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Alte Fotos erzählen 38: Erinnerungen an TuS-Heim an Nienburger Straße
Thema Alte Fotos erzählen 38: Erinnerungen an TuS-Heim an Nienburger Straße
14:50 07.05.2015
Von Christopher Menge
Celle Stadt

„Ihr habt hier nichts mehr zu suchen“ – diesen Satz bekam August Herbst, Vater von Erich Herbst (Jahrgang 1935) zu hören, als er im Jahr 1933 in sein „Sport- und Jugendheim“ der „Freien Turnerschaft Celle“ an der Nienburger Straße wollte. Die Nationalsozialisten hatten das Haus besetzt. Der Arbeitersportverein, der 1899 gegründet worden war, wurde schließlich verboten. Dabei hatte sein Vater, der in der Straße Texas aufwuchs, bei dem Bau des Heims zwischen 1923 und 1928 mitgearbeitet. „Das Haus und der Platz sind in Eigenleistung entstanden“, erzählt Herbst.

Auch die Eltern von Bärbel Hahn (Jahrgang 1934), Ludwig und Bertel Fuhrmann, halfen beim Bau des heutigen TuS-Heims mit. „Früher hat jeder mit angefasst , sagt Hahn, „meine Eltern haben die Malerarbeiten gemacht.“ Hahn selbst hat nach dem Krieg Weihnachtsfeiern des MTV Celle, dessen Halle durch die Engländer besetzt war, im TuS-Heim erlebt. „Wir haben ein Weihnachtsmärchen aufgeführt“, erinnert sich Hahn.

Anna-Katharina Ehrbar (Jahrgang 1929) hat im Nachlass ihres Vaters, Karl von Soest, ein Bild gefunden, das den Bau des Torbogens im Eingangsbereich zeigt. Sie weiß auch noch, dass das Heim damals von Franz und Mini Wohlleben bewirtet wurde. Der spätere Oberbürgermeister Celles, Albert Köhler, gehörte nach Ehrbars Recherchen außerdem zum Vorstand der Freien Turnerschaft.

„Meine Großeltern haben aus dem Bergwerk in Steinförde Steine zum Bau des Heims mitgebracht“, erzählt Jürgen Hoffmeister (Jahrgang 1935). Wie in den 1920er Jahren üblich musste diese Arbeit zu Fuß und mit einem Handwagen bewältigt werden. „Über die Entstehung des Jugendheims wurde im Familienkreis immer wieder erzählt“, sagt Hans- Jürgen Schulze (Jahrgang 1938), „Mit einem Kahn wurden Steine von Oldau über die Aller transportiert. Diese kamen vom Abbruch eines Schachtes.“

Margarete Eckert (Jahrgang 1923) erinnert sich daran, dass sie während der NS-Zeit sonnabends zum „Staatsjugendtag“ in das Heim kommen musste. „Dort wurden Hitler-Lieder gesungen und dann mussten wir vor dem Gebäude antreten“, so Eckert.

Hoffmeister, der 1946 in den TuS Celle eintrat, erinnert sich noch besonders an die Besuche der Fußball-Mannschaft des Hamburger SV Ende der 1950er Jahre im TuS-Heim. „Immer wenn sie in Hannover gespielt haben, haben sie in Celle Station gemacht“, erzählt Hoffmeister. Dass die Hamburger gerade das TuS-Heim auswählten, lag wohl an Wirt Fritz Schlüter. „Er hatte immer einen schwarzen Anzug und ein weißes Hemd mit Krawatte an – wie in einem Hotel“, sagt Hoffmeister.

Unklar ist, wann das TuS-Heim seinen Balkon erhalten hat. Während er auf dem Bild aus der CZ vom vergangenen Sonnabend noch nicht zu sehen ist, hat Ehrbar eine Karte gefunden, auf der das Heim der Freien Turnerschaft mit Balkon zu sehen ist. Auch Schulze meint, dass der Balkon schon vor dem Krieg dagewesen sei. Helmut Rosolski, der von 1961 bis 1993 dem Vorstand des TuS Celle angehörte, ist sich dagegen sicher, dass der Balkon erst Mitte der 1940er Jahre – also zu TuS-Zeiten – gebaut wurde. Fest steht: Hänschen Röling (Jahrgang 1940) guckte vom Balkon gerne beim Fußball zu. „Einmal habe ich nicht aufgepasst und einen Ball abbekommen“, erzählt Röling, der damals als Trost einen Lutscher von Otto Schade bekam.