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Alte Fotos erzählen 27: CZ-Leser erinnern sich an Haus in der Bredenstraße
Thema Alte Fotos erzählen 27: CZ-Leser erinnern sich an Haus in der Bredenstraße
00:53 08.08.2018
Von Christopher Menge
Das Haus an der Bredenstraße 3 steht auch heute noch. - Es hat sein Aussehen nahezu nicht verändert. - Heute verkauft dort die Firma Lenzing Fleischereibedarf. Quelle: Alex Sorokin
Celle-Heese

Eigentlich ist Manfred Völlmer (Jahrgang 1943) diese Woche nach Celle gekommen, um alte Schulkameraden zu treffen. Doch diese hielten ihm gleich das Foto aus der CZ vom vergangenen Sonnabend unter die Nase. Das Bild zeigt das Haus an der Bredenstraße 3, das heute noch steht. Bis Ende 1964 war dort die Konsumgenossenschaft beheimatet. Seit Oktober 1965 verkauft dort die Firma Lenzing Schlachtereibedarfsartikel.

„Meine Eltern sind 1943 in das Haus gezogen“, erzählt Völlmer, den es ins schweizerische Burgdorf verschlagen hat, „unter unserer Wohnung war der Konsum-Laden.“ Außerdem war in der Bredenstraße das Zentrallager des Konsums. Dort wurden die Lastwagen beladen. In dem hinteren Haus hatte der Geschäftsführer ein Büro. „Der wohnte auch oben“, sagt Völlmer.

Gemeint ist Karl Heinz Krüger, der Vater von Wilfried Krüger (Jahrgang 1947). „Neben dem Büro waren in dem hinteren Haus auch noch ein Mehllager und ein Waschraum für die vier Familien.“ Krüger half als Kind oft im Laden mit. „Das waren ja alles noch lose Waren“, sagt Krüger, der als Zehn- bis Zwölfjähriger auch Waren mit dem Fahrrad ausfuhr.

Krüger griff am Donnerstag gleich zum Telefon, als er hörte, dass Völlmer in Celle ist. „Wir haben uns 50 Jahre nicht gesehen“, so Krüger, der sich auch noch daran erinnern konnte, dass die Lastwagen nicht mit Benzin, sondern mit Gasflaschen fuhren.

Wie Krüger half auch Ilse Kniep (Jahrgang 1923) als Kind im Konsum-Geschäft mit – allerdings ein paar Jahre früher und im Geschäft an der Fuhsestraße, das ihrem Vater gehörte und von der Breden-straße aus beliefert wurde. „Wir haben Zucker und Mehl abgewogen und dann die Tüten zugemacht“, erinnert sich Kniep, „wir durften aber nur in das Geschäft, wenn keine Kundschaft da war.“

Gisela Duwe (Jahrgang 1929) war in den 1930er- Jahren oft bei ihrer Großmutter, Hermine Misselhorn, zu Besuch, die an der Bredenstraße 3 wohnte. „Das waren sehr großzügige Wohnungen mit Öfen“, sagt Duwe, „nur die Toiletten waren unten im Hausflur.“ In dem großen Garten spielte Duwe mit den Geschwistern und pflückte Stachel- und Johannisbeeren sowie Pflaumen.

Während Annemarie Blazek (Jahrgang 1930) hin und wieder etwas in dem Konsum-Laden kaufte, nachdem sie im April 1945 im linken Nachbarhaus eine Schneiderlehre begonnen hatte und die Tante von Elfriede Freudenberg (Jahrgang 1936) sowie Jürgen Hoffmeister (Jahrgang 1935) ebenfalls zum Kundenstamm des Konsums zählten, begannen Karla Skoeries (Jahrgang 1934) und Ursula Wernicke 1948 beziehungsweise 1956 ihre Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau bei der Konsumgenossenschaft in der Bredenstraße. Den gleichen Beruf erlernte dort ab 1960 Monika Sobczak (Jahrgang 1946). Als Buchhalterin wurde Christa, die Schwester von Ursula Schmidt (Jahrgang 1940) in der Genossenschaft ab 1950 ausgebildet.

Am 31. Dezember 1964 war dann Schluss mit der Konsumgenossenschaft Celle und Umgebung. „Die Konsumgenossenschaft Mandelsloh hat in einem Vierteljahr alles abgewickelt“, erzählt Sobczak, „die Geschäfte in Winsen, Wietze und Meißendorf wurden auch übernommen.“ Das kommunistische System des Konsums kam bei der Bevölkerung nicht mehr an, meint Hans-Joachim Bartz (Jahrgang 1947), dessen Vater Anfang der 1950er-Jahre im Aufsichtsrat der Konsumgenossenschaft gesessen hatte. „Zu den Sitzungen wurde er aus Wathlingen mit dem Dienstwagen abgeholt“, erinnert sich Bartz.

Bärbel Hahn (Jahrgang 1934) erinnert sich daran, wie sie während des Krieges in dem Geschäft mit Lebensmittelkarten eingekauft hat. An dem Wiederaufbau nach dem Krieg hatte der Vater von Helga Haberland (Jahrgang 1950), die an der Bredenstraße 3 groß geworden ist, einen großen Anteil. Haberlands Vater war bis 1953 Geschäftsführer. Wie viele weitere Leser wissen auch Rolf Freier (Jahrgang 1947) und Erhard Pausch (Jahrgang 1924), dass hinter dem Haus Sackkarren hergestellt wurden und die Arwic-Werke dort ihren Sitz hatten.

Wie viele Konsum-Verkaufsstellen von der Bredenstraße beliefert wurden, lässt sich anhand der Leser-Rückmeldungen nicht genau beziffern. Die Angaben lagen zwischen 13 und 30 Läden in Stadt und Landkreis. Alle Anrufer wussten aber, dass in dem Haus noch heute die Firma Lenzing beheimatet ist. „Mein Vater hat das Haus 1965 gekauft“, erzählt Gerold Lenzing (Jahrgang 1941). Dort gab es schon den unteren Teil des Anbaus, der 1951 entstand.

„1980 kam dann noch mal eine Etage dazu“, sagt Lenzing. Auf dem Hof entstanden hinter dem kleinen Haus außerdem zwei Hallen. „Gebaut wurde das Haus im Jahre 1905, dann wurde es vom Konsum gekauft“, ergänzt Lenzing. Laut Gudrun Ehrhardt (Jahrgang 1941), die sich mit der Celler Stadtgeschichte beschäftigt hat, wurde die Konsumgenossenschaft in den 1890er-Jahren gegründet. „Im Adressbuch von 1909 hatte die Konsumgenossenschaft schon ihren Sitz an der Bredenstraße 3“, so Ehrhardt.