plättete. Doch an einem Nachmittag bekam er einen großen Schrecken, als er wieder mal eine der großen Wasch- und Trockentrommeln im letzten Gebäude als Karussell nutzte. „Eine Trommel ging plötzlich an“, erinnert sich Wede, „glücklicherweise fand ein Arbeiter den Knopf, sonst wäre es mir schlecht ergangen.“

Wedes Mutter half in der Wäscherei, die – wie viele Leser richtig wussten – am Maschplatz 4 stand, aus, wenn Not am Mann beziehungsweise an der Frau war. „Ich habe dann manchmal Wäsche ausgetragen“, erzählt Wede. Die Wäscherei, die auf Höhe des heutigen Ärztehauses in der Sankt-Georg-Straße 2 stand, gehörte Henriette Wiedenbach, der Großtante von Michael Schrader (Jahrgang 1951). „Meine Mutter packte ihre Wäschekörbe auf einen Bollerwagen und setzte mich oben drauf“, sagt Schrader, „dann ging es von der Jägerstraße zur Wäscherei von Mutters Schwester.“

Schrader erinnert sich, dass seine Großtante schon ein Auto – einen DKW Kombi – hatte und damit die Wäsche ausfuhr. „Unter anderem hat sie die Wäsche für die Stadtwerke gewaschen.“ Wiedenbach habe die Wäscherei bis in die Mitte der 1960er Jahre betrieben. Danach gab es in dem Haus noch ein Bordell, ehe das Gebäude der großen Sanierung der Blumlage (ab 1972) zum Opfer fiel. Wiedenbach erhielt als Entschädigung das Hotel Regina in Lachtehausen, das sie an einen Vetter von Schrader verpachtete. Während eines Urlaubs in Heiligenhafen verstarb Wiedenbach Anfang der 1970er Jahre.

Während sich Schrader an einen Herrn Krause erinnert, der in der Wäscherei arbeitete und in der Wohnung oberhalb lebte, hat Wede noch einen Belgier im Gedächtnis. Dieser ehemalige Zwangsarbeiter arbeitete Anfang der 1950er Jahre in der Wäscherei. Charlotte Elsner erinnert sich noch an die Wäscherei, weil ihre Mutter dort immer ihre Kleidung hinbrachte. „Ich habe Frau Wiedenbach aber nur flüchtig kennengelernt“, so die heute 92-Jährige. Ihre Wäsche brachte auch die Mutter von Ilse Pausch (Jahrgang 1929) zu Wiedenbach, nachdem sie altersbedingt nicht mehr zu Hause waschen konnte. Der 85-jährige ehemalige Dampflokführer, Hermann Timme, erinnert sich daran, dass bei Wiedenbach auch die Wäsche für die Osthannoversche Eisenbahn (OHE) gewaschen wurde.

Mit dem Bruder von Wiedenbach, Julius Schmidt, wohnte Timme mal zusammen. Der Vater, vermutlich Karl Wiedenbach, fiel während des Krieges, wie sich Jochen Kockot (Jahrgang 1931) erinnert. Kockot war der Neffe von Wiedenbach. „Es gab eine Heißmangel und einen Plättrum“, erinnert sich Kockot, „ich habe dort oft gespielt.“ Im linken Haus war Zigarren Schulze, wie sich unter anderem Horst Stellmann (Jahrgang 1943), Christa Zarnetzki (Jahrgang 1935) und Walter Rohkamp (Jahrgang 1941) erinnern. „Wenn er abends Feierabend machte, stellte er einen Zigarettenautomat raus“, erzählt Pausch, „und dort, wo die Bäume standen, ist heute das Parkdeck.“

„Links neben dem Haus begann die damals berüchtigte Straße ,Hinter den Höfen‘ (HdH)“, erzählt Arnold Linke (Jahrgang 1930). In den Freudenhäusern verkauften Frauen ihren Körper. Als pensionierter Postbeamter weiß das auch Hans-Joachim Bartz (Jahrgang 1947). „Das ist ein Stück Celler Geschichte, auch wenn viele natürlich nur zum Bier trinken dort waren“, sagt Bartz augenzwinkernd.

Bärbel Röse (Jahrgang 1940) durfte da nicht hin. „Aber wir sind immer wieder hingelaufen, um zu gucken“, sagt Röse, „da waren Engländerinnen drin.“ Bartz kennt sogar noch die Telefonnummer von Wiedenbach. „Vor der Wäscherei war der Taxistand für den Puff“, sagt Alfred Kruse (Jahrgang 1916). Außerdem kreuzten sich am Maschplatz die Straßenbahnen, einmal Richtung Blumläger Kirche und einmal Richtung Altes Rathaus.

„Zu der Puff-Straße haben wir immer ,Haus der Hüte‘ gesagt“, erzählt Anna Kleinknecht (Jahrgang 1942). In dem Haus gegenüber, in dem später die Drogerie Schlecker war, war das Warenhaus Weikopp. Dahinter wohnte Karl-Heinz Weigt (Jahrgang 1931), der auf dem Foto auch gleich erkannte, dass die Wäscherei am Maschplatz 4 gestanden hat. An die Schlosserei Hapke, die rechts neben Wiedenbach war, erinnert sich unter anderem noch Bernd Benzenberg (Jahrgang 1949).

Blumenlage: Auf dem Foto „Sauber machen in der Blumlage“ vom Sonnabend, 22. Juni, hat Klaus-Dieter Seisselberg das Rätsel um den kleinen Jungen im Vordergrund wohl möglich gelöst. „Das ist Uwe Schenkemeyer“, so Seisselberg.