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Alte Fotos erzählen 26: Celler erinnern sich an Biermannstraße
Thema Alte Fotos erzählen 26: Celler erinnern sich an Biermannstraße
00:05 08.08.2018
Von Christopher Menge
Luftaufnahme im Juli 2013: So sieht es heute aus, wenn man von der heutigen Biermannstraße auf die JVA blickt. Quelle: Frank Heinevetter - luftbild4u.d
Celle Stadt

Kein Licht brannte zu der Zeit auf dem MTV-Platz, der hinter dem Haus der Hentschels lag. „Bei Hochwasser lief das Wasser der Aller über den Platz“, erinnert sich Hentschel, „jemand aus der Familie Lanzmann rief dann bei meinem Vater an.“ Eine Pumpe wurde dann angestellt, um schlimmeres zu verhindern. „Alle Stunde musste die Pumpe angemacht werden. Wir haben Nachtschicht geschoben“, erzählt Hentschel, „Wir haben das Wasser immer außerhalb des Hauses gehalten, mussten aber über die Fenster einsteigen.“

Zwischen Hentschel und dem Sportplatz befand sich nämlich nicht nur ein Reitplatz, sondern auch der Notabfluss der Aller, wie sich Rudolf Peterson (Jahrgang 1931) erinnert. Peterson entsinnt sich auch noch an den Schrottplatz Tischbein, der auf dem CZ-Foto vom vergangenen Sonnabend zu sehen war. „Die Jugend war damals angehalten zu sammeln“, sagt Peterson, „wer viel sammelte, bekam dafür Punkte. Als ich 300 zusammen hatte, bekam ich als Belohnung ein Buch von meinem Lehrer.“ An die Sammlungen erinnert sich auch Weigt. „Ich habe mal am meisten gesammelt und dafür einen Zirkelkasten bekommen.“

Den Slogan der Firma Tischbein kennt noch Walter Stein (Jahrgang 1932): „Lumpen, Eisen, Knochen, Papier – alles sammeln wir.“ Helmut Stumpf (Jahrgang 1947) fuhr in den 1950er Jahren in den Ferien mit, um Schrott zu sammeln und meint, dass Tischbein Arnold mit Vornamen hieß. Horst von Hinten (Jahrgang 1936) kennt den Schrottplatz, da sein Vater für Tischbein arbeitete – allerdings im Ofengeschäft. „Das Haus am Nordwall, wo heute Kunst und Bühne drin ist, gehörte auch Tischbein“, erzählt eine Leserin. Am unteren rechten Bildrand ist die Lederfabrik zu sehen.

Stein verbrachte seine Jugend zwischen Aller und heutiger Biermannstraße. Oftmals war er in der Reithalle, die vor dem Haus der Hentschels und links neben dem Schrottplatz stand. Nachdem die Reithalle der Celler Pferdefreunde nach dem zweiten Weltkrieg von den Engländern beschlagnahmt worden war, übernahm ein Baron von Kanichen die Halle und brachte Pferde aus Ostpreußen mit, die er den Engländern zur Verfügung stellte.

„Wir sind mit den Engländern auf den Truppenübungsplatz, der sich bis Boye hinzog, ausgeritten“, erzählt Stein lachend, „dabei hatten wir zwei ganz liebenswerte Pferde. Ein Wallach biss dem Reiter immer ins Gesäß, wenn er von vorne aufstieg und wenn er von hinten aufstieg, trat er dem Reiter auf den Fuß – wenn wir jemanden nicht mochten, haben wir immer dieses Pferd gewählt.“ Für die weiblichen Offiziere hätten sie außerdem eine Stute gehabt, die sich immer hinsetzte, wenn sie im Wasser auf dem Übungsplatz gestoppt wurde. „Die Reiterinnen waren dann bis zum Bauchnabel im Wasser“, sagt Stein lachend.

1962 kam Angelika Fuchs-Aßmann (Jahrgang 1951) zu den Celler Pferdefreunden. „In dem Haus, das quer an die Reithalle angebaut war, war unser Clubraum und unsere Reitlehrerin Carla von Glasow hat da gewohnt.“ 1982 zog der Reitverein nach 54 Jahren an der Biermannstraße nach Scheuen. Nach dem Krieg hatte die Halle kurzzeitig auch als Fabrik für Betten aus Metall gedient, wie sich eine Leserin erinnert.

Vorher war der frühere MTV-Sportplatz zum Reitplatz geworden. 1927 hatten die Sportler des MTV ihre Stätte zwischen Biermannstraße und Aller bekommen. Neben Fußball und Handball wurde Tennis und Faustball gespielt. „Wir hatten keine warmen Duschen“, erzählt Karl Schlüter (Jahrgang 1934). Nur draußen gab es ein Rondell, indem Wasserhähne und eine Dusche vorhanden waren. „Da haben wir uns nach dem Sport frisch gemacht, auch im Winter – zumindest wenn es nicht eingefroren war.“ Faustball wurde auch im Winter gespielt. Schlüters Vater hatte extra einen großen Schneeschieber gebaut. Im Sommer wurde auch oftmals ein Bad in der Aller der kalten Dusche vorgezogen.

Die Gewerkschaft Elwerath finanzierte Anfang der 1950er Jahre die Tennisplätze. Hinter diesen hatte Petersons Großvater einen Obstgarten. Bei der Baumreihe an der linken Ecke des Sportplatzes gab es einen Ausschank. Nach Ende der Besatzung mussten die MTVer aber erstmal ihre Laufbahn wieder herrichten. Die Engländer hatten sie in eine Motorradcross-Strecke verwandelt.

Und was ist dort heute? „Der ehemalige MTV-Platz ist heute der Parkplatz für die Justizvollzugsanstalt“, sagt Ernst Pausch (Jahrgang 1924), der auf dem Bild vor dem Schrottplatz außerdem einen Lanzbulldog erkannt hat.