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Alte Fotos erzählen 29: Feldmann-Dynastie produziert Uhren in Celle seit 1780
Thema Alte Fotos erzählen 29: Feldmann-Dynastie produziert Uhren in Celle seit 1780
02:00 08.08.2018
Von Andreas Babel
Alte Fotos von Siegfried Heinse - B rbel Sander (Jahrgang 1938) hat auf der Aufnahme aus dem Jahr 1910 ihren Gro vater Wilhelm Franke wiedererkannt, die wir am vergangenen Sonnabend ver ffentlicht hatten. Sie ist sich absolut sicher, dass das Bild den Oberpostschaffner darstellt, denn sie besitzt eine Original-Postkarte eine Berliner Fotografen, der genau diese Szene festh lt. B rbel Sanders Vater hat ihr diese Postkarte mit dem Hinweis darauf, dass der Uniformierte darauf ihr Gro vater sei. "Sei Tod war etwas mysteri s. Wir wissen weder sein Geburtsdatum noch sein Todesjahr. Miene Gro mutter hat nach seinem Tod irgendwann nach dem Ersten Weltkrieg alles verbrannt. Ich besitze kein einziges anderes Foto von ihm. Ich vermute, dass es nur Zufall war, dass er auf dieses Foto kam", sagt Sander, die heute in Offensen lebt. Quelle: Sammlung Siegfried Heinse
Celle Stadt

Einige Celler werden sich noch daran erinnern, dass an der Hehlentorstraße bis 1945 ein Uhrengeschäft war. Frieda Feldmann führte das Geschäft ihres Mannes Georg Ernst Feldmann nach dessen Tod 1933 fort. Der Urenkel von Frieda und Georg Ernst Feldmann, Siegfried Heinse (68), sucht nach Spuren des Wirkens seiner Vorfahren. Die Tradition der Uhrmacher-Familie Feldmann ist weit älter als bislang bekannt.

Es gab nämlich noch mindestens vier Uhrmachermeister-Generationen vor besagtem Georg Ernst. Gründer der Manufaktur Celle war 1780 Christian Heinrich Feldmann. Und was den meisten Cellern ebenfalls nicht bekannt sein dürfte: Die Familientradition wird auch heute noch fortgeführt. Und zwar in Tostedt. Hier betreibt Olaf Böhrnsen, ein weiterer Urenkel von Georg Ernst Feldmann, ein Geschäft, in dem es natürlich auch Uhren zu kaufen gibt. Böhrnsen ist Juwelier und Goldschmied und hat seinen Laden seit 1982. Stolz verweist der Tostedter darauf, dass er das in Celle gegründete Unternehmen bereits in der achten Generation leitet. Auf seiner Internetseite (www.goldschmiede-boehrnsen.de) steht dann auch zu lesen, dass es „das in Deutschland zweitälteste in Familie geführte Juwelierfachgeschäft“ sei. Genaue Standorte der Celler Manufaktur und die exakten Lebensdaten seiner Vorfahren will der Goldschmied noch in alten Celler Kirchenbüchern recherchieren.

Fest steht, dass Olaf Böhrnsens Großvater Ernst Heinrich Feldmann in die Fußstapfen seiner Vorväter getreten ist, allerdings sein Geschäft in Schwarmstedt aufgemacht hat, wo seine Frau Luise den Laden bis 1967 fortgeführt hat. Und Olaf Böhrnsens Mutter Christa schloss sich an, ehe schließlich der jetzige Inhaber die Geschicke des Unternehmens zu leiten begann.

Von weiteren Uhrengeschäften im Landkreis Celle berichtet die hochbetagte Maria Feldmann. Die 93-Jährige lebt noch alleine im eigenen Haus in Westercelle, liebevoll um-sorgt von den Töchtern Renate und Ingrid und von Sohn Klaus Tremmel, der historisch sehr interessiert ist. Maria Feldmann hat nach dem Krieg den Uhrmacher Karl Feldmann, den Onkel ihres Mannes, in Neuwinsen besucht. Dessen Kinder Karl und Alfred sind ebenfalls Uhrmacher gewesen und haben ihr Handwerk nach ihrer Auswanderung nach Südafrika auf dem schwarzen Kontinent weiter ausgeübt. Und auch das Uhrengeschäft von Fritz Jähnisch in Eschede hat etwas mit den Feldmanns zu tun – denn Jähnisch war der erste Ehemann von Marie Klindtworth, einer 1899 geborenen Feldmann-Tochter.

