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Alte Fotos erzählen 33: Pesthütte lag einst am Teich
Thema Alte Fotos erzählen 33: Pesthütte lag einst am Teich
15:28 07.05.2015
Von Andreas Babel
Die Pesthütten im Hehlentorgebiet an der Hüttenstraße Quelle: Andreas Babel
Celle Stadt

Anna Kleinknecht, geborene Fette (Jahrgang 1942), war überrascht, als sie am Sonnabend die CZ aufschlug. Schauten ihr doch ihre Großeltern von einem Foto aus dem Jahre 1930 entgegen. Diese einmalige Aufnahme vor der Celler Pesthütte sorgte für viele Gespräche im Familienkreis. „Ich habe gerade mit meinen Cousinen gesprochen. Eine meiner Cousinen erinnert sich sagt noch an Namen der Bewohner dieser fünf Wohnungen der Pesthütte: Sander, Bähre, Prasser und Lüßmann erinnert sie“, sagte Kleinknecht.

Nach den Adressbüchern der Jahre 1949 und 1955 könnte es sich sogar um sechs Wohnungen in diesem einstmals 1628 errichteten und immer wieder erweiterten Fachwerkhaus, vor dem Hehlentore und am Rathsteich gelegen, gehandelt haben. 1955 ist vermerkt, dass das Gebäude der Realgemeinschaft Klein Hehlen gehört. Als Bewohner waren hier die Rentnerinnen Anna Bähre und Marie Sander, die Arbeiter August Bloon, Günter Näther und Wilhelm Prasser, der Schlosser Walter Lüßmann sowie der Kraftfahrer Heinz Widdel verzeichnet. Vier Jahre später wurde die Pesthütte abgerissen. „Das Foto zu sehen, war für uns aufregend. Meine Cousinen erinnern noch, dass es Kleingärten neben der Pesthütte gab und dass man das Wasser aus einem Brunnen holen musste, denn in dem Haus gab es weder fließendes Wasser noch Strom“, sagt Kleinknecht.

„Ich kenne die Pesthütte noch, sie lag am Ende der Hüttenstraße, die in einen Feldweg überging. Es kann auch sein, dass sie aus mehreren miteinander verbundenen Einzelhäusern bestand. Ich habe 1950 bei der Stadt Celle angefangen, alle möglichen Grenzen und Baufluchten zu vermessen und da kam ich überall hin, wo sonst niemand hinkam“, sagt Arnold Linke (Jahrgang 1930). Der Sammler besitzt einige Pläne, auf denen die Pesthütte sehr genau eingezeichnet ist.

Hendrik Altmann schickte uns einen Ausschnitt der Kurhannoverschen Landesaufnahme aus dem Jahre 1780. Hier ist die längliche Pesthütte nördlich des Ratsteiches erkennbar, fernab jeglicher anderer Bebauung. Im Jahr 1636 waren 13 Celler Wohnhäuser von der Pest befallen. Deshalb ordnete der Herzog an, unverzüglich ein Krankenhaus vor den Toren der Stadt errichten zu lassen, „damit die Kranken, sie seien Bürger oder nicht, darein gebracht und durch Krankenwärterinnen recht verpflegt werden möchten...“, zitiert Altmann den Stadtchronisten Clemens Cassel. Die Pesthütte umfasste zunächst fünf Stuben und fünf Kammern für die Kranken, wurde dann auf die doppelte Anzahl erweitert. In den Jahren 1680/81 wurde die Pesthütte nochmals erweitert. Es wurde dem Gebäude ein beiderseitiger Anbau hinzugefügt. Der letzte an der Pest Erkrankte in Celle verstarb im Jahr 1716. In seuchenfreien Zeiten befanden sich in der Pesthütte Dienstwohnungen von Magistratsbeamten. 1823 erwarb die Ortschaft Klein Hehlen die Pesthütten und die Ratsteiche. (ab)