Maria Feldmann ist 1920 in Ungarn geboren. Ein Jahr später kam ihr Geburtsort Oberpetersdorf zu Österreich. Ihren Dialekt aus dem Burgenland hat die alte Dame bis heute behalten. Als sie 20-jährig in Wien gearbeitet hat, lernte sie den deutschen Soldaten Kurt Feldmann aus Celle kennen. Wenig später heirateten sie im Burgenland. Zunächst kam Maria Feldmann 1942 zu Besuch nach Celle, schließlich Ende 1944 mit beiden kleinen Töchtern endgültig bei der Schwiegermutter Frieda Feldmann an der Hehlentorstraße 10 unter. 1943 war sie hochschwanger in ihre Heimat gefahren, wo die zweite Tochter geboren wurde. „Dann hat mir mein Mann geschrieben, dass er mich nicht bei den Russen wissen möchte“, erzählt die alte Dame. Also machte sie sich per Bahn auf die lange Reise gen Celle. Frieda Feldmann hatte ihre Enkelkinder zunächst nicht erkannt, dann aber die Ähnlichkeit mit ihrem Sohn Kurt und auch mit ihr selbst gesehen, erinnert sich Maria Feldmann. Ihr Mann Kurt ist am 7. Januar 1945 in Belgien gefallen. „Er hat während des Krieges seinen Kameraden die Uhren repariert“, weiß seine Witwe.

In das Celler Uhrengeschäft zog zunächst ein Zigaretten- und Zeitschriftenladen. Im Laufe der Jahre gab es verschiedene Nutzer, heute wird hier Pizza gebacken.

Frieda Feldmann führte das Geschäft noch bis Kriegsende fort. In den Wirren der letzten Kriegstage wurde das Geschäft beschädigt. Die Feldmanns lebten noch bis 1964 (Frieda starb 1960) an der Hehlentorstraße 10. Mit Kriegsende wurde das Uhrengeschäft geschlossen. Wo die Uhren abgeblieben sind, weiß Maria Feldmann nicht. Ihr 1954 geborener Sohn erinnert sich daran, dass noch in den 1960er-Jahren Uhren, die zu reparieren waren, auf dem Dachboden lagen. Damit habe er gespielt.

Annita Butzheinen hat von ihrer Mutter (Jahrgang 1921) eine von Uhrmacher Ernst Feldmann gefertigte Wanduhr (oberes Foto links) vererbt bekommen. Die Cellerin hat die etwa 30 Zentimeter breite und 50 Zentimeter hohe Uhr vor einigen Jahren aufpolieren und instandsetzen lassen. Sie versieht heute wieder ihren Dienst.

Bärbel Sander (Jahrgang 1938) hat auf der Aufnahme aus dem Jahr 1910, die wir am vergangenen Sonnabend veröffentlicht hatten, ihren Großvater Wilhelm Franke wiedererkannt. Sie ist sich absolut sicher, dass das Bild den Oberpostschaffner darstellt, denn sie besitzt eine Original-Postkarte eines Berliner Fotografen, der genau diese Szene festhält. Bärbel Sanders Vater hat ihr diese Postkarte mit dem Hinweis darauf gegeben, dass der Uniformierte auf dem Bild ihr Großvater sei. „Sein Tod war etwas mysteriös. Wir wissen weder sein Geburtsdatum noch sein Todesjahr. Meine Großmutter hat nach seinem Tod irgendwann nach dem Ersten Weltkrieg alles verbrannt. Ich besitze kein einziges anderes Foto von ihm. Ich vermute, dass es nur Zufall war, dass er auf dieses Foto kam“, sagt Sander, die heute in Offensen lebt.

Geheimnisumwittert bleibt vieles unserer Familiengeschichten. So schreibt die CZ am 25. August 1934 unter dem Gründungsdatum 1780 für die Uhrenmanufaktur Celle, dass das Unternehmen noch viel älter sein müsse, denn schon vor 233 Jahren seien Standuhren nach Hannover, Braunschweig und in andere Orte geliefert worden. Olaf Böhrnsen wird also noch tief bohren müssen, um die Anfänge der Celler Uhrmacher ausfindig machen zu können. Eine Feldmann-Standuhr von 1780 nennt er schon sein eigen